Autobranche
Deutsche Autobauer greifen in Indien an

Der indische Automarkt dürfte sich in sechs Jahren verdoppeln. Eine Riesenchace auch für deutsche Hersteller, doch die haben enorme Probleme, hier Fuß zu fassen. Lokale Marken wie Maruti und Tata beherrschen den Markt. Nun versuchen die Deutschen zu kontern - mit Billigangeboten.

NEU-DELHI/HAMBURG. Lang haben sie gezögert, doch jetzt kündigt ein Autokonzern nach dem anderen Modelle für den dynamischen indischen Markt an, verbunden mit vollmundigen Wachstumsversprechen. Die Hersteller aus Europa und USA bringen für deutsche Verhältnisse niedrigpreisige Kleinwagen auf den Markt, die den steigenden Bedarf der Inder nach bezahlbarer Mobilität decken sollen.

Europas Marktführer Volkswagen probt derzeit die Produktion einer Polo-Version in seiner neuen Fabrik im südindischen Pune, Ford bringt im kommenden Jahr den Kleinwagen Figo, General Motors (GM) ab Januar den Beat der Tochtermarke Chevrolet. Der Nachholbedarf für die Weltkonzerne ist groß. In Indien nehmen lokale Marken wie Maruti-Suzuki und Tata die Position von Herstellern für die mobilitätsdurstigen Massen ein. Hyundai aus Korea hat es bislang als einziger Ausländer geschafft, Boden gut zumachen.

"Der Markt ist anders strukturiert als viele andere Märkte. Indien ist ein Kleinst- und Kleinwagenmarkt. Das Land ist eine große Herausforderung für uns", sagte Christian Klingler, Vertriebschef der Marke Volkswagen, dem Handelsblatt. Die Deutschen fangen in Indien nahezu bei Null an. "Wir müssen die Marke VW dort erst aufbauen, im Vergleich zu anderen ist sie noch wenig bekannt", räumte Klingler ein.

Fast 600 Mio. Euro hat sich VW das Werk in Pune kosten lassen. Die Kapazität im Zweischichtbetrieb liegt bei bis zu 110 000 Fahrzeugen pro Jahr, bei Bedarf kann sie verdoppelt werden. Ein Werk zu bauen reicht aber nicht. Um den VW-Verkauf in Indien anzukurbeln, bedarf es entsprechender Vertriebsstrukturen. "Das Handelsnetz müssen wir als Basis erst entwickeln", sagte Klingler. "Dazu gehen wir in die Metropolen. Bislang haben wir rund 20 Händler. Wir brauchen aber deutlich mehr und wir sind kräftig dabei, das Händlernetz zu erweitern."

Konzernweit wollen die Deutschen in drei Jahren über 200 indische Händler verfügen, so der Plan von Volkswagens Indien-Chef Jörg Müller. Wie stark VW hinterherhinkt, zeigt der Vergleich mit GM: Der US-Hersteller hat bereits 195 Vertragshändler in Indien und will das Netz laut Indien-Geschäftsführer Karl Slym auf 250 ausbauen. Im Januar bringen die Amerikaner parallel zum VW Polo den Chevrolet Beat auf den Markt. Er soll Branchenkreisen zufolge umgerechnet ab 5 800 Euro erhältlich sein. Auch der Maruti Swift liegt in dieser Preisklasse, Ford hat für den neuen Figo ebenfalls einen Preis um 6 000 Euro im Visier - VW kann da nicht mithalten.

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