Autobranche baut um Zulieferer geraten in die Klemme

Die deutschen Zulieferer gehören zu den wichtigsten Arbeitgebern des Landes. Doch sie geraten immer stärker unter Druck. Eine Studie zeigt nun, dass viele mittelständische Unternehmen sich radikal verändern müssen.
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Große Zulieferer wie TRW können die Internationalisierung leichter stemmen. Quelle: dpa

Große Zulieferer wie TRW können die Internationalisierung leichter stemmen.

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DüsseldorfDas Rückgrat der deutschen Autoindustrie schwächelt: Während die Autohersteller ihre Verlusten auf dem stagnierenden europäischen Markt oft durch internationale Erfolge kompensieren können, fehlt vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen eine Strategie, um langfristig zu überleben. Zu diesem Ergebnis kommt ein zweijährigen Forschungsprojekts des Center of Automotive Management (CAM) der FHDW Bergisch Gladbach. Durch zahlreiche Tiefeninterviews und schriftlichen Befragungen mit Geschäftsführern von 129 deutschen Zulieferbetrieben ergründen die Forscher die Lage der Branche - und zeichnen ein düsteres Zukunftsszenario.

„Wird nicht massiv gegengesteuert sind mittelfristig bis zu 150.000 Arbeitsplätze in Deutschland bedroht“, heißt es in der Studie. In einer Branche, die deutschlandweit noch 850.000 Menschen beschäftigt, würde damit jeder sechste Arbeitsplatz verloren gehen. Die Zulieferer stecken in der Klemme: Ihr Geschäft auf dem stagnierenden Heimatmarkt wird wohl auch künftig nicht mehr wachsen - und bei der Innovation, Internationalisierung und den Kosten können sie nicht mit den großen Zulieferern mithalten.

Zudem werden die Produktionsbedingungen in Deutschland zunehmend als schlecht empfunden. 91 Prozent sehen einen Wettbewerbsnachteil, weil sie in Deutschland produzieren. Neben den Energiekosten sind für 76 Prozent auch die Lohnkosten eine Belastung. Eine Zukunft in Deutschland sieht ein überwiegender Anteil der Befragten nur noch für die Forschung und Entwicklung, sowie für Marketing und Vertrieb. Doch produziert wird künftig häufiger im Ausland.

„Aufgrund des stagnierenden europäischen Automobilmarktes und der zunehmend globalisierten Produktionsstrukturen der Hersteller wird daher ein Auslandsengagement für die mittelständischen Automobilzulieferer immer wichtiger“, so Studienleiter Stefan Bratzel. Für ihre internationalen Werke wünschen sich die großen Hersteller wie VW, BMW und Daimler, dass auch ihre Zulieferer eine nahe Produktion einrichten. Wer sich darauf nicht einlässt, droht den Auftrag zu verlieren. Vielen Kleinen fehlt allerdings die Voraussetzung, um sich zu internationalisieren - 65 Prozent scheuen den Gang ins Ausland wegen hoher Marktrisiken.

Darum sind bei den kleinen und mittelständischen Unternehmen mit bis zu 500 Mitarbeitern heute gerade einmal 34 Prozent im Ausland aktiv. Bei den Zulieferern mit 500 bis 1000 Mitarbeitern liegt diese Quote bei 75 Prozent. Die kleinen Hersteller müssen für die Internationalisierung auch personell an den Rand der Leistungsfähigkeit gehen: besonders qualifizierte Führungskräfte werden beim Aufbau der internationalen Standorte gebraucht, doch fehlen dann für Zukunftsprojekte in der Heimat.

Was die Hersteller pro Auto verdienen – oder verlieren
Sportlich und erfolgreich
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Ford (Europa) – minus 891 Euro

Der US-Autobauer Ford hat in seinem Europageschäft (im Bild der Ford Fiesta ST) mit hohen Verlusten zu kämpfen. Pro verkauftem Neuwagen aus Europa machte Ford im Gesamtjahr 2013 einen Verlust von 891 Euro – so viel wie kein anderer Massenhersteller. Die Ebit-Marge (Gewinn vor Zinsen und Steuern) lag bei minus 5,8 Prozent.

Das CAR-Institut der Universität Duisburg-Essen unter Professor Ferdinand Dudenhöffer hat untersucht, wie profitabel die Automobilkonzerne sind. Berechnet wurden dabei die Gewinne vor Zinsen und Steuern (Ebit) für die reine Automobilsparte. Zulieferaktivitäten oder andere Geschäftsfelder wie Motorräder, Bank- und Immobiliengeschäfte blieben dabei unberücksichtigt.

