Autobranche
„Der Öko-Trend ist unumkehrbar“

In diesem Jahr ist auf der IAA vieles anders: Statt nur PS und Schönheit zu präsentieren, wetteifern die Hersteller um Ein-Liter-Autos und E-Mobile. Von Serienreife kann man in den meisten Fällen noch lange nicht sprechen – doch die Investitionen verschlingen jetzt schon Milliarden. Doch ohne Umweltflitzer geht in der Autobranche nichts mehr.-

hz/mcs/mwb/str FRANKFURT. Der Wertewandel ist da. Statt wie früher auf „PS und Zylinder zu schauen“, blickten die Kunden inzwischen stärker auf Verbrauch und CO2-Emission, sagte Volkswagens Konzernchef Martin Winterkorn anlässlich der Eröffnung der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt. Selbst der neue 550-PS-Riese Mulsanne der britischen VW-Edeltochter Bentley wird mit 15 Prozent weniger Verbrauch angepriesen. BMW-Boss Norbert Reithofer sieht auch bei Premiumkunden das ökologische Bewusstsein wachsen. „Der Öko-Trend ist unumkehrbar“, sagte Reithofer dem Handelsblatt.

Keine Frage: Öko folgt nicht nur politischem Druck, sondern ist längst chic. Der VW-Star auf der IAA fiel entsprechend klein aus: das Ein-Liter-Auto. Als sich zum Höhepunkt der Präsentation die Flügeltür des Konzeptwagens öffnete, konnte Chefaufseher Ferdinand Piëch in der ersten Reihe vor der Bühne seinen Stolz nicht verbergen. Die erste Generation des damals noch ulkigen aussehenden Zweisitzers war er vor sechs Jahren zur VW-Hauptversammlung nach Hamburg gefahren. Warum heute nicht gleich ein Elektroauto? „Das Ein-Liter-Auto kann 400 bis 600 Kilometer fahren und ist in fünf Minuten auftankbar“, erwidert Piëch – für ein E-Mobil unerreichbar.

Unwahrscheinlich, dass ein Fahrzeug, bei dem Fahrer und Beifahrer hintereinander sitzen, jemals in Serie kommt, aber das ist nicht das Ziel. „Wir kommen beim Ein-Liter-Auto auf Lösungen, die uns bei der Modellentwicklung voran bringen“, sagt VW-Entwicklungschef Ulrich Hackenberg. VW forciere „emissionsarme und nachhaltige Mobilität“, versprach Konzernchef Winterkorn. Trotz aller technischen Schwierigkeiten wollen die Wolfsburger das Elektroauto „aus der Ökonische in den Massenmarkt führen“, in Frankfurt zeigen sie schon einmal den geplanten Kleinwagen Up als Elektromobil. Ab 2013 könnte er über die Straßen rollen.

Ohne sparsame Autos geht nichts mehr. Praktisch jeder große Konzern bringt auf der 63. IAA mindestens einen Umweltflitzer, der französische Hersteller Renault sogar vier. Noch ist kaum eines der Modelle in Serie gegangen, aber längst wetteifern die Autobauer darum, sich im imageträchtigen Rennen um ein massentaugliches Sparmobil an die Spitze zu setzen. Doch vorerst wird die Fahrt ins Grüne den Konzernen mitten in der Krise vor allem Investitionen in Milliardenhöhe abverlangen. Doch eine andere Wahl bleibt den Autobauern gar nicht, die Strafen für Klimasünder fielen am Ende noch höher aus.

Für die Branche zeichnet sich damit in Frankfurt so deutlich wie selten zuvor eine technologische Zeitenwende ab. Die diesjährige Automesse werde eher eine „EAA“ sein, scherzte bereits „Auto Bild“: Eine Elektrische Automobil Ausstellung. BMW stellt einen Superspar-Sportwagen als Studie vor und Audi lässt einen knallroten Sportwagen R8 als Studie mit Elektroantrieb. Der Showeffekt ist vor allem bei den Rennwagen enorm. Doch die meisten Studien, die in Frankfurt bereits ins Scheinwerferlicht gerückt werden, sind noch längst nicht serienreif.

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