Autobranche
Chinesen prüfen Volvo-Einstieg

Nun scheint erneut Bewegung in den Verkauf der verlustreichen Ford-Tochter Volvo zu kommen: Laut Zeitungsberichten steht der chinesische Autobauer Geely kurz vor der Übernahme einer Mehrheit an dem schwedischen PKW-Hersteller.

STOCKHOLM. Die schwedischen Wirtschaftszeitung "Dagens Industri" beruft sich bei ihren Angaben auf unternehmensnahe Kreise. Danach soll eine endgültige Entscheidung bis Ende August fallen. Ford wolle demnach als Minderheitsaktionär mit zehn bis 15 Prozent an Volvo beteiligt bleiben.

Auch solle ein schwedischer Investor mit ins Boot genommen werden, um eventuelle politische Widerstände gegen die Übernahme durch einen chinesischen Konzern zu mildern. Damit könnte nach Angaben der Zeitung außerdem die Furcht der Volvo-Mitarbeiter vor einer Auslagerung der Arbeitsplätze nach China verringert werden.

Bei Volvo in Göteborg wollte man die Zeitungsangaben nicht kommentieren. Der Mutterkonzern Ford hatte im vergangenen Dezember seine schwedische Tochter zum Verkauf angeboten. Das schwedische Unternehmen hatte zuvor mehrfach tiefrote Zahlen geliefert und sich zu einem der Sorgenkinder für den US-Konzern entwickelt.

Nach Bekanntwerden der Verkaufsabsichten ist der Absatz von Volvo-PKW weiter eingebrochen. Im vergangenen Monat konnte der Abwärtstrend erstmals wieder gebremst werden. Deshalb gibt es auch Spekulationen, dass Ford möglicherweise mit dem Verkauf seiner schwedischen Tochter noch warten wolle, um einen besseren Preis zu erzielen. Derzeit bewerten Experten Volvo mit 20 bis 25 Mrd. Kronen (2 bis 2,5 Mrd. Euro).

Geely-Chef Li Shufu hat in der Vergangenheit mehrfach betont, dass sein Unternehmen gern einen europäischen Autohersteller übernehmen wolle. Der chinesische Konzern produziert rund 300 000 Wagen im Jahr und hat außerhalb Chinas Produktionsstätten in Russland, der Ukraine und Indonesien.

Bei den Verkaufsgesprächen kann sich Geely auf die Expertise von zwei Fachleuten stützen: Denn das chinesische Unternehmen wird von zwei ehemaligen Volvo-Chefs beraten. Pehr G. Gyllenhammar und Hans-Olov Olsson arbeiten beide für die Londoner Investmentbank Rothschild.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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