Autobranche
Chinesen legen Angebot für Opel vor

Nun ist es amtlich: Der chinesische Autobauer BAIC hat bei General Motors ein Angebot für Opel vorgelegt. Damit hat der bisherige erste Verhandlungspartner Magna entgültig harte Konkurrenz bekommen. Gerade auch deshalb, weil das Angebot von BAIC allem Anschein nach Vorteile bietet.

FRANKFURT. BERLIN. Im Bieterwettbewerb um Opel gibt sich der chinesische Magna-Konkurrent BAIC noch nicht geschlagen. Nach Informationen aus Verhandlungskreisen haben sowohl der Opel-Mutterkonzern General Motors als auch die Experten der Bundesregierung klare Vorzüge in dem neuen Konzept der Chinesen ausgemacht. BAIC plant demnach zwar einen höheren Stellenabbau als Magna in Deutschland, fordert aber deutlich weniger Staatshilfe als der kanadisch-österreichische Zulieferer. Zudem bringt BAIC deutlich mehr Eigenkapital ein.

Die Chinesen suchen damit in der Endphase der Verhandlungen noch ihre Chance. Doch die Mühen sind wohl vergebens: "Ich habe keine Zweifel, dass Magna mit seinen russischen Partnern den Zuschlag erhält", sagte IG-Metall-Chef Berthold Huber gestern nach einem Gespräch mit dem russischen Ministerpräsidenten Wladimir Putin. Auch in Verhandlungskreisen wird für wahrscheinlich gehalten, dass nächste Woche ein fester Vertrag mit einem Investor unterschrieben werden kann - und viel spricht dafür, dass dies Magna sein wird. Derzeit befinden sich Manager von Magna erneut zu Spitzengesprächen mit GM in den USA, um letzte Fragen zu klären, erfuhr das Handelsblatt aus Verhandlungskreisen.

Der Aufsichtsrat des Zulieferers stellte bereits die Weichen für einen raschen Einstieg und berief für den 14. Juli eine Sitzung ein, um den endgültigen Geschäftsplan für Opel abzusegnen. Magna-Boss Siegfried Wolf hatte zuvor den Tag darauf als Zeitpunkt genannt, an dem ein Vertrag über Opel unterschrieben werden könnte. Neben Magna und BAIC ist noch der Finanzinvestor RHJ als Interessent im Rennen, dem allerdings kaum mehr Chancen eingeräumt werden. BAIC hatte dagegen Ende vergangener Woche eine aktualisierte unverbindliche Offerte für Opel vorgelegt. Allerdings würden die Gespräche mit BAIC noch viel Zeit kosten. Opel habe aber alles außer Zeit, hieß es in GM-Kreisen.

Auf dem Papier ist das Angebot der Chinesen aber durchaus attraktiv. Der chinesische Daimler-Partner bietet demnach mit 660 Mio. Euro einen höheren Eigenkapitalanteil an der neuen Opel-Gesellschaft, mit 49 Prozent mehr Anteile für GM und verlangt mit 2,6 Mrd. Euro weniger Staatshilfe als Magna in seinem Konzept. Deshalb zieht GM die Chinesen noch immer als Käufer in Erwägung. Magna hat jedoch gegenüber allen anderen Interessenten einen deutlichen Zeitvorsprung und verfügt über deutlich mehr Vorkenntnisse über die operativen Verhältnisse in Rüsselsheim. Allerdings sei auch das Thema Russland in den Verhandlungen mit Magna die "wesentliche offene Baustelle", heißt es in Verhandlungskreisen.

So sei nach wie vor die Frage offen, ob Magna auch die Marke Chevrolet in Russland führen darf, ob die Sberbank ihre Anteile an einen anderen Partner als den russischen Autobauer GAZ übertragen wolle und inwieweit dieser Partner Zugriff auf die GM-Patente erhalten soll. In Verhandlungskreisen werden den Chinesen aber nur noch Außenseiterchancen eingeräumt. "Wenn es mit Magna nicht noch überraschende Probleme geben sollte, werden wir mit den anderen Interessenten kein Memorandum of Understanding mehr abschließen", hieß es.

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