Autobauer
VW steht vor dramatischem Jahr

Autokrise, Porsche und VW-Gesetz - Europas größtem Autobauer Volkswagen steht 2009 ein dramatisches Jahr ins Haus. Die tiefen Verwerfungen durch die internationale Finanzkrise haben die Autowelt bis ins Mark erschüttert. Und so erwartet auch die VW-Führung harte Zeiten mit schmerzhaften Veränderungen.

HB WOLFSBURG. "Ein weiter so kann es nicht geben", hat VW-Chef Martin Winterkorn das Management schon aufgerüttelt. Zumindest aber scheinen die Jobs bei Niedersachsens größtem Arbeitgeber vorerst noch sicher zu sein. Denn laut Tarifvertrag gilt bis 2011 eine Beschäftigungsgarantie für die Stammbelegschaft. Aushilfen und Leiharbeiter sind davon allerdings nicht erfasst. Erste Schritte, um die Produktion an die sinkende Nachfrage anzupassen, hat VW bereits unternommen, weitere dürften folgen.

Doch die explosive Mischung aus Absatzeinbruch und Bankenkrise ist nicht die einzige Herausforderung für den Wolfsburger Autokonzern. Auch abgesehen von der Weltkonjunktur zeichnen sich 2009 einschneidende Entwicklungen ab. Der deutlich kleinere Stuttgarter Sportwagenbauer Porsche wird voraussichtlich die Mehrheit bei VW und möglicherweise auch vollständig die Kontrolle in Wolfsburg übernehmen.

Porsche hat es angesichts der Wirtschaftskrise und der Entwicklung des Aktienkurses zuletzt zwar nicht mehr ganz so eilig mit der Machtübernahme. Generell aber bleibt es bei den Plänen. Und mittlerweile ist sogar der unauflösbar scheinende tiefe Zwist um die Mitbestimmung in der künftigen Porsche Holding auf dem Weg zu einer Einigung. In der Holding werden Porsche und VW zusammengeführt. Mitte September hatte VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh noch nicht an eine friedliche Lösung geglaubt. Zuletzt aber hieß es, ein Kompromiss sei "in Sichtweite".

Offen ist nach wie vor aber die Auseinandersetzung ums VW-Gesetz. Eine Neufassung, die dem Land Niedersachsen mit seinem 20-Prozent-Anteil ein Vetorecht bei wichtigen Entscheidungen in der Hauptversammlung sichert, ist kürzlich in Berlin beschlossen worden. Aber Brüssel hat auch das neue VW-Gesetz beanstandet. Und Porsche kämpft mit aller Macht weiter dagegen an - das VW-Gesetz würde einen Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag erschweren. Das Land Niedersachsen will die Souveränität seines wichtigsten Unternehmens erhalten - und den eigenen Einfluss.

Auf einem anderen Feld aber könnte VW im nächsten Jahr vorankommen. Nach dem Verkauf der VW-Schwerlastertochter an den Münchener Konzern MAN rückt die seit langem diskutierte LKW-Dreier-Allianz von VW, MAN und Scania näher. Scania gehört bereits zum VW-Konzern. An MAN hält VW knapp 30 Prozent und Experten meinen, es sei nur eine Frage der Zeit, bis VW auch bei den Münchnern mehrheitlich einsteigt. Damit könnte der Traum von VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch ein Stück mehr Wirklichkeit werden: Piëch möchte einen automobilen Großkonzern schaffen - mit einer Produktpalette vom Motorrad bis zum Schwerlaster.

Die Schwerpunkte der laufenden Modellreihen haben nach Einschätzung von Winterkorn mit dazu beigetragen, dass der Autobauer die Finanzkrise bisher noch besser überstanden hat als seine Konkurrenten. Neuheiten, wie die Wiederkehr des Kultautos aus den 70ern Scirocco und die Neuauflage des Bestsellers Golf, kamen offenbar zur richtigen Zeit. Im nächsten Jahr soll der kleinere Polo in einer neuen Version auf den Markt kommen. In Zeiten von Käuferstreik, hoher Spritpreise und Konsumzurückhaltung rechnet die VW-Führung mit großen Chancen für kleine Autos. Mit verbrauchsarmen und umweltschonenden Modelle und Motoren will VW die Autokrise bestehen. Aber auch Winterkorn geht von einer harten Durststrecke aus.

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