Autobranche
Auto-Krise verschärft sich weiter

Die dramatische Krise der weltweiten Autoindustrie hat sich weiter verschärft. Der Absatz großer Hersteller ist ungebremst auf Talfahrt. So brachen bei Volkswagen, Daimler, BMW und Audi die Absatzzahlen im Januar ein. Der japanische Autoriese Toyota steht nach jahrelanger Steilfahrt sogar vor Milliardenverlusten. Zumindest BMW durfte sich am Freitag dennoch an der Börse feiern lassen. Und: Für den deutschen Automarkt gibt es einen Hoffnungsschimmer.

HB/fbr WOLFSBURG/MÜNCHEN/STUTTGART. BMW musste im Januar einen weltweiten Absatzrückgang von gut 24 Prozent auf 70 400 Wagen verkraften. Im prestigeträchtigen Rennen der Oberklassemarken behielt die Kernmarke BMW trotz eines Rückgangs um 22 Prozent auf 60 200 Einheiten aber die Nase vorn. Konkurrent Daimler lieferte in den ersten vier Wochen des Jahres 62 200 Wagen seiner Marken Mercedes-Benz, Smart und Maybach aus – rund 31 Prozent weniger als vor einem Jahr. Von der Nobelmarke Mercedes wurden rund um den Globus aber nur 53 900 Autos verkauft und damit mehr als ein Drittel weniger.

Auch Europas Branchenprimus Volkswagen hat die Krise zu Jahresbeginn voll erwischt. Im Januar brach der weltweite Konzern-Absatz im Vergleich zum Vorjahresmonat um rund ein Fünftel ein, wie es am Freitag in Unternehmenskreisen hieß. Bei der bislang erfolgsverwöhnten VW-Tochter Audi sank der Absatz im Januar um mehr als 28 Prozent auf gut 56 000 Autos. Das teilte Audi in Ingolstadt mit. VW hatte bereits angekündigt, der Konzern drohe, im ersten Quartal 2009 in die roten Zahlen zu rutschen.

Mini stützt BMW

Bei BMW machte sich im Januar die Absatzkrise vor allem bei der bislang von Einbrüchen weitgehend verschont gebliebenen Kleinwagenmarke Mini bemerkbar. Für 2008 solle das Konzernergebnis aber deutlich positiv ausfallen, versicherte BMW. Nachdem der Hersteller seine Gewinnziele im vergangenen Jahr mehrfach zusammengestrichen hatte, löste diese Aussage an der Börse einen Anstieg um fast zehn Prozent auf mehr als 21 Euro aus.

Christoph Stürmer, Analyst beim Marktforschungsinstitut Global Insight, ist von den angekündigten schwarzen Zahlen bei BMW nicht überrascht. "Diese sind ein Erfolg der sehr harten Steuerung, die BMW als Reaktion auf die Absatzrückgänge vorgenommen hat", sagte er Handelsblatt.com. Dass der Autobauer rasch und deutlich die Produktion gekürzt sowie etwa bei Leasing und Finanzierung auf die Bremse getreten sei, habe sich ausgezahlt. "Die Nachricht von BMW rückt vor allem das Bild der Katastrophe zurecht, das sich weite Teile der Öffentlichkeit in der vergangenen Zeit von der Automobilbranche gemacht haben." Und: "BMW ist eine Erinnerung daran, dass Unternehmen unterschiedlich gut geführt und daher auch unterschiedlich anfällig für Krisen sind." BMW sei ein stabiles Unternehmen, insofern seien die schwarzen Zahlen keine Überraschung.

Und auch wenn der Automobilhersteller die Schätzungen von Merck Finck-Analyst Robert Heberger verfehlt haben mag, wichtiger stufte der Experte jedoch das vom Unternehmen avisierte "deutlich positive Konzernergebnis" ein. Dies könnte im Einklang mit dem von ihm erwarteten Nettoergebnis von leicht unter einer Milliarde liegen. So sahen es auch viele Händler an der Börse. Die schwarzen Zahlen für 2008 beflügelten die Anleger regelrecht. BMW legte zeitweise um rund sechs Prozent auf 20,79 Euro zu. Entscheiden, so ein Händler, sei einfach, dass das Unternehmen von einem klar positiven Ergebnis gesprochen habe. Damit seien alle Gerüchte um eine Gewinnwarnung vom Tisch. BMW gehörte damit zu den stärksten Dax-Werten.

Analyst Georg Stürzer von der Hypovereinsbank ergänzte: "Im ersten Quartal wird BMW wie Mercedes wohl rote Zahlen schreiben, im zweiten Halbjahr rechne ich mit einer Erholung". Hinzu komme, dass sich der US-Markt schneller und früher erholen werde. "Das wird wird BMW 2009 sehr helfen", sagte Stürzer.

Toyotas Rekordserie reisst

Dagegen erwartet der in den vergangenen Jahren erfolgsverwöhnte japanische Autokonzern Toyota erstmals seit der Veröffentlichung von Nettoergebnissen im November 1963 im laufenden Geschäftsjahr ein tiefrotes Minus, das 350 Mrd. Yen (3 Mrd Euro) erreichen dürfte. Der Autobauer strich zum dritten Mal in kurzer Zeit seine Prognose für das bis Ende März laufende Geschäftsjahr zusammen. Wie Toyota berichtete, dürfte ein Verlust von 350 Mrd. Yen anfallen statt eines noch vor knapp zwei Monaten erwarteten Gewinns von 50 Mrd. Yen. Im Vorjahr hatte der Branchenprimus noch einen Rekordertrag in Höhe von 1,72 Billionen Yen eingefahren.

Volvo bleibt Fords Sorgenkind

Noch stärker als erwartet in die Verlustzone geraten ist der schwedische Nutzfahrzeug-Konzern Volvo. Wie das Unternehmen in Göteborg mitteilte, brachte das vierte Quartal einen Nettoverlust von 1,3 Mrd. Kronen (123 Mio Euro), verglichen mit 4,1 Mrd. Kronen Gewinn vor Jahresfrist. Im gesamten Jahresverlauf fuhr der zweitgrößte Lastwagen- und Bushersteller der Welt 2008 einen Gewinn von zehn Mrd. Kronen und damit 33 Prozent weniger ein als 2007. Volvos komplette Personenwagen-Sparte gehört seit 1999 zum US-Konzern Ford, der schwer angeschlagen ist. Medienberichten zufolge prüft Ford einen Notverkauf der Premiummarke Volvo und führt dazu auch Gespräche mit Interessenten aus China.

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