Industrie

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Autobauer: US-Regierung will bei GM aussteigen

Mit 50 Milliarden Dollar Staatshilfe wurde General Motors vor drei Jahren vor der Pleite gerettet. Nun will der Autobauer seine Aktien von der US-Regierung zurückkaufen - für einen Bruchteil der staatlichen Hilfe.

General Motors will Aktien von der US-Regierung zurückkaufen. Quelle: Reuters
General Motors will Aktien von der US-Regierung zurückkaufen. Quelle: Reuters

DetroitDer vor drei Jahren vom Staat gerettete Autobauer General Motors kauft sich Stück für Stück von der US-Regierung frei. Wie die Opel-Mutter am Mittwoch mitteilte, will sie Aktien im Volumen von 5,5 Milliarden Dollar von der Regierung erwerben. Der Kauf der rund 200 Millionen Papiere zum Preis von 27,50 Dollar - ein Aufschlag von knapp acht Prozent auf den Schlusskurs von Dienstag - soll Ende des Jahres beendet sein. Damit sinkt der Anteil des Staates auf 19 Prozent von zuvor 26 Prozent und beschert den USA nach der 50 Milliarden Dollar schweren GM-Rettung einen Milliardenverlust.

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Spätestens in 15 Monaten will die US-Regierung gar keinen Fuß mehr in der Tür des wiedererstarkten Detroiter Konzerns haben. In 12 bis 15 Monaten wolle man auch die restlichen etwa 300 Millionen Aktien verkaufen, teilte Finanzminister Timothy Geithner am Mittwoch mit. Damit dürfte dann General Motors auch seinen ungeliebten Beinamen "Government Motors" wieder verlieren.

Die schlechtesten Autokonzerne im US-Qualitätsranking

  • Methodik

    Seit 26 Jahren erheben die US-Konsumforscher von JD Powers die Qualität von Neuwagen in den 90 Tagen nach der Auslieferung. Dafür werden die Konstruktionsprobleme und -mängel sowie Störungen pro 100 Fahrzeuge ermittelt. Die Initial Quality Study (IQS) gilt für US-Konsumenten als Kompass bei der Kaufentscheidung.

  • Platz 34

    Smart (Deutschland)

    Die Kleinstwagen von Daimler liegen auf dem letzten Platz im US-Qualitätsranking. Mit 151 Beschwerden auf 100 Kleinwagen ist nur eine Marke gleich schlecht.

  • Platz 33

    Fiat (Italien)

    Weil der heimische Absatzmarkt schwächelt, setzen die Italiener große Hoffnung auf den US-Markt. Das schlechte Abschneiden im Ranking ist ein schwerer Schlag für die Strategie von Konzernchef Sergio Marchionne. Auch die Italiener kommen auf 151 Beschwerden auf 100 verkaufte Wagen.

  • Platz 32

    Mini (Großbritannien)

    Die BMW-Tochter kämpft ebenfalls mit massiven Qualitätsproblemen. 139 Beschwerden auf 100 Neuwagen sind deutlich verbesserungswürdig.

  • Platz 31

    Volkswagen (Deutschland)

    Groß war die Enttäuschung in der VW-Zentrale als die Ergebnisse der Studie bekannt worden. Die Qualitätsoffensive in den USA hat noch nicht gefruchtet. 124 Beschwerden auf 100 Neuwagen bescheren den Wolfsburgern einen der hinteren Plätze im Ranking.

  • Platz 30

    Mitsubishi (Japan)

    Die ehemaligen Partner von Daimler haben in den Staaten qualitativ abgebaut und landen mit 124 Beschwerden auf 100 Neuwagen ebenfalls weit hinten im Ranking.

  • Platz 29

    Dodge (USA)

    Die Chrysler-Tochter ist berühmt für ihre Pickups, aber nicht für ihre Qualität. Mit 124 Beschwerden auf 100 Neuwagen schneidet kein US-Hersteller schlechter ab.

