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01.08.2008 
Milliardenverlust bei GM – BMW enttäuscht

Autobranche blickt frostigen Zeiten entgegen

Der schwer angeschlagene US-Autobauer General Motors stürzt nach einem erneuten riesigen Milliardenverlust immer tiefer in die Krise. Und am weiß-blauen Autohimmel hängen ebenfalls dunkle Wolken. Denn die Krise an den internationalen Finanzmärkten, der schwächelnde Dollar und die massiv gestiegenen Sprit- und Rohstoffpreise haben nun auch den bayerischen Autobauer BMW mit voller Wucht erwischt.

GM: Spritfresser nicht mehr gefragt. Foto: dpaLupe

GM: Spritfresser nicht mehr gefragt. Foto: dpa

HB MÜNCHEN. Der Absatz der Bayern steigt zwar weiter, BMW verdient aber immer weniger, da die Kosten an allen Ecken explodieren. Allein in diesem Jahr rechnet BMW mit Mehrausgaben von mindestens 1,7 Mrd. Euro. Eine Besserung ist derzeit nicht in Sicht. Erst 2010 könnte es laut BMW wieder aufwärts gehen. Doch selbst wenn sich die Märkte wieder erholen, die Autobranche steht vor massiven Umwälzungen, da alternative Antriebe dringender denn je gebraucht werden. BMW hat nach Einschätzung von Experten aber durchaus Chancen, die Krise zu meistern. Denn die Münchner haben sich auf schlechte Zeiten eingestellt.

Wesentlich schlimmer sieht es da beim Opel-Mutterkonzern aus. GM fuhr im zweiten Quartal unter dem Strich ein Minus von 15,5 Mrd. Dollar (rund 10 Mrd. Euro) ein. Ein kleines Plus bei Opel konnte die steile Talfahrt des Konzerns kaum bremsen. Der vierte GM-Quartalsverlust in Folge und der drittgrößte der Konzerngeschichte fiel auch wegen hoher Einmallasten etwa für den Stellenabbau dramatisch größer aus als erwartet. Opel-Betriebsratschef Klaus Franz sieht trotz der dramatischen Verluste der Mutter General Motors keinen weiteren Arbeitsplatzabbau auf den Rüsselsheimer Autobauer zukommen. Das Unternehmen werde stattdessen eher ausgelagerte Arbeitsplätze wieder in den eigenen Betrieb zurückholen, sagte der Arbeitnehmervertreter am Freitag. Darüber gebe es bereits Gespräche mit dem Management.

Der GM-Umsatz brach wegen der Krise auf dem US-Automarkt im Vergleich zum Vorjahr um 18 Prozent auf 38,2 Mrd. Dollar ein, teilte GM am Freitag mit. Im Europageschäft mit der wichtigsten Marke Opel erzielte GM nur noch ein knappes operatives Plus von 20 Mill. Dollar. Im Vorjahr lag es noch bei 315 Mill. Dollar. Der GM-Konzern hatte im zweiten Quartal 2007 noch einen Gewinn von 891 Mill. Dollar erzielt.

Wie die US-Wettbewerber Ford und Chrysler baut GM massiv Stellen ab. Die Produktion wird von schweren Geländewagen auf sparsamere kleinere Autos umgestellt. Zuletzt kündigte GM Kostensenkungen von 20 Prozent bei den US-Angestellten an. Ford hatte vergangene Woche ein Quartalsminus von 8,7 Mrd. Dollar bekanntgegeben.

Der neue Auto-Branchenführer Toyota ist ebenfalls in den Strudel des Abschwungs am US-Automarkt geraten und hat vergangenen Monat seine Absatzprognose für dieses Jahr gesenkt. Der japanische Konzern rechnet nun damit, bis Ende des Jahres 9,5 Millionen Fahrzeuge zu verkaufen. Das sind 350 000 weniger als bisher geplant. Kommende Woche legen die Japaner Quartalszahlen vor. Toyota hat mit seinen kleinen sparsamen Autos zwar die großen amerikanischen Konkurrenten das Fürchten gelehrt - der Vorstoß ins einst lukrative Geschäft mit großen Geländewagen trifft im US-Markt nun auch die Japaner. Im Juni musste Toyota ebenfalls einen starken Absatzrückgang melden. Toyota hat in diesem Jahr erstmals den US-Konkurrenten General Motors (GM) von der weltweiten Spitzenposition beim Absatz verdrängt.