Produktion Opel Adam
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GM Europa (Opel, Vauxhall) – minus 607 Euro

In seinem Europageschäft hat General Motors (GM) nach wie vor Probleme: Doch die Marken Opel (im Bild der Adam) und Vauxhall laufen trotz roter Zahlen wieder deutlich besser. Im Gesamtjahr fällt das Minus mit 607 Euro allerdings deutlich geringer aus als im Vorjahr (1.341 Euro). Die Ebit-Marge pro Fahrzeug liegt bei minus 4,2 Prozent.

A customer walks past a Peugeot car at a dealership in Marseille
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Peugeot-Citroën (PSA) – minus 370 Euro

Erstmals in 118 Jahren Unternehmensgeschichte hat die Familie Peugeot ihre Macht abgegeben. Neuer Partner der Franzosen: der chinesische Autoriese Dongfeng. Eindämmen konnte auch Peugeot-Citroën seinen Verlust pro verkauftem Fahrzeug. Nach 510 Euro im vergangenen Jahr beträgt das Minus nun 370 Euro. Die Ebit-Marge liegt bei minus 2,9 Prozent.

82nd Geneva International Motor Show
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Seat – minus 331 Euro

Die VW-Tochter dämmt ihren Verlust pro verkauftem Auto ebenfalls ein. Im Jahr 2013 beträgt das Minus bei Seat (im Bild der Ibiza SC) noch 331 Euro – nach durchschnittlich 364 Euro in 2012. Die Ebit-Marge liegt bei minus 2,4 Prozent.

An employee inspects a Renault Clio 3 at the Renault automobile factory in Flins
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Renault – minus 283 Euro

Die Franzosen machen mit jedem verkauftem Auto durchschnittlich 283 Euro Verlust. Doch runderneuerte Massenmodelle wie der Clio (im Bild) oder der Twingo sollen auch die Franzosen wieder in die schwarzen Zahlen bringen. Im Jahr 2012 lag die Ebit-Marge noch bei minus 1,9 Prozent.

A model poses beside a Fiat 500 GQ displayed on the company's booth during the first media day of the Geneva Auto Show at the Palexpo in Geneva
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Fiat – minus 224 Euro

Die Italiener leiden besonders unter der schwachen Nachfrage in Europa, die durchschnittlichen Verluste pro Fahrzeug legen weiter zu auf 224 Euro (2012: 77 Euro). Die Ebit-Marge liegt bei minus 1,5 Prozent. Rechnet man die Zuliefersparte und Ferrari-Maserati mit ein, kann Fiat (im Bild der Fiat 500 GQ) im Gesamtjahr aber ein positives Ergebnis erzielen.

huGO-BildID: 30117647 Hostesses pose with the new Skoda Octavia displayed in World premiere at the Geneva International Motor Show on March 5, 2013 w
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Skoda – plus 567 Euro

Kein Autohersteller hat in absoluten Zahlen so viel Profit pro Auto eingebüßt wie die osteuropäische VW-Tochter. Mit einem Gewinn von durchschnittlich 567 Euro pro verkauftem Wagen landen Skoda aber immer noch locker in den schwarzen Zahlen. Die Ebit-Marge von Skoda (im Bild der Skoda Octavia) ist mit 5,1 Prozent sehr ordentlich.

Dabei fällt die Suche nach Spitzenkräften heute schon schwer: 73 Prozent aller befragten Mittelständler geben an, dass sie in Deutschland Schwierigkeiten bei der Personalsuche haben, international sind es nur 48 Prozent.
Auch die technologische Entwicklung kommt den kleinen Herstellern nicht entgegen. Gleichteilestrategien, die Hersteller wie Volkswagen derzeit verfolgen, sind insbesondere für kleinere Zulieferer ein Problem. Denn dahinter steckt die Überlegung der Hersteller, mit größeren Aufträgen auch die Stückkosten zu senken. Eine Rechnung, die bei den Kleinen nicht aufgeht. Nicht umsonst geben 59 Prozent der Zulieferer an, dass ihre Kunden vor allem auf den Preis achten. Deutlich geringer ist der Druck bei Unternehmen, die selbst in die Entwicklung eingebunden werden oder eine spezielle Technologie verfügen. Doch im Volumensegment wird die Luft eng.

