Autobauer
VW will Toyota verdrängen

Der Wolfsburger Volkswagen-Konzern will den japanischen Hersteller Toyota als weltgrößten Autobauer ablösen.

HB HAMBURG. Volkswagen will Toyota nicht nur bei der Rendite, sondern auch beim Absatz überholen. Das sagte der VW-Marketing- und Vertriebschef Michael Kern dem Magazin „auto motor und sport“. Dafür wolle VW unter anderem in den kommenden drei Jahren zwölf neue Modelle auf den Markt bringen und die Präsenz in den USA, Russland, Indien und anderen Märkten ausweiten. Unter Berufung auf Unternehmenskreise hieß es, laut internen Planungen sei die Übernahme der Marktführerschaft für 2014 oder 2015 geplant.

Es wird damit gerechnet, dass Toyota dieses Jahr 9,34 Mill. Autos absetzt und damit den langjährigen Weltmarktführer General Motors (GM) überholt. VW will in diesem Jahr mehr als sechs Mill. Fahrzeuge verkaufen. Einen Absatzsprung verspreche sich VW von einem neuen Kleinwagen, der Anfang des kommenden Jahrzehnts auf den Markt kommen soll. Eine Studie dafür mit dem Namen „Up“ zeigte Volkswagen auf der Automesse IAA in Frankfurt. VW-Chef Martin Winterkorn hatte vor der IAA das Ziel ausgegeben, Toyota in der Technologie und bei der Rendite zu überholen. Toyota gilt als profitabelster Volumenhersteller der Welt und hat sich außerdem einen Vorsprung bei den zukunftsträchtigen Hybrid-Antrieben als Verbrennungs- und Elektromotor gesichert.

Eine aktuelle Studie, der Harbour Report 2007, die die Produktivität europäischer Autowerke vergleicht, zeigt, wie groß hier der Abstand zwischen VW und Toyota noch ist. So habe sich laut dem der „Automobilwoche“ vorliegenden Bericht die Produktionszeit im VW- Werk Mosel beim Golf zwar von 33 Stunden pro Auto (Ende 2003) auf 31,5 Stunden verbessert. Toyota brauche aber für eine Auto des Modells Corolla im britischen Burnaston nur noch 20,7 statt zuvor 28,8 Stunden. Auch in der Mittelklasse habe sich Toyota beim Avensis zwischen 2003 und 2006 von 33,7 auf 23,7 Stunden pro Fahrzeug verbessert, VW sei beim Passat lediglich der Schritt von 36 (2004) auf 32,6 Stunden gelungen.

Eine Entscheidung über den Bau eines Werks in Nordamerika werde VW voraussichtlich in den kommenden sechs Monaten treffen, berichtet die „WirtschaftsWoche“. Der Bau eines Werks in den USA wird angesichts des hohen Euro-Kurses seit längerem erwogen. „auto motor und sport“ sagte der neue US-Chef von Volkswagen, Stefan Jacoby, man wolle die Preise seiner Modelle in den USA senken, um die geplante Verdreifachung des Absatzes auf 800 000 Fahrzeuge bis zum Jahr 2018 zu schaffen. „Heute liegen wir noch 15 bis 20 Prozent über unserem Kernwettbewerb, in Zukunft sollen es rund fünf Prozent sein.“ VW will den seit Jahren defizitären US-Markt mit einer neuen Strategie aus den roten Zahlen holen.

Im weltweit wichtigsten Automarkt USA soll auch die neue Generation des Oberklassewagens Phaeton angeboten werden, wie der Technik-Vorstand der Marke VW, Ulrich Hackenberg, „auto motor und sport“ sagte. Das aktuelle Phaeton-Modell war 2006 nach schlechten Verkaufszahlen vom US-Markt genommen worden. Unter Berufung auf Zuliefererkreise hieß es, die Phaeton-Produktion werde in diesem Jahr von 5024 auf rund 4300 Fahrzeuge sinken. Der Phaeton-Nachfolger solle ebenfalls ausschließlich in Dresden gefertigt werden.

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