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19.12.2007 
Deutsche Herstellern entsetzt

Autobauer protestieren gegen EU-Klimaschutzplan

Mit ihren Plänen zur Verringerung des CO2-Ausstoßes von Neuwagen ab 2012 hat die EU-Kommissionen einen Sturm der Entrüstung in der Autoindustrie ausgelöst. Europas führender Autokonzern Volkswagen kritisierte die Vorschläge als Benachteiligung deutscher Hersteller. Einer davon ist besonders betroffen.

Die hochmotorisierten Porsche-Modelle stoßen besonders viel CO2 aus. Foto: ArchivLupe

Die hochmotorisierten Porsche-Modelle stoßen besonders viel CO2 aus. Foto: Archiv

mcs/HB BRÜSSEL/DÜSSELDORF. Die deutschen Autohersteller äußerten sich entsetzt über die Brüsseler Pläne. Als Hersteller sogenannter Premiumfahrzeuge sind sie besonders in der Ober- und Mittelklasse stark. Gewicht und Motorisierung der Autos führen zu einem überdurchschnittlich hohen CO2-Ausstoß.

"Wir sind sehr enttäuscht über den Vorschlag. Statt Umweltpolitik ist das Industriepolitik", sagte ein BMW -Sprecher dem Handelsblatt. "Das ist ein Schnellschuss, der den Markt verzerrt und deshalb Anpassungen erfordert. Auch die Massenhersteller müssen verpflichtet werden." Der Münchener Konzern warf der EU-Kommission vor, Hersteller großer Autos unverhältnismäßig zu belasten. Das Unternehmen wertete die Vorschläge als "naiv in Bezug auf das Umweltziel".


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Auch der europäische Herstellerverband ACEA sprach am Mittwoch in Brüssel von unausgewogenen Vorschlägen und nannte die angekündigten Geldbußen "nicht akzeptabel".

Die EU will den Treibhausgas-Ausstoß neuer Autos von 2012 an deutlich senken. Die Kommission beschloss dazu am Mittwoch den schon im Vorfeld heftig umstrittenen Entwurf für ein Gesetz, nach dem Neuwagen dann im Durchschnitt nur noch 120 Gramm Kohlendioxid (CO2) je Kilometer an die Umwelt abgeben dürfen. Allein durch verbesserte Motorentechnik soll ein Rückgang auf 130 Gramm erreicht werden. Derzeit liegt der Durchschnitt bei 160 Gramm.

Anders als angekündigt stellte EU-Umweltkommissar Stavros Dimas die Richtlinie alleine vor, der deutsche Industriekommissar Günter Verheugen blieb der Pressekonferenz aus Protest fern. Er war für niedrigere Sanktionen bei Überschreitungen des Grenzwertes eingetreten, als die Kommission sie jetzt beschloss.

Der Grenzwert gilt nicht für jedes einzelne Auto, sondern muss im Durchschnitt der gesamten Fahrzeugflotte eines Herstellers erreicht werden. Da größere Wagen mehr CO2 absondern, müssen ihre Emissionen vergleichsweise stärker reduziert werden als bei kleinen Autos. Der Wert soll für alle in der EU zugelassenen Neufahrzeuge gelten, also auch für die importierten. Die EU-Kommission schlägt gestaffelte Strafen ab 2012 vor, wenn ein Hersteller den Grenzwert im Schnitt überschreitet. Die Strafe beginnt mit 20 Euro je Gramm CO2 über dem Grenzwert und steigt bis auf 95 Euro im Jahr 2015. Diese sogenannten Prämie wird mit der Anzahl der vom Hersteller verkauften Autos multipliziert. Experten rechnen damit, dass damit Milliardenkosten auf die Hersteller zukommen, die die Klimaschutzziele verfehlen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Volkswagen sieht Innovationsfähigkeit der deutschen Automobilhersteller "gravierend beeinträchtigt"

"Wir hätten uns eine faire, realistische und zeitlich umsetzbare Regelung gewünscht", heißt es bei Volkswagen. Die Wolfsburger sehen die Innovationsfähigkeit der deutschen Automobilhersteller "gravierend beeinträchtigt". Das Unternehmen begrüßte zwar die von der EU angekündigte vierjährige Übergangszeit für Strafen, die bei Überschreitungen der CO2-Grenzwert fällig werden sollen. Im Hinblick auf Entwicklungszeiten sei die Frist aber "nicht wirklich viel", sagte die Sprecherin. Ein Opel -Sprecher sagte, auch der Volumenhersteller werde gefordert sein.

Umweltkommissar Dimas sagte, die Richtlinie solle die Autoindustrie zu Investitionen in umweltfreundliche Technologien ermutigen. Auch soll möglich sein, dass sich ein Hersteller großer, schwere Autos mit einem Kleinwagenhersteller zusammentut, um den Grenzwert gemeinsam einzuhalten.

Daimler und Porsche verwiesen auf den Verband der Automobilindustrie (VDA). "Wir werden diese Empfehlung in Ruhe prüfen", sagte ein Sprecher des von den neuen Klimaschutzzielen der EU besonders betroffenen Sportwagenherstellers. Die hochmotorisierten Porsche -Modelle stoßen im Schnitt rund 300 Gramm Kohlendioxid (CO2) pro Kilometer aus.

Die deutschen Hersteller hatten sich Dienstagabend auf eine gemeinsame Linie verständigt, die der VDA vertreten soll. "Der Dimas-Barroso-Vorschlag ist lediglich die erste Etappe auf einem Marathonlauf bis zur endgültigen Regulierung. Jetzt geht es darum, diesen Vorschlag im Europäischen Parlament und im Rat grundlegend zu verbessern, so dass die CO2-Minderungsvorgaben wettbewerbsneutral, ausgewogen und klimaeffizient gestaltet werden", sagte VDA-Präsident Wissmann. Das eigentliche Tauziehen hinter den Kulissen setze jetzt erst ein, sagte ein Manager eines süddeutschen Autoherstellers dem Handelsblatt.

Vor allem Deutschland und Frankreich kämpften schon im Vorfeld dafür, dass ihre Autobauer nicht zu schlecht wegkommen. Die deutschen Hersteller BMW, Daimler und Porsche sind auf große und luxuriöse Wagen mit relativ hohen Emissionen spezialisiert, während die französischen Konkurrenten mit Peugeot und Renault ihren Schwerpunkt bei kleineren Autos haben. Das Gesetz soll dazu beitragen, die ehrgeizigen Ziele der EU zum Klimaschutz zu erreichen. Von Kraftfahrzeugen gingen zwölf Prozent der gesamten Emissionen in der EU aus, erklärte die Kommission weiter. Dieser Ausstoß an CO2 werde durch die neuen Vorschriften um 19 Prozent gesenkt.

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