Auch BMW bekommt die Krise zu spüren. Foto: HerstellerLupe

Auch BMW bekommt die Krise zu spüren. Foto: Hersteller

BMW zieht sich nun warm an

Noch Anfang Mai hatte BMW-Chef Norbert Reithofer ein wenig wie der Rufer in der Wüste geklungen. Auf der Hauptversammlung des Unternehmens warnte er Aktionäre und vor allem die eigene Belegschaft eindringlich vor den Herausforderungen der Zukunft und mahnte, ein "Weiter-so-wie-bisher" dürfe es nicht geben. "Wenn sich die Welt um uns herum verändert, müssen auch wir uns verändern." Bereits im vergangenen Jahr hatte er ein milliardenschweres Sparprogramm aufgelegt, in dessen Zuge mehr als 8000 Stellen im Konzern wegfallen. Angesichts damals noch ordentlicher Gewinne hagelte es dafür von vielen Seiten Kritik. Doch Reithofer ging über reine Einsparungen hinaus. BMW müsse sich auf steigende Umweltanforderungen weltweit einstellen, betonte er. Gefragt seien deshalb neue Fahrzeugkonzepte und letztlich emissionsfreie Autos.

Denn es sind beileibe nicht nur die steigenden Kosten, die den Münchnern und auch dem Rest der Branche Sorgen machen. Die entscheidende Frage lautet, wie Autos in einigen Jahren aussehen müssen, um gekauft zu werden. Die großen US-Hersteller haben diesen Denkprozess in den vergangenen Jahren vernachlässigt und zahlen dafür nun einen schmerzhaften Preis. Mit ihrem Festhalten an klobigen Pick- up-Trucks mit hohen Verbrauch produzierten sie zuletzt am Markt vorbei und manövrierten sich in eine tiefe Krise. Der langjährige Weltmarktführer GM zum Beispiel fährt Milliarden-Verluste ein und hat bereits zehntausende Stellen gestrichen. Symbol des Umdenkens bei GM sind der geplante Verkauf der Geländewagenmarke Hummer und das Elektro-Auto Chevy Volt, das bereits 2010 auf den Markt kommen soll.

Das Schicksal der US-Autobauer will Reithofer BMW ersparen. Mit Hochdruck wird derzeit zum Beispiel an einem Elektro-Mini geschraubt, von dem bereits 500 Versuchsfahrzeuge auf den Straßen unterwegs sind. Wann er allerdings für die Kunden verfügbar sein wird, ist derzeit noch offen. Vorbeisein dürften auch die Zeiten dicker Geländewagen. BMW begrub jetzt die Pläne für eine nochmalige Erweiterung seiner Geländewagen-Familie. Darüberhinaus gibt es Gedankenspiele über die Einführung einer vierten Marke neben BMW, Mini und Rolls-Royce. Sie könnte kleine, sparsame Stadtfahrzeuge anbieten.

Hinzu sollen Hybrid-Varianten des 7er und des Gelände-Coupes X6 kommen. Bei Hybrid-Motoren freilich hinkt BMW wie der Rest der Europäer den japanischen Herstellern hinterher. Der weltgrößte Autobauer Toyota hatte das weltweit erste in Serie produzierte Hybrid-Modell, den Prius, 1997 in Japan auf den Markt gebracht und in den USA zuletzt gut verkauft. Der von den Deutschen favorisierte Diesel-Antrieb tut sich dort noch schwer. Wasserstofffahrzeuge funktionieren zwar theoretisch, angesichts eines fehlenden Tankstellennetzes und einer ungeklärten Versorgung bleiben sie auf absehbare Zeit aber Zukunftsmusik.

Dennoch hat BMW einige Pfeile im Köcher. Bereits seit längerem wurden unter der etwas sperrigen Bezeichnung "Efficient Dynamics" hohe Summen in die Entwicklung sparsamerer Fahrzeuge gepumpt. Bereits diese Ausgaben hatten zwar die Gewinne belastet, nun könnte sich der Entwicklungsvorsprung aber auszahlen. "BMW ist in der Umweltdiskussion eindeutig am besten aufgestellt", sagt der Automobilexperte Ferdinand Dudenhöfer. Reithofer habe bereits die richtigen Schritte eingeleitet, angefangen vom Stellenabbau über die verstärkte Produktion in den USA bis hin zu "Efficient Dynamics". "Die Weichen sind alle gestellt. Aber erstmal muss man durch diesen harten Markt durchkommen."

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