Autobauer
Teilverkauf von Saab an Chinesen noch in der Schwebe

Der chinesische Autokonzern BAIC übernimmt offenbar Teile des schwedischen Autoherstellers Saab von General Motors (GM). Interesse hatten die Chinesen schon vorher gezeigt, aber jetzt scheinen sie sich im Alleingang nach vorne zu wagen. Zwar gibt es keine Bestätigung, aber Indizien deuten auf eine Zerschlagung von Saab hin.
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STOCKHOLM. Die Angaben des "Wall Street Journal", nach denen General Motors (GM) Teile der Produktionsanlagen für die alten Modelle des Saab 9-3 und des Saab 9-5 an den chinesischen Autohersteller BAIC verkauft haben soll, wurden in Schweden am Sonntag nicht bestätigt. Ein Saab-Sprecher erklärte am späten Nachmittag auf Anfrage, dass er derzeit die Gerüchte nicht kommentieren könne. "Das ist nicht bestätigt, weder von GM noch von BAIC. Ich weiß nicht, woher diese Angaben stammen", sagte er.

Das "Wall Street Journal" hatte unter Berufung auf nicht genannt Quellen behauptet, ein Teilverkauf von Produktionsanlagen sei am Wochenende beschlossen worden. Der Abschluss eines Vertrages würde in Kürze bekanntgegeben. GM hatte vor knapp drei Wochen nach dem Absprung des einstigen Übernahmekandidaten, dem schwedischen Sportwagenhersteller Koenigsegg, seiner Tochter Saab eine Galgenfrist bis zum 31. Dezember dieses Jahres gegeben. Bis dahin wolle man entscheiden, ob der seit fast 20 Jahren verlustreiche Pkw-Hersteller stillgelegt wird, oder ob man ihn an einen seriösen Interessenten verkaufen kann.

BAIC hatte bereits vergangene Woche deutlich gemacht, dass man nicht an einer Übernahme der Saab-Fabrik in Trollhättan interessiert sei. Dagegen könne man sich den Kauf von Produktionsanlagen denken. Nach Angaben eines Automobilanalysten in Schweden betonte, dass es in der Branche häufiger vorkomme, dass Produktionsanlagen für Auslaufmodelle an Konkurrenten verkauft werde. Das habe mit einer Zerschlagung eines Unternehmens nichts zu tun. Möglicherweise wolle GM mit dem Verkauf der alten Pressen auch Geld einnehmen, um so die Frist für Saab verlängern zu können.

Bei den schwedischen Gewerkschaften wusste man am Sonntag nichts von einem eventuellen Verkauf von Produktionsanlagen nach China. Der niederländische Sportwagenhersteller Spyker, der zuletzt sein Interesse an einer Saab-Übernahme bekundet hatte, bekräftigte am Sonntag erneut, dass man weiterhin in Verhandlungen mit GM stünde. Ein Verkauf der Saab 9-3- und 9-5-Produktionsanlagen würde daran nichts ändern, da es sich um Pressen für auslaufende Modelle handele, so der Sprecher.

Die schwedische Regierung, die selbst einen Einstieg bei Saab ausgeschlossen hat, wollte die neuen Gerüchte ebenfalls nicht kommentieren. Für eine Teilung von Saab spricht dagegen die vor einer Woche bekanntgewordene Bildung von fünf Aktiengesellschaften, in die die Saab-Bereiche Getriebe, Einzelkomponenten, Eigentum, Werkzeuge und Investitionen eingehen. Diese würde eine Zerschlagung der Traditionsmarke erleichtern, sagten Analysten.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent

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