Autobranche
Chrysler fährt auf Sparflamme

Wenige Tage nach der Senkung der Gewinnprognose um eine Milliarde Euro hat Daimler-Chrysler-Chef Dieter Zetsche die Reißleine bei Chrysler gezogen. Die Produktion und Auslieferung der US-Sparte soll bis zum Jahresende gesenkt werden. Das entscheidende Argument für diesen Kurs steht bei Experten in der Kritik.

hz / mwb STUTTGART. Der US-Hersteller werde bis zum Jahresende seine Produktion und die Fahrzeugauslieferungen an seine Händler deutlich reduzieren, sagte Zetsche auf einem Analystentreffen des Unternehmens. In der zweiten Jahreshälfte würden voraussichtlich nur 705 000 Chrysler-Modelle an die Händler ausgeliefert. Das sind etwa 135 000 weniger als bisher geplant.

Damit trage Daimler nach den Worten Zetsches einem ungewöhnlich hohen Fahrzeugbestand bei den Chrysler-Händlern Rechnung und schaffe Platz für neue, mehr Sprit sparende Modelle, die in der zweiten Jahreshälfte 2006 auf den Markt kämen. Die Situation sei für ihn unbefriedigend und nicht akzeptabel, räumte Zetsche ein. Chrysler sei jedoch wie kein anderer Hersteller vom Rückgang der Nachfrage in den USA nach Geländewagen und Pick-ups betroffen. In dieser Kategorie erzielt Chrysler 71 Prozent seines Umsatzes.

Mit dem offensiven Zugehen auf die Finanzexperten versucht Zetsche, verlorenes Vertrauen der Investoren wiederzugewinnen. Doch nicht alle Analysten zeigten sich von den Argumenten überzeugt. Die Ausführungen zu Chrysler blieben vergleichsweise nebulös, sagte Michael Raab vom Bankhaus Sal. Oppenheim. Arndt Ellinghorst von Dresdner Kleinwort stellte Zetsche sogar die Frage, ob dieser nicht mit der Führung des Konzerns und gleichzeitig der Mercedes-Gruppe überfordert sei. Zetsche sah jedoch keinen Anlass für einen Umbau im Vorstand. „Für personelle Veränderungen sehe ich keinen Raum“, erwiderte er. Im kommenden Jahr solle Chrysler die Krise überwunden haben und von acht überwiegend kleineren neuen Modellen profitieren.

Der Ruf des Daimler-Chefs ist nach der überraschenden Korrektur der Prognose lädiert. Der nun in Aussicht gestellte Milliardenverlust für Chrysler „nähre ernsthafte Zweifel an den Fähigkeiten des Managements“, kritisierte Philippe Houchois, Auto-Analyst der US-Bank JP Morgan, Anfang der Woche in einer Studie. Entweder funktioniere die Entscheidungsfindung und Zuverlässigkeit des Berichtswesens bei Daimler nicht, oder der Konzern sei einfach in seiner jetzigen Größe nicht handhabbar.

Das ließ Zetsche vor den Analysten am gestrigen Dienstag nicht gelten. „Man kann nicht bei jeder dunklen Wolke gleich die Prognosen ändern“, verteidigte sich Zetsche. Er räumte aber ein, vielleicht nicht schnell genug reagiert zu haben. Die Lage bei Chrysler sei aber bei weitem nicht mit der Situation von GM und Ford zu vergleichen. Es seien weder Massenentlassungen noch der Verkauf von Unternehmensteilen geplant.

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