Autobauer
Renault baut 9000 Stellen ab

Renault hat in der zweiten Jahreshälfte 2008 einen Nettoverlust von 982 Millionen Euro. Und die Reaktion folgt prompt: Der französische Autobauer plant, 9 000 Stellen abzubauen. Das Hilfsprogramm der französischen Regierung wird dagegen sehr begrüßt.

HB PARIS. Nach dem Absturz in die Verlustzone hat Renault am Donnerstag das Eingreifen des Staates gelobt und europäische Initiativen für die Autobranche verlangt. Trotz der drei Mrd. Euro Staatskredite werde Renault in diesem Jahr 9 000 von 129 000 Stellen abbauen, sagte Konzernchef Carlos Ghosn in Boulogne-Billancourt bei Paris. Es werde aber keine Sozialpläne geben. Präsident Nicolas Sarkozy hatte die Kredite an den Verzicht auf Entlassungen geknüpft.

Ghosn nannte es einen "Vorteil, heute den Staat als Aktionär zu haben". Die mit sechs Prozent verzinsten Kredite seien "Darlehen zu vernünftigen Bedingungen". Die Furcht vor Protektionismus sei größer als der Protektionismus selbst, sagte Ghosn. "Sie werden sehen, dass andere Staaten folgen werden, und das erscheint mir normal." Die EU müsse dabei die Führung übernehmen. "Koordiniert, ergreift die Initiative!". Die Industrie brauche "keine Geschenke", sondern Finanzierung und Stimulierung der Nachfrage.

Renault ist im zweiten Halbjahr 2008 mit 980 Mio. Euro in die Verlustzone gestürzt. Im Gesamtjahr brach der Überschuss von 2,67 Mrd. auf 571 Mio. Euro ein. Zum Gewinn vor Steuern von 761 Mio. Euro trugen Nissan 345 Mio. und der Lkw-Bauer Volvo AB 226 Mio. bei. Um den Kapitalabfluss zu begrenzen, kürzt Renault die Investitionen 2009 um ein Fünftel. Der Bau eines Werks in Indien wird zurückgestellt, der Aufbau der Dacia-Fertigung in Marokko verzögert. "Die Priorität liegt bei der Sicherung der Liquidität", sagte Ghosn. Ähnlich hatte sich vortags PSA Peugeot Citroën geäußert.

Der Renault-Umsatz schrumpfte 2008 um sieben Prozent auf 37,79 Mrd. Euro. Die Verschuldung stieg um 5,86 Mrd. auf 7,94 Mrd. Euro oder 40,9 Prozent des Eigenkapitals. Für 2008 sollen die Aktionäre leer ausgehen. "Man kann keine Dividende zahlen, wenn Kapital abfließt", sagte Ghosn. Eine Gewinnprognose wollte er nicht geben. Für 2009 erwarte Renault einen Weltmarkt von 55 Mio. Autos, also vier Mio. weniger als vor der Krise 2007. Doch der Trend gehe derzeit eher in Richtung 50 Mio. Autos, sagte Ghosn.

Umstrukturierungen schloss Ghosn kurzfristig aus. "Wir haben den Boden der Krise noch nicht gesehen", sagte er. "Daher wissen wir nicht, was wir machen müssen. Außerdem brauchen Umstrukturierungen viel Bargeld. Und das haben wir in der Krise nicht." Schon vor der Vereinbarung mit dem Staat über Finanzhilfen habe Renault beschlossen, kein Werk in Frankreich zu schließen. "Wir haben unser Versprechen nur bestätigt."

Gut läuft das Geschäft der rumänischen Renault-Tochter Dacia. Der Absatz steige und die Marge liege weiter nahe bei sechs Prozent, erklärte Ghosns Stellvertreter Patrick Pelata. In Deutschland habe sich der Absatz durch die Verschrottungsprämie versechsfacht. "Wir durchqueren die Krise ohne große Schäden", sagte er. "Der Logan ist eine Insel der Ruhe im Sturm."

Der Aktienmarkt nahm die Meldungen positiv auf. In einem nachgebenden Markt stieg die Renault-Aktie bis zum Mittag um rund fünf Prozent auf 17,05 Euro. Analysten begründeten dies mit der unerwartet starken Reduzierung der Lagerbestände im vierten Quartal um 45 Prozent. Ghosn hatte erklärt, Renault habe die Bestände "ausreichend saniert".

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