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01.08.2008 

Auch BMW bekommt die Krise zu spüren. Foto: HerstellerLupe

Auch BMW bekommt die Krise zu spüren. Foto: Hersteller

BMW zieht sich nun warm an

Noch Anfang Mai hatte BMW-Chef Norbert Reithofer ein wenig wie der Rufer in der Wüste geklungen. Auf der Hauptversammlung des Unternehmens warnte er Aktionäre und vor allem die eigene Belegschaft eindringlich vor den Herausforderungen der Zukunft und mahnte, ein "Weiter-so-wie-bisher" dürfe es nicht geben. "Wenn sich die Welt um uns herum verändert, müssen auch wir uns verändern." Bereits im vergangenen Jahr hatte er ein milliardenschweres Sparprogramm aufgelegt, in dessen Zuge mehr als 8000 Stellen im Konzern wegfallen. Angesichts damals noch ordentlicher Gewinne hagelte es dafür von vielen Seiten Kritik. Doch Reithofer ging über reine Einsparungen hinaus. BMW müsse sich auf steigende Umweltanforderungen weltweit einstellen, betonte er. Gefragt seien deshalb neue Fahrzeugkonzepte und letztlich emissionsfreie Autos.

Denn es sind beileibe nicht nur die steigenden Kosten, die den Münchnern und auch dem Rest der Branche Sorgen machen. Die entscheidende Frage lautet, wie Autos in einigen Jahren aussehen müssen, um gekauft zu werden. Die großen US-Hersteller haben diesen Denkprozess in den vergangenen Jahren vernachlässigt und zahlen dafür nun einen schmerzhaften Preis. Mit ihrem Festhalten an klobigen Pick- up-Trucks mit hohen Verbrauch produzierten sie zuletzt am Markt vorbei und manövrierten sich in eine tiefe Krise. Der langjährige Weltmarktführer GM zum Beispiel fährt Milliarden-Verluste ein und hat bereits zehntausende Stellen gestrichen. Symbol des Umdenkens bei GM sind der geplante Verkauf der Geländewagenmarke Hummer und das Elektro-Auto Chevy Volt, das bereits 2010 auf den Markt kommen soll.

Das Schicksal der US-Autobauer will Reithofer BMW ersparen. Mit Hochdruck wird derzeit zum Beispiel an einem Elektro-Mini geschraubt, von dem bereits 500 Versuchsfahrzeuge auf den Straßen unterwegs sind. Wann er allerdings für die Kunden verfügbar sein wird, ist derzeit noch offen. Vorbeisein dürften auch die Zeiten dicker Geländewagen. BMW begrub jetzt die Pläne für eine nochmalige Erweiterung seiner Geländewagen-Familie. Darüberhinaus gibt es Gedankenspiele über die Einführung einer vierten Marke neben BMW, Mini und Rolls-Royce. Sie könnte kleine, sparsame Stadtfahrzeuge anbieten.

Hinzu sollen Hybrid-Varianten des 7er und des Gelände-Coupes X6 kommen. Bei Hybrid-Motoren freilich hinkt BMW wie der Rest der Europäer den japanischen Herstellern hinterher. Der weltgrößte Autobauer Toyota hatte das weltweit erste in Serie produzierte Hybrid-Modell, den Prius, 1997 in Japan auf den Markt gebracht und in den USA zuletzt gut verkauft. Der von den Deutschen favorisierte Diesel-Antrieb tut sich dort noch schwer. Wasserstofffahrzeuge funktionieren zwar theoretisch, angesichts eines fehlenden Tankstellennetzes und einer ungeklärten Versorgung bleiben sie auf absehbare Zeit aber Zukunftsmusik.

Dennoch hat BMW einige Pfeile im Köcher. Bereits seit längerem wurden unter der etwas sperrigen Bezeichnung "Efficient Dynamics" hohe Summen in die Entwicklung sparsamerer Fahrzeuge gepumpt. Bereits diese Ausgaben hatten zwar die Gewinne belastet, nun könnte sich der Entwicklungsvorsprung aber auszahlen. "BMW ist in der Umweltdiskussion eindeutig am besten aufgestellt", sagt der Automobilexperte Ferdinand Dudenhöfer. Reithofer habe bereits die richtigen Schritte eingeleitet, angefangen vom Stellenabbau über die verstärkte Produktion in den USA bis hin zu "Efficient Dynamics". "Die Weichen sind alle gestellt. Aber erstmal muss man durch diesen harten Markt durchkommen."

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