
DÜSSELDORF/WASHINGTON. Es ist vielleicht ein historischer Tag. Der Weltkonzern Daimler, Erfinder des Automobils, steigt mit zehn Prozent beim winzigen Branchenneuling Tesla Motors ein, einem der Pioniere des Elektroautos. Gemeinsam wollen Daimler und Tesla zukünftig eng bei der Entwicklung von Batteriesystemen, Elektroantrieben und einzelnen Fahrzeugprojekten kooperieren, wie es in einer Presserklärung heißt.
Die Gründe für das Investment liegen auf der Hand: Tesla ist eines der wenigen Unternehmen weltweit, das ein langstreckentaugliches, mit Batterien betriebenes Auto anbietet. Und auf diese Technik kommt es in Zukunft an - ganz besonders in den Vereinigten Staaten.
Denn dort wird US-Präsident Barack Obama heute neue strenge Umweltauflagen für die Autoindustrie verkünden - und diese dürften vor allem nach dem Vorbild des US-Bundesstaates Kalifornien Obergrenzen für den Spritverbrauch und CO2-Emissionen beinhalten. Die neuen Auflagen, so melden es US-Medien unisono, sollen von 2012 an gelten und bereits vier Jahre später ihre volle Wirkung entfalten. Für Autobauer wie Daimler heißt das vor allem: Die Zeit läuft - für Elektroautos. Denn nur die dürften die dann geltenden strengen Umweltrichtlinien locker erfüllen.
Ergo: Wer als Autohersteller auf dem wichtigsten Automarkt der Welt in nur wenigen Jahren weiter vorne liegen will, braucht dringend ein Elektroauto. Nach einer Studie der Unternehmensberatung Roland Berger werden bereits 2020 zwölf Prozent aller verkauften Fahrzeuge Elektroautos sein. Daimler selbst will, wie das Unternehmen mitteilte, 2010 den ersten Mercedes-Benz mit Batterieantrieb vorstellen.
Daimler-Konzernchef Dieter Zetsche begrüßt den Vorstoß von Obama. Mit der einheitlichen Regelung werde "eine Aufsplitterung des Marktes verhindert", sagte Zetsche dem Handelsblatt in Washington. Es sei gut, dass es jetzt Planungssicherheit für die nächsten sieben Jahre gebe. Hinsichtlich der Zehn-Prozent-Beteiligung an dem kalifornischen Elektro-Sportwagenbauer Tesla Motors sagte Zetsche: "Es ist sinnvoll, sich jetzt in diesem Zukunftsfeld strategisch zu positionieren." Zwar schloss er eine Übernahme von Tesla vorerst aus, er sagte aber auch: "Man soll im Leben niemals nie sagen."