Autobranche
Deutsche Zulieferer profitieren von Japan-Katastrophe

Die Folgen der Katastrophe in Japan für die Autoindustrie schienen anfangs gewaltig zu sein. Doch während etwa Toyota sehr darunter leidet, haben deutsche Hersteller kaum Probleme. Deutsche Zulieferer profitieren sogar.
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Düsseldorf BMW hat die Teileversorgung laut Vertriebsvorstand Ian Robertson im Griff. Bislang habe es keine Schwierigkeiten durch die Katastrophe in Japan gegeben, sagte er der "Börsen-Zeitung". Robertson rechnet damit auch in den nächsten Wochen nicht, obwohl der Konzern in erheblichem Umfang Teile aus Japan einkauft und beispielsweise von Keihin beliefert wird, einem Hersteller von Motorsteuergeräten, Ansaugleitungen und Einspritzdüsen, den die auf die Autobranche spezialisierte Unternehmensberatung EFS als einen der Lieferanten mit potenziellen Problemen identifiziert hat. Bei Keihin stocke die Produktion wegen Schwierigkeiten von Vorlieferanten, die aber bald durch alternative Anbieter ersetzt werden könnten.

Die Münchener sind kein Einzelfall: Laut einer Analyse von EFS sind für die deutsche Automobilindustrie kaum nennenswerte Lieferengpässe entstanden. Das liegt auch daran, dass sie weniger abhängig von japanischen Zulieferern ist als ihre US-Rivalen.

Nach Ansicht der Wiener Unternehmensberatung wirken sich Produktionsprobleme bei Zulieferern in Japan für die deutschen Autobauer erst mit einer Verzögerung von sechs bis acht Wochen aus - genügend Zeit, um andere Lösungen zu organisieren. Bis dahin "wird es Ersatz zumindest für die kritischen Komponenten aus dem Elektronikbereich geben", sagt EFS-Chef Truls Thorstensen. Aus Japan beziehen die Deutschen vor allem Elektronikteile.

Sollten die Autokonzerne die Risiken als Folge der Katastrophe künftig stärker streuen und auf mehrere Zulieferer und Standorte setzen, würden die deutschen Zulieferer laut Thorstensen profitieren. "Sie können mit dem Argument Versorgungssicherheit für sich werben."

Allerdings ist er skeptisch, wie nachhaltig die Effekte sind. "Am Ende steht meistens der Teilepreis vor dem Risikobewusstsein." Thorstensen vergleicht die Auswirkungen von Fukushima für die Autobranche mit den Folgen der Immobilienkrise für die Finanzbranche, beides seien Wendepunkte.Doch zum Umsturz werden sie trotz "Überreaktionen und panikgetriebenen Aussagen, die so noch nie in der Autoindustrie zu hören waren" nicht führen, prognostiziert er. "Der anfänglichen Forderung nach mehr Transparenz und Regulation werden am Ende kleinere Korrekturