
DÜSSELDORF. Es ist eine Geschichte, wie sie Amerikaner lieben, und von der sie allem Anschein nach nicht genug bekommen können. Die Geschichte des angezählten Champs, der gezeichnet von harten Schicksalsschlägen doch noch einmal ein Comeback versucht - und gewinnt. Genau mit diesem etwa aus den Rocky-Filmen allseits bekannten Plot hat nun der Autobauer Chrysler einen großen Punktsieg in der öffentlichen Meinung Amerikas errungen. Egal ob Zeitung, Blog, Radio- oder Fernsehsendung: Chryslers Werbespot mit dem Titel "Born of Fire", der beim Endspiel der Football-Meisterschaft im Fernsehen übertragen wurde, ist das große Thema.
Die Story ist schnell erzählt: Der weiße Rapper Eminem lenkt einen Chrysler 200 durch Detroit. Der Clou: Eminem rollt mit der schwarzen Limousine nicht etwa durch feine Suburbs, an schönen Villen oder prunkvollen, modernen Bürobauten vorbei. Seine Tour führt Eminem direkt durchs grau dampfende Industriegebiet, Schlote, später kahle Backsteinmauern halb abgerissener Häuser. Kein Sonnenschein, kein blauer Himmel. Detroit so trostlos, wie es wirklich ist. Aber es steckt eben auch mehr dahinter.
Chrysler: Born of Fire.
Aus dem Off sagt eine Stimme den entscheidenden Satz: "Was weiß eine Stadt, die zur Hölle und wieder zurückgegangen ist, schon über Luxus? Mehr als die meisten." Was folgt ist eine Eloge über den Comeback-Willen von Detroit - und von Chrysler, von dem Willen, es doch noch mit harter Arbeit zu schaffen. Dazu passt natürlich auch der Schluss des Spots: Eminem parkt sein Auto vor dem berühmten Fox Theater, betritt die Bühne, dreht sich in die Kamera und sagt: "Das ist Motor City, und das ist das, was wir tun." Wie gesagt, die Story erinnert stark an Rocky. Und sie kommt an.
Die Kommentare auf den Spot in zahlreichen Blogs diverser amerikanischer News-Websites sind überwiegend positiv, oft sogar euphorisch. Die Detroit News berichtet, dass mehr als 2000 Nachrichtenportale den Chryslers Zwei-Minuten-Spot thematisch aufgegriffen haben. Von mehr als 200 Millionen Treffern im Internet ist die Rede, wie und wo auch immer diese gemessen worden sein sollen. Auf Youtube ist das Video immerhin mehr als 3,5 Millionen Mal aufgerufen worden.
Das Marktforschungsinstitut Edmunds berichtet, dass der Datenverkehr zum Thema Chrysler nach Ausstrahlung des Spots um 328 Prozent nach oben geschossen ist - der für den neuen Chrysler 200 gar um 1600 Prozent. Die Werbung habe die Verbundenheit von Chrysler mit Detroit sehr emotional in den Mittelpunkt gestellt, so Edmunds. "Und es sieht ganz danach aus, als ob diese Botschaft die Zuschauer angesprochen hat", sagte Michelle Krebs, Analystin bei Edmunds.