  • Platz 28

    Land Rover (Großbritannien)

    Eigentlich leben die Geländewagen von ihrem Ruf gegen alle Eventualitäten gewappnet zu sein. Offenbar sehen die US-Verbraucher das anders. 119 Beschwerden auf 100 Neuwagen ist deutlich über dem Durchschnitt.

  • Platz 27

    Ford (USA)

    Die Traditionsmarke setzte als erste auf die Massenproduktion von Automobilen. Ihren Ruf gefährdet sie durch eine hohe Problemquote von 118 Störungen auf 100 Neuwagen.

  • Platz 26

    Scion (USA)

    Die US-Tochter des japanischen Toyota-Konzerns wurde erst 2003 gegründet und soll vor allem junge Kunden ansprechen. Mit 117 Beschwerden auf 100 Neuwagen liegt die Marke ebenfalls im unteren Drittel des Rankings.

  • Platz 25

    Chrysler (USA)

    Die Fiat-Tochter schneidet in der Bewertung der US-Konsumenten deutlich besser ab als der Mutterkonzern. Auch wenn die wirtschaftliche Krise überwunden wurden, gibt es bei der Qualität Nachholbedarf. 116 Beschwerden auf 100 Neuwagen sind immer noch mehr als der Durchschnitt.

  • Platz 24

    Suzuki (Japan)

    Die Zusammenarbeit mit Volkswagen haben die Japaner jüngst beendet. In den USA schneiden sie besser ab als der ehemalige Partner, allerdings immer noch schlechter als der Durchschnitt. Suzuki kommt auf eine Problemquote von 115 Beschwerden auf 100 Neuwagen.

  • Platz 23

    Jeep (USA)

    Die Geländewagen von Chrysler wollen vor allem das Geschäft in China ausbauen. Im Heimatmarkt wird die Qualität dieses Jahr eher schlecht bewertet. 110 Beschwerden auf 100 Neuwagen sind überdurchschnittlich viele.

  • Platz 22

    Subaru (Japan)

    Die Japaner fertigen mit einem eigenen Werk in den USA in Ohio. Auf die Qualitätsbewertung durch die US-Konsumenten hat das keine Auswirkungen. 109 Beschwerden auf 100 Neuwagen sind ein eher mittelprächtiges Ergebnis.

  • Platz 21

    Volvo (Schweden)
    Die Skandinavier leben von ihrem Qualitätsversprechen. In den USA schneiden sie allerdings schlechter ab als der Durchschnitt. Sie kommen auf 108 Beschwerden auf 100 Neuwagen.

Investoren reagierten erfreut. Die GM-Aktie legte rund neun Prozent zu. Anleger rechnen damit, dass der Konzern an Handelsfreiheit gewinnt, wenn der Staat nicht mehr mit am Tisch sitzt. Das Finanzministerium erklärte, es reduziere bestimmte Vorgaben beispielsweise für die US-Produktion. Die Gehälter für Manager bleiben gedeckelt wie es das Tarp-Programm vorsieht.

Trotz des Aufschlags, den GM auf das Aktienpaket zahlt, ist die Rettung für die US-Regierung ein Verlustgeschäft. Zusammen mit nun eingehenden 5,5 Milliarden Dollar hat der Staat durch die Reduzierung der Beteiligung 28,6 Milliarden Dollar eingesammelt. Damit müssten die verbleibenden 300 Millionen Papiere zu einem Preis von mehr als 69 Dollar verkauft werden, um die Differenz zur Rettungssumme von 50 Milliarden Dollar wettzumachen. Das erscheint aber unrealistisch. Am Mittwoch lag der GM-Kurs bei 27,65 Dollar.

Legenden Von welchen Marken sich GM getrennt hat

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Während der US-Wahlen war die Beteiligung der US-Regierung an den Autokonzernen scharf debattiert worden. Insbesondere Präsident Barack Obama war für seine Interventionspolitik hart kritisiert worden. „Die Rettung der Autoindustrie hat in einer schlimmen Wirtschaftskrise mehr als eine Millionen Jobs gerettet, aber war immer nur ein Notfallprogramm für einen begrenzten Zeitraum“, verteidigt Timothy Massad, ein Sprecher des Finanzministeriums, das Hilfsprogramm.

Die besten Autokonzerne im US-Qualitätsranking

  • Platz 20

    Lincoln (USA)

    Die Nobeltochter von Ford schneidet ebenfalls besser ab als der Mutterkonzern. Mit 107 Beschwerden auf 100 Neuwagen ist die Qualität aber immer noch weit von der Spitze entfernt.

  • Platz 19

    Kia (Korea)

    Die Koreaner gehören zu den am stärksten wachsenden Autokonzernen der Welt. In der Qualität schlägt sich das bisher noch nicht nieder. 107 Beschwerden auf 100 Neuwagen lassen noch viel Luft nach oben.

  • Platz 18

    Hyundai (Korea)

    Auch der koreanische Mutterkonzern von Kia kommt im US-Qualitätsranking auf einen Mittelfeldplatz. 107 Beschwerden auf 100 Neuwagen sind unterdurchschnittlich.

  • Platz 17

    Buick (USA)

    Die goldenen Zeiten der General-Motors-Tochter liegen in der Vergangenheit. Auch im US-Qualitätsranking ist die Marke Mittelmaß. 106 Beschwerden auf 100 Neuwagen sind nahe dem Durchschnitt.

  • Platz 16

    Audi (Deutschland)

    Von den drei deutschen Premiumherstellern schneidet die Marke aus Ingolstadt am schlechtesten ab. Das Ergebnis ist mit 105 Beschwerden auf 100 Neuwagen sogar leicht unterdurchschnittlich.

  • Platz 15

    Chevrolet (USA)

    International will GM die Marke massiv ausbauen. In den Augen der US-Verbraucher hat die Marke eine mittelmäßige Qualität. Sie kommt auf 100 Beschwerden auf 100 Neuwagen.

  • Platz 14

    Ram (USA)

    Die Chrysler-Tochter ist ein Ableger des berühmten Dodge-Modells Ram. Erstaunlicherweise schneidet die Marke im Qualitätsranking aber deutlich besser ab. 99 Beschwerden auf 100 Neuwagen reichen für das obere Drittel.

  • Platz 13

    Nissan (Japan)
    Mit dem Nissan Leaf gehörten die Japaner zu den ersten Autoherstellern, die in den USA ein reines Elektroauto an den Start brachten. Im Qualitätsranking verpassen sie die Top Ten mit 99 Beschwerden auf 100 Neufahrzeuge nur knapp.

  • Platz 12

    GMC (USA)

    Die US-Geländewagen drängen auf den europäischen Markt. Die US-Verbraucher schätzen die GM-Tochter für ihre Qualität. Sie kommt ebenfalls auf 99 Ausfälle auf 100 Neuwagen.

  • Platz 11

    Mazda (Japan)

    Einst führte der US-Hersteller die Japaner aus der Krise. In der Qualität führen sie mittlerweile den Retter vor. Mit 97 Beschwerden auf 100 Neuwagen verpassen sie einen einstelligen Platz nur knapp.

  • Platz 10

    BMW (Deutschland)

    Die Münchener gehören zu den großen Gewinnern im diesjährigen Qualitätsranking und machen vier Plätze gut. Mit 97 Problemen auf 100 Neufahrzeuge schaffen sie erstmals den Sprung in die Top Ten.

  • Platz 9

    Mercedes-Benz (Deutschland)

    Der große Konkurrent Mercedes gehört dagegen zu den den großen Verlierern, auch wenn der Platz in der Top Ten verteidigt werden konnte. Im Ranking rutschen die Stuttgartern mit 96 Beschwerden von vierten auf den neunten Platz ab.

  • Platz 8

    Toyota (Japan)

    Auch den Japanern eilt der Qualitätsruf voraus. Zurecht, wie das Ranking zeigt. 88 Probleme auf 100 Neuwagen sind ein Wert, der deutlich besser ist als der Durchschnitt.

  • Platz 7

    Infiniti (Japan)

    Auf dem europäischen Markt hat Nissans Nobelmarke keine Chance, in den USA kommt die Marke besser ins Rollen. 84 Probleme auf 100 Neuzulassungen sind ein Spitzenwert.

  • Platz 6

    Acura (Japan)

    Auch die in Europa eher unbekannte Nobelmarke von Honda schneidet im Ranking gut ab. Sie kommt ebenfalls auf 84 Probleme bei 100 Neuwagen.

  • Platz 5

    Honda (Japan)

    Der zweitbeste asiatische Autohersteller im Ranking ist auch einer der führenden Motorenhersteller. Die US-Verbraucher bewerten die Modelle als sehr zuverlässig. Auf 100 Neuwagen kommen nur 83 Probleme.

  • Platz 4

    Cadillac (USA)

    Die GM-Tochter ist der härteste Wettbewerber der Ford-Tochter Lincoln, schneidet im Qualitätsvergleich aber deutlich besser ab. 80 Ausfälle pro 100 Neuwagen sind ein Wert, mit dem Cadillac das Treppchen nur knapp verpasst.

  • Platz 3

    Porsche (Deutschland)

    In Zuffenhausen können die Korken knallen. Der Sportwagenbauer ist erneut die beste deutsche Marke im Qualitätsranking und verpasst die Spitze nur knapp. 75 Probleme pro 100 Neuwagen sind ein sehr guter Wert.

  • Platz 2

    Jaguar (Großbritannien)

    Die britische Traditionsmarke gehört mittlerweile zum indischen Autobauer Tata Motors. Auf die Qualität hat das offenbar keine Auswirkungen. 75 Ausfälle pro 100 Neuwagen reichen für einen Platz an der Spitze.

  • Platz 1

    Lexus (Japan)

    Die Krone im Qualitätsranking geht an die Nobeltochter von Toyota. Keine Marke schneidet bei den US-Verbrauchern besser ab. 73 Beschwerden auf 100 Neuwagen liegen deutlich unter dem Durchschnitt.

Auch der Autobauer ist froh über den Ausstieg. „Es ist gut, dass nun nicht mehr der Eindruck entsteht, dass die Regierung Einfluss auf unser Geschäft hat“, sagte GM-Finanzchef Dan Amman.

Um Arbeitsplätze in der Finanzkrise zu sichern, rettete der Staat neben GM auch Chrysler. Im Rahmen der GM-Rettung stieg das Finanzministerium 2009 über das sogenannte Tarp-Programm mit einem Anteil von fast 61 Prozent bei General Motors ein. Diese Beteiligung wurde um mehr als die Hälfte reduziert, als GM im November 2010 für rund 23 Milliarden Dollar an die Börse ging. Später wurde der Anteil weiter reduziert. GM wird wegen des jüngsten Rückkaufs im vierten Quartal Kosten in Höhe von 400 Millionen Dollar verbuchen.

Während GM auf dem US-Markt wiedererstarkt ist und in Schwellenländern gute Geschäfte macht, läuft es in Europa nicht gut, wo GM die Marken Opel und Vauxhall betreibt. Das Bochumer Automobilwerk mit 3365 Beschäftigten wird dichtgemacht. Opel begründet dies mit dem dramatisch geschrumpften Automarkt in Westeuropa und den Überkapazitäten in der gesamten Branche.

 

  • 19.12.2012, 21:56 Uhrkuac

    Das alles in dem Land, das immer freie Marktwirtschaft propagiert ! Heuchelei.

  • 19.12.2012, 20:34 UhrGereralMarkensammlung

    Wer kauft sich denn einen Vauxhall? Klingt doch fast wie Fauxpass.

    Mit scheint bei GM gibt es mindestens noch eine Marke zu viel! Immerhin hat man wenigstens mal Oldsmobile, Hummer, Pontiac, Saturn und Saab veingestellt oder verkauft.

  • 19.12.2012, 19:12 Uhrhagadi

    Da versucht wohl jemand Griechenland nachzueifern - Viele Milliarden Schulden machen - Wenige Milliarden nur zurückzahlen....die neue Art profitabel zu wirtschaften???

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