Autobranche
„Banken lassen Auto-Zulieferer untergehen“

Die Autobranche steckt in einer tiefen Krise. In Deutschland arbeiten rund 760 000 Menschen in der Autobranche, knapp die Hälfte von ihnen bei Zulieferern. Und deren Jobs sind von der Krise deutlich stärker gefährdet, sagt Ferdinand Dudenhöffer, Autoexperte von B&D Forecast.

Die Autobauer überbieten sich derzeit mit schlechten Nachrichten. Wie ernst ist die Lage?

Sehr ernst.Die Konjunktur schwächt sich weltweit deutlich ab, die Autobranche ist davon als erstes betroffen. Nun kommt auch der asiatische Markt ins stottern. 2009 wird die Branche ein rabenschwarzes Jahr erleben.

Wie lange wird die Krise dauern?

2009 wird der große Abschwung kommen, 2010 befindet sich die Branche im Tal, ab 2011 wird es wieder aufwärts gehen.

Sind die Hersteller in der Lage, die Produktionskürzungen abzufedern, ohne Stellen zu streichen?

Bis Ende 2008 wird das bei den meisten Autobauern wohl gehen. Aber danach wird es wohl nicht reichen, mit Arbeitszeitkonten zu arbeiten oder Leiharbeiter nicht weiter zu beschäftigen. Dann wird es vermutlich auch zu Entlassungen kommen.

Aber die meisten deutschen Hersteller haben ihren Betriebsräten garantiert, keine betriebsbedingten Kündigungen auszusprechen.

Aber es gibt in diesen Verträgen so genannte Katastrophenvereinbarungen für betriebsbedingte Kündigungen. Aber ich gehe davon aus, dass die Hersteller hohe Abfindungen bieten werden, um eine gewisse Anzahl an Mitarbeitern zum freiwilligen Abschied zu bewegen.

Die Hersteller sind das eine, ihre Zulieferer das andere. Wie sind die betroffen?

Viel stärker als die Autobauer selbst. Wenn die ihre Produlktion drosseln, müssen das die Zulieferer innerhalb sehr kurzer Zeit auch tun. Die Lager sind heutzutage längst nicht mehr so groß wie früher. Dann müssen auch die Zulieferer ihre Mitarbeiter in den Urlaub schicken und die Leiharbeiter entlassen.

Können Zulieferer die folgen der Krise ähnlich kompensieren wie die Hersteller?

Nein. Die Hersteller sind große Konzerne, die jahrelang Milliardengewinne eingefahren haben und sich auch in der Krise refinanzieren können. Die Zulieferbranche besteht zum Großteil aus kleinen Unternehmen und Mittelständlern. Wenn hier die Bänder ein paar Wochen stillstehen, dann wird sehr schnell das Geld knapp. Und diese Firmen bekommen kaum frisches Kapital.

Sie können zu ihrer Bank gehen.

Die Banken lassen mittelständische Unternehmen, wie es die meisten Zulieferer nun mal sind, an die Wand fahren. Sie geben ihnen keine Kredite im Moment. Und die Politik tut ja nichts, um das zu ändern; sie setzt die Banken kein bisschen unter Druck. Dabei brauchen diese Unternehmen dringend Kredite, um während einer Krise liquide zu bleiben.

Wie können sich die Zulieferer am besten darauf einstellen?

Diejenigen, die eine möglichst breite Palette an Kunden haben, sind besser ausfgestellt. Je mehr Autobauer ein Zulieferer beliefert, desto besser kann dieser Produktionsschwankungen kompensieren. Im Idealfall kommen die Kunden sogar noch aus verschiedenen Ländern.

Thorsten Giersch
Thorsten Giersch
Chefredakteur Business bei der Verlagsgruppe Handelsblatt / Geschäftsführer digital bei planet c
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