Und das hat nach Ansicht der Forscher massive Folgen: Sie sehen bei 40 Prozent aller kleinen und mittelständischen Automobilzulieferer einen erhebliche Nachholbedarf. Sie seien nicht ausreichend international aufgestellt, seien nicht in die Entwicklung ihrer Kunden eingebaut und zu abhängig von der Automobilindustrie. Sofern in den nächsten Jahren nicht massiv gegengesteuert wird, seien mittelfristig über 1.200 kleine und mittelständische Automobilzulieferer strukturell bedroht.

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12 Kommentare zu "Autobranche baut um: Zulieferer geraten in die Klemme"

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  • Wir versuchen in einem globalisierten Wettbewerb einen 100 m Lauf zu gewinnen, bei dem wir als einziger Läufer mit einem 10 KG Rucksack auf dem Rücken antreten und uns wundern, dass wir zunehmend nur noch im hinteren Teilnehmerfeld punkten können.

    Müssten wir aus Steuergeldern nicht Banken retten, Gutmenschentum an allen Orten finanzieren und einige eigentlich nicht beitrittsfähige Neumitglieder in der EU massgeblich mitaufbauen, könnten wir mit noch immer bei jedem 100 m Lauf in der Spitzengruppe mitlaufen.

    So aber sehe ich für die nächsten 10 - 20 Jahren das bisherige Erfolgsmodell Deutschland mehr und mehr scheitern.

    Es wird Zeit über Alternativen nachzudenken und sich nicht immer mit dem vermeintlich kleineren politischen Übel zu begnügen.

  • Wer in der Redaktion hat denn das Pseudonym "Popowa" erfunden?

    Zwar übertrieben, aber oft doch halbwegs lustig.

  • @ Oliver Klima
    Sie scheinen mir sehr engstirnig u. mit wenig Geist. Gehen sie mal raus aus Deutschland. Lernen sie etwas bzgl. Globalisierung dazu. Aus ihren Beiträgen vermute ich, sie sind ein Beamter oder Verwalter.

  • Och Leute, bitte, was hat Putin und Russland mit dem Thema zu tun? Das ist doch Mumpitz.

  • @ Dieter Kreischer
    Sie haben erkannt! Von RUS lernen bedeutet siegen lernen.
    In Deutsche Presse ich lese viel Unsinn über RUS. Deitsche Journalisten haben wenig Geld u. sind unmotiviert ... daher die Lügen.

  • Zulieferer, kommt zu uns nach RUS.
    Wir haben Land, da geht die Sonne nie unter. Bei uns zahlt ihr wenig Steuer. Eine Genehmigung für Fabriken gibt es sofort. Auflagen gibt es so gut wie keine. Die Leute in RUS sind sehr arbeitswillig, da es so etwas wie Hartz nicht gibt. RUS ist die Zukunft!!!

  • Gutmenschen u. Öko Fuzzys verhindern in D Innovationen u. Industrieansammlungen.
    Daher werden diese Vorhaben im Ausland realisiert.
    Diese Gutmenschen u. Öko Fuzzys gehören in anständige Arbeit oder ausradiert!

  • Das war zwingend abzusehen seitdem eine indifferente Politikerschar daran arbeitet, die Bedingungen zu verschlechtern.

    Erst zwang man eine Gemeinschaftswährung in ein Staatengefüge ohne die essentielle Voraussetzung zu schaffen, nämlich die Einheitstaatlichkeit.

    Dann kam das EEG mit der Verteuerung von Energie für Industrie und Private, der hirnrissige Mindestlohn und die Frühpensionierung.

    So verhindert eine Politik ohne Sachkenntnis und voller Egozentrik weiteren Fortschritt in Deutschland.

    Der Sarg ist damit genagelt, in dem das Land vor sich hin faulen wird.
    Einstmals benötigten deutsche Politiker dafür einen veritablen Weltkrieg.

  • Sie reden von einem Vorstand, den es so bei Mittelständlern nicht gibt. Viele Unternehmen sind familiengeführt.

    Und der "Vorstand" in Asien verdient auch ganz gut, habe ich mir sagen lassen. Daran kann es also nicht liegen.

    Sie begehen den Fehler, aus einem bestehenden Strukturproblem eine billige Neiddebatte zu machen. Damit helfen Sie niemandem.

  • Der Asiate zahlt keine Steuern und Abgaben und auch nicht die hohen Lebenshaltungskosten in D wie Miete usw.

    Wenn das Management meint dass es geht dann können sie mit gutem Beispiel voran gehen und sich selbst auch die dortigen Gehälter leisten.

    Warum muss auch ein Vorstand hier das 400fache von einem deutschen Arbeiter verdienen wenn es auch nur um das 400fache eines asiatischen Arbeiter verdienen kann.

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