Autobranche
Abwrackprämien-Bilanz: Ausländer profitieren

Nun ist sie heraus, die erste Bilanz über den Nutzen der Abwrackprämie. Und die offiziellen Zahlen bestätigen den Eindruck, den bereits die ersten Indizien gegeben haben: Von der Abwrackprämie profitieren die Händler sehr viel mehr als die Autobauer. Zudem freuen sich vor allem die ausländischen Autobauer über die Steuermilliarden.

HB ESCHBORN. Wer noch von der staatlichen Abwrackprämie für Altautos profitieren will, muss sich sputen: Der Fördertopf ist fast leer. Beim derzeitigen durchschnittlichen Eingang von 9 000 Neu-Anträgen pro Tag wären die Mittel in drei Wochen und damit knapp vor der Bundestagswahl aufgebraucht.

Nach Angaben des zuständigen Bundesamts für Ausfuhrkontrolle und Wirtschaft (Bafa) vom Montag gibt es noch Mittel für 183 736 Prämien. Das entspricht nicht einmal mehr zehn Prozent des Gesamtetats. Die Abwrackprämie hat insbesondere bei Kleinwagen einen regelrechten Absatzboom ausgelöst. Mit dem Auslaufen des aus Steuergeldern finanzierten Kaufanreizes befürchten Experten jedoch einen tiefen Absturz bei den Zulassungszahlen.

Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamts hat der Autohandel in den ersten fünf Monaten dieses Jahres ein Umsatzplus von 4,7 Prozent erreicht. Die Zahl der neu angemeldeten Autos stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sogar um 22,8 Prozent. Die Zahlen spiegeln den Trend zum Kauf von preisgünstigeren Kleinwagen mit Hilfe der Prämie wider. Von dem Boom profitierten die Importeure stärker als die deutschen Hersteller. Der Umsatz der deutschen Autoindustrie sank in den ersten fünf Monaten um fast ein Drittel (32,5 Prozent) auf knapp 100 Mrd. Euro. Die Werkstätten hatten mit der erneuerten Flotte weniger zu tun und mussten einen Umsatzverlust von 3,8 Prozent verkraften.

Nach Einschätzung des Auto-Experten Ferdinand Dudenhöffer steht dem deutschen Automarkt im kommenden Jahr ein noch schlimmerer Absturz bevor als bisher erwartet. 2010 dürfte eine Million weniger Autos als in diesem Jahr verkauft werden, erklärte der Wissenschaftler vom CAR-Center an der Uni Duisburg-Essen. In Deutschland würden damit nur noch 2,7 Mio. Autos verkauft. Im Vergleich zum Jahr 2008 wäre das ein Rückgang von über zwölf Prozent.

Auch auf die Auslandsmärkte sollten die deutschen Autobauer im kommenden Jahr keine großen Hoffnungen setzen, warnte Dudenhöffer. „Stabile Wachstumsmuster liegen derzeit nur in China vor und China steht für 13 Prozent der weltweit verkauften Autos.“ Zudem hätten die Abwrackprämien in Deutschland und anderen Ländern die Verbraucher an niedrigere Autopreise gewöhnt.

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