Autobauer
VW investiert in den Aufschwung

Europas größter Autobauer Volkswagen weicht nicht von seinem Wachstumskurs ab und macht trotz düsterer Aussichten auf den Automärkten und eines operativ schwierigen ersten Quartals mehr als eine halbe Mrd. Euro für neue Modelle locker, teilte VW gestern mit. Dabei stützen auch Staatshilfen

ang/hz/mcs/zel WIEN/MADRID. Die Wolfsburger sichern mit der Produktion der neuen Kleinwagenfamilie Up im slowakischen Bratislava etwa 1 500 Arbeitsplätze und investieren dafür gut 300 Mio. Euro. Die Herstellung des kompakten Geländegängers Q3 der Konzerntochter Audi geht ins spanische Martorell. Dort werden für die gleiche Summe 1 200 Jobs gesichert.

Beide bereits vom Vorstand getroffenen Entscheidungen nickte der Aufsichtsrat des Konzerns ab. Am Donnerstag findet die VW- Hauptversammlung statt. Nach der Sitzung des Aufsichtsrats am Mittwochabend in Hamburg teilte ein VW-Sprecher außerdem mit, der Vertrag von Produktionsvorstand Jochem Heizmann sei um fünf Jahre verlängert worden.

Der Konzern versteht sich als Einheit aus neun relativ selbstständigen Töchtern. Für jedes neue Modell gibt es üblicherweise einen internen Wettbewerb. Hoffnungen auf den Up hatten sich auch andere Standorte des Konzerns etwa in Tschechien gemacht. Das war aber an höheren Kosten und dem Anstieg der tschechischen Krone gescheitert.

Die Slowakei gehört mit knapp 8 000 Beschäftigten zu den wichtigsten Produktionsstandorten des Konzerns. Das osteuropäische Land lockt immer noch mit einem gewaltigen Kostenvorteil – die Lohnkosten liegen dort bei etwa einem Drittel der deutschen.

VW kann zudem mit Steuernachlässen rechnen. Robert Fico, Ministerpräsident der Slowakei, sagte dem Handelsblatt am Mittwoch, dass diese Hilfen etwa 4,5 Prozent der gesamten Investitionssumme ausmachten. „Unsere schnelle Einführung des Euros hat sicherlich auch bei der Entscheidung geholfen“, sagte der Premier. Das Land hatte die Währung im Januar eingeführt. Die neue Produktfamilie mit Kleinwagen sorge im VW-Werk Bratislava für mehr Beschäftigungssicherheit. Bislang wurden dort fast ausschließlich größere Geländewagen gebaut, jetzt kommt der Up dazu. „Diese Mischung ist besser für die Fabrik“, sagte Fico. Zdenek Lukas, Osteuropa-Experte beim Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW), sieht im Up eine Standort-Garantie für Bratislava.

Auch im Hauptwerk der spanischen VW-Tochter Seat in Martorell nahe Barcelona wurde gestern gefeiert. Mit der vom Aufsichtsrat bestätigten Entscheidung des Audi-Vorstands, den Geländewagen Q3 ab 2011 in Martorell fertigen zu lassen, sind in dem Werk mehr als 1 200 Jobs gesichert worden.

„Nach gründlicher Abwägung aller Einzelkriterien und einem umfassenden internationalen Standortvergleich haben wir uns für den Standort Martorell entschieden“, sagte Audi-Chef Rupert Stadler. „Wir setzen auf die Leistungsfähigkeit des spanischen Standorts, die hohe Qualität in der Fertigung und auf die Top-Qualifikation der Mitarbeiter.“ Der Autobauer plant insgesamt eine Investition von 300 Mio. Euro in Spanien für den neuen fünftürigen Geländewagen und will die Produktion auf jährlich 80 000 Einheiten hochschrauben.

Arbeiter und spanische Regierung hatten große Anstrengungen unternommen. Die Belegschaft hat vor einigen Wochen zugestimmt, ihre Gehälter für ein Jahr einzufrieren und auch im nächsten Jahr untertarifliche Erhöhungen zu akzeptieren. Zudem konnte die Seat-Führung in den letzten Jahren die Fertigungsqualität stark verbessern.

Die spanische Regierung sagte 300 Mio. Euro an Sonderkrediten für die Produktion zu. Spaniens Industrieminister Miguel Sebastian war letzte Woche persönlich nach Wolfsburg geeilt, um sich bei VW-Chef Martin Winterkorn für den Standort Martorell einzusetzen. Der Minister bezeichnete die Entscheidung von Audi gestern als „ausgezeichnete Nachricht“, die Spanien als drittgrößten Automobilstandort in Europa bestätige.

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