Autobranche
Chinesen schnappen sich Schweden-Autos

Die schwedische Automarke Saab könnte einen weiteren neuen Eigner bekommen. Laut Medienbericht erwägt der chinesische Autobauer SAIC einen Einstieg bei der Tochter von General Motors. Und auch bei Volvo steht ein chinesischer Bieter ganz vorne. Die schwedische Autoindustrie steht vor dem Gang nach China.

STOCKHOLM. Chinesische PKW-Produzenten stehen vor dem Einstieg in die schwer angeschlagene schwedische Automobilindustrie: Nach unbestätigten Meldungen will sich der chinesische Auto- und Motorrad-Hersteller Shanghai Automotive Industry Corporation (SAIC) an Saab beteiligen. Wie die Stockholmer Wirtschaftszeitung "Dagens Industri" ohne Angaben von Quellen berichtete, will der chinesische Konzern zusammen mit der Saab-Muttergesellschaft General Motors (GM) die zur Übernahme noch fehlenden rund 300 Mio. Euro bereitstellen. Hauptaktionär bei Saab ist allerdings der kleine schwedische Sportwagenhersteller Koenigsegg.

Weder SAIC noch Koenigsegg oder Saab wollten die Angaben kommentieren. Die GM-Tochter Saab steht seit Februar zum Verkauf. Zuvor war der kleine schwedische Autobauer unter Zwangsverwaltung gestellt worden. Erst im Juni einigte sich Saab mit seinen Gläubigern auf den Erlass von rund Zweidrittel der Schulden. Vor einer Woche gab der Aufsichtsratsvorsitzende der Koenigsegg Group, der amerikanische Investor Augie Fabela, zu, dass dem Konsortium weiterhin rund drei Mrd. Kronen für die Saab-Übernahme fehlen. Sein Konsortium werde 720 Mio. Kronen investieren. Zusätzlich rechne das Konsortium mit einem Kredit der Europäischen Investitionsbank (EIB) von 4,3 Mrd. Kronen.

Damit die EIB diesen Kredit vergibt, ist allerdings eine Bürgschaft durch die schwedische Regierung notwendig. Bislang hatte die Regierung mehrfach betont, dass sie nur bürgen werde, wenn die Finanzierung gesichert sei und eine nachhaltige Überlebensstrategie für Saab präsentiert werde. Am Montag erklärte der zuständige Staatssekretär im Stockholmer Wirtschaftsministerium, Jöran Hägglund, dass neue Informationen von Koenigsegg zur Finanzierung der Saab-Übernahme "vielversprechend" seien.

Auch bei der zum Verkauf stehenden Ford-Tochter Volvo befindet sich ein chinesischer Konzern möglicherweise vor einem Einstieg. Der Chef des chinesischen Autoherstellers Geely bestätigte gestern in Hongkong, dass sein Unternehmen Interesse an dem PKW-Produzenten Volvo habe. Geely-Chef Gui Shengyue betonte, dass er eine Komplettübernahme vor einer Teileignerschaft bevorzuge.

Geely wird seit längerem als Hauptinteressent für den schwedischen Konzern genannt. Allerdings haben Zulieferer und auch Ford Bedenken, ihre Technologie an Geely weiterzugeben. Bei Saab liegt der Fall etwas anders, da Saic nach Medienberichten nur als stiller Teilhaber agieren will. Außerdem gibt es seit mehreren Jahren eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Saic und GM. Eine Entscheidung wird bei Saab und auch bei Volvo in den kommenden Wochen erwartet.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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