Autobranche
Autobranche wird für Opel „bluten“ müssen

Die Rettung von Opel könnte die Autoindustrie teuer zu stehen kommen. Die Branche ächzt unter Überkapazitäten. Da Opel vorerst gerettet ist, wird es nach Meinung von Carlos Ghosn, Präsident des Autoverbandes Acea, und Fiat-Chef Sergio Marchionne keine nötige Marktbereinigung geben. Experten denken, dass die Politik eine entscheidende Chance verpasst hat - die viele Jobs kosten dürfte.

DÜSSELDORF. Egal ob SPD oder CDU, mit der zumindest vorerst gesicherten Existenz von Opel glauben weite Teile der Politik, Tausende von Arbeitsplätzen gesichert zu haben. Aber das könnte ein böser Trugschluss sein. Denn mit der Rettung von Opel bleibt die Struktur der Autoindustrie unangetastet - und die ist vor allem von hohen Überkapazitäten geprägt, auf die erst jüngst wieder eine Studie der Beratungsfirma Pricewaterhouse Coopers (PWC) hingewiesen hat. Professor Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Essen geht davon aus, dass die Autobranche allein in diesem Jahr 16 Millionen Autos zu viel produzieren wird. Alle Hersteller zusammen kämen voraussichtlich auf ein Produktionsvolumen von 66 Millionen Autos. Der Weltmarkt, so Dudenhöffer, nehme aber nur 50 Millionen Fahrzeuge ab.

Kein Wunder also, dass Fiat-Chef Sergio Marchionne für die europäische Autobranche schweres Fahrwasser voraussagt. "Europa wird weiter kämpfen, weil keine Kapazität abgebaut wurde." Der Fiat-Chef sagte vor allem für den deutschen Markt eine harte Zeit voraus, wenn die verkaufsfördernde Abwrackprämie demnächst auslaufe. Es werde einen deutlichen Rückgang geben, sagte Marchionne voraus. Sollte die Nachfrage in Europe um fünf bis zehn Prozent zurückgehen, "dann werden eine Menge Leute bluten."

Deswegen hatten weite Teile der Branche, ohne es freilich laut zu sagen, auf eine Insolvenz von Opel oder doch zumindest auf deutliche Einschnitte bei den Produktionskapazitäten gesetzt. Aber das ist vorbei. Carlos Ghosn, Präsident des europäischen Autoverbandes Acea weiß um die drückenden Überkapazitäten. "Ich denke aber, dass es, abgesehen von Einzelfällen, trotz dieser Überkapazitäten nicht zum Ausscheiden einzelner Hersteller aus dem Markt kommen wird. Das verhindern staatliche Eingriffe, wie man gerade in Deutschland gesehen hat", sagte Ghosn der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Auch mit der Schließung ganzer Werke sei nicht mehr zu rechnen.

Jochen Gehrke, Analyst der Deutschen Bank, kommt in einer aktuellen Marktstudie zum Schluss: "Mit der Entscheidung, die Mehrheit von Opel an das Magna-Konsortium zu verkaufen, hat die Industrie wieder einmal eine Chance zur Konsolidierung der Branche verpasst." Und weiter: "Die weitgehend politisch motivierten finanziellen Hilfen haben zu einer noch weiter fragmentierten Industrie geführt."

Und der haben auch die europaweiten Abwrackprämien nur temporär Luft verschafft. Die Marktlage bleibt schlecht, und damit auch die Auslastung der Fabriken. "Weltweit dürfte die Auslastung der Automobilwerke 2009 auf den Wert von 63 Prozent fallen. Für eine rentable Produktion gilt ein Auslastungsgrad zwischen 75 und 80 Prozent als notwendig", sagt Felix Kuhnert, Autoexperte von PWC. Kein Wunder. Laut dem Marktforschungsinstitut IHS Global Insight werden die europäischen Autobauer dieses Jahr voraussichtlich 17,7 Millionen Autos herstellen, 10,4 Millionen Einheiten weniger, als ihre Werke produzieren könnten.

Und Opel? Die Auslastung der Werke von General Motors Europa dürften, so schätzt IHS, gerade mal bei 62 Prozent liegen. Ein Desaster.

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