Autobranche
BMW verkauft die Rover-Markenrechte

Ein Jahr nach der Pleite der Rover-Gruppe steht BMW offenbar vor dem Verkauf der Markenrechte. Die traditionsreiche britische Automarke wird wohl in China eine Wiedergeburt erleben.

MÜNCHEN. „Es ist mit mehreren Interessenten verhandelt worden. Und es gibt einen Abschluss“, heißt es bei BMW. Wer den Zuschlag bekommen hat, ließ der Münchener Autokonzern aber offen. Branchenkreisen zufolge dürfte der chinesische SAIC-Konzern die Rover-Rechte erworben haben. Der Partner eines Gemeinschaftsunternehmens mit dem VW-Konzern ist die Nummer Eins unter den chinesischen Herstellern und liebäugelt schon lange mit dem Kauf einer europäischen Marke. Ein Abschluss könnte bereits in den kommenden Tagen verkündet werden.

BMW ist seit dem vergangenen Jahr wieder Eigentümer der Markenrechte, nachdem britische Finanzinvestoren vergeblich versucht haben, mit dem Traditionsnamen eine Autoproduktion in Großbritannien zu revitalisieren. Seitdem werden die Rover-Reste verramscht und die Chinesen bedienen sich kräftig. Erst kaufte Nanjing einen Teil der Produktionsanlagen für knapp achtzig Millionen Euro. Dann erwarb Konkurrent SAIC zwei Rovermodelle, allerdings ohne den Namen verwenden zu dürfen.

Der blieb bei BMW, als sich die Bayern Hals über Kopf im Jahre 2000 aus ihrem englischen Abenteuer verabschieden mussten. Der „englische Patient“ hatte den deutschen Premiumhersteller Milliarden gekostet. Mit Ford fanden die Deutschen aber auch einen gut zahlenden Käufer für die Geländewagenhersteller Land Rover. Einzige Bedingung der Amerikaner: Sie haben ein Vorkaufsrecht für die Marke Rover.

„Theoretisch kann Ford den Verkauf noch blockieren“, heißt es in Branchenkreisen. Ford will die Marke Land Rover vor Verwechslungen und billigen Plagiaten schützen, ein Geländewagen aus China mit dem Namen Rover wäre ein Alptraum. Doch um das auszuschließen, müsste der klamme amerikanische Autokonzern selbst den zweistelligen Millionenbetrag auf den Tisch legen. Denn BMW hätte ein Recht auf die ausgehandelte Kaufsumme.

Für die Chinesen ist die Marke Rover von strategischer Bedeutung. Der chinesische Markt kann die ständig wachsende Produktion im Reich der Mitte nicht mehr aufnehmen. Doch anders als bei Textilien oder Computern bekommen die Chinesen im Autoexport kein Bein auf den Boden. Die Exportbemühungen der SAIC-Konkurrenten in Europa waren bislang zaghaft und floppten weitgehend. Der Opel Geländewagen-Nachbau „Landwind“ aus dem Hause Jiangling und die Mittelklasselimousine „Zhonghua“ von Brilliance sind derzeit noch keine Konkurrenz für die Platzhirsche aus Japan und Europa. Auch wenn sie Technik und Design der Europäer fleißig kopieren.

Denn auch das geht in Zukunft nicht mehr so einfach. China ist mittlerweile Mitglied der Welthandelsorganisation WTO und verpflichtet sich, Patente und Marken der Konkurrenz zu schützen. Auch das erklärt das Interesse an einem eingeführten Namen wie Rover.

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