Autobranche
BMW stellt sich mit Formel-1-Rückzug neu auf

Das ist ein Paukenschlag für den Motorsport: BMW steigt aus der Formel 1 aus. Doch diese Entscheidung betrifft längst nicht nur den sportlichen Bereich. Schließlich ist das Engagement kein kleines Anhängsel. Der Ausstieg ist ein nennenswerter Strategiewechsel für das gesamte Unternehmen.

HB MÜNCHEN/HAMBURG. BMW macht die Vollbremsung: Der bayrische Automobilhersteller wird nach der Saison aus der Formel 1 aussteigen. „Natürlich ist uns diese Entscheidung schwer gefallen“, sagte der Vorstandsvorsitzende Norbert Reithofer am Mittwoch in einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz im BMW-Hochhaus in München. „Wir haben gestern im Vorstand entschieden, wir richten unser Motorsport-Engagement neu aus. Die BMW-Group wird ihr Engagement in der Formel 1 mit Ablauf der Saison 2009 beenden.“

Dies sei ein konsequenter Schritt vor dem Hintergrund der strategischen Neuausrichtung des Unternehmens, erklärte Reithofer im Beisein von Motorsportdirektor und BMW-Sauber-Chef Mario Theissen. „Aus Sicht des Unternehmens kann ich diese Entscheidung nachvollziehen“, erklärte er.

Anleger und Börsianer reagierten positiv auf die Entscheidung: Die BMW-Aktie legte nach dem verkündeten Ausstieg um fast drei Prozent. Ein Händler erklärte, der Konzern sei bislang nicht besonders erfolgreich gewesen und der Ausstieg sei damit ein konsequenter Schritt in Richtung Kostenkontrolle sei.

Der Konkurrent Daimler reagiert und gab an, seine Tochter Mercedes nicht zurückziehen zu wollen: „Wir haben unsere eigenes Konzept und derzeit keine Pläne aus der Formel 1 auszusteigen. Allerdings überwachen wir die Kosten und Nutzen unseres Engagements kontinuierlich“, sagte Daimler-Chef Dieter Zetsche bei der Telefonkonferrenz zu den Quartalszahlen.

In welchem Umfang es zu einem Stellenabbau in München oder Hinwil kommt, steht derzeit nach Unternehmensangaben noch nicht fest. Entwicklungsvorstand Klaus Draeger: „Da wir diese Entscheidung erst gestern getroffen haben, können wir noch nichts Genaueres mitteilen. Wir werden verschiedene Szenarien erarbeiten und bewerten und uns bemühen, für die Mitarbeiter am Standort Hinwil und die in das Formel-1-Projekt eingebundenen Beschäftigten in München Lösungen zu finden.“ Schätzungen zufolge sollen insgesamt 700 Beschäftigte für das Formel- 1-Team arbeiten. „Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst und werden die Mitarbeiter informieren, sobald wir Klarheit haben“, sagte Draeger. Was mit den beiden Piloten Nick Heidfeld aus Mönchengladbach und Robert Kubica aus Polen passiert, ist derzeit ebenfalls unklar.

BMWs Formel-1-Partner und Team-Anteilseigner Peter Sauber hat wenig Verständnis für den Rückzug seines Partners BMW aus der Formel 1. „Die Ankündigung von BMW, sich zum Saisonende aus der Formel 1 zurückzuziehen, kam für mich völlig überraschend. Ich akzeptiere und respektiere den Entscheid, kann ihn allerdings persönlich nur schwer nachvollziehen“, teilte der Schweizer am Mittwoch in einer Stellungnahme mit. Er werde alles in seiner Macht stehende versuchen, „eine Lösung zu finden, die den Fortbestand des Teams am Standort Hinwil in irgendeiner Form ermöglicht“. Doch betonte er auch: „Die Ausgangslage dazu ist sehr schwierig.“

BMW hatte 2005 die Mehrheit am Team von Peter Sauber übernommen. Sauber selbst soll noch 20 Prozent an dem im schweizerischen Hinwil angesiedelten Rennstall halten. Sauber war mit seinem Privatteam 1993 in die Formel 1 eingestiegen.

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