Autobranche
Autozulieferern droht harte Auslese

Der Autobranche droht ein Drama auf der Nebenbühne. Denn den Zulieferern steht die eigentliche Belastungsprobe noch bevor. Auf den schnellen Einbruch an den Automärkten wird nach ihrer Einschätzung nur ein sehr langsamer Aufschwung folgen. Gleichzeitig müssen neue und vor allem teure Spritspartechnologien sowie elektrische Antriebe entwickelt und neue Märkte wie China erschlossen werden

STUTTGART/HAMBURG. . Während Experten von der schwersten Krise in der Geschichte der Branche sprechen, wappnen sich die Anbieter für einen Marathon mit knallharter Auslese. Bereits jetzt sind 40 große Zulieferer insolvent, bis Jahresende könnten es doppelt so viele sein.

Die Nummer drei im deutschen Markt, ZF Friedrichshafen, verschärft jetzt ihr Sparprogramm. Um 600 Mio. statt wie bisher geplant 500 Mio. Euro sollen jährlich die Kosten sinken. "Wir brauchen finanzielle Spielräume, um auch künftig frei und selbstständig unternehmerische Entscheidungen treffen zu können", begründet der ZF-Vorstandschef Hans-Georg Härter.

Auch Kolbenspezialist Mahle hat angekündigt, die Kosten um 20 Prozent zu senken. Bosch hält sich noch bedeckt. Aber Experten erwarten auch beim Weltmarktführer eine Verschärfung des Sparkurses.

"Wir rechnen mit einem Nike-Verlauf in der Autokonjunktur", erklärt Mahle-Chef Heinz K. Junker in Anspielung auf das Logo des US-Sportartikelherstellers. Der Nike-Haken führt nach einem kurzen steilen Abwärtsstrich nur sehr flach wieder nach oben.

"Im Zweifel müssen definitiv mehr als weniger Kapazitäten abgebaut werden", sagt Autoexperte Professor Stefan Bratzel vom Center of Automotive in Bergisch Gladbach. Gemeinsam mit den Beratern von Management Engineers hat er die 100 größten Zulieferer weltweit untersucht. Trotz der Kapitalstärke der deutschen Zulieferer zeichnet er ein düsteres Bild. "Kurzarbeit wird bei vielen deutschen Zulieferern nicht ausreichen, um ihre Wettbewerbsfähigkeit wieder herzustellen; mit Personalabbau von 10 bis 15 Prozent ist dauerhaft zu rechnen", stellt Bratzel in der Studie fest, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt.

Auch Mahle-Chef Junker gibt zu bedenken: "Kurzarbeit wirkt derzeit wie Valium-Tabletten." Er sieht die Lage der Autoindustrie kritischer als so mancher Autokonzern. "Das Problem der Überkapazitäten ist strukturell", sagt Junker. Möglicherweise werde es bis 2014 oder 2015 dauern, um das Produktionsniveau von 2007 zu erreichen. Nach den Worten des Mahle-Chefs werden weltweit dieses Jahr noch weniger Autos abgesetzt, als in den ohnehin düsteren Prognosen angenommen. Waren die Erwartungen zuletzt von 66 auf 57 Mio. verkaufte Fahrzeuge gefallen, hält Junker jetzt 52 Mio. für realistisch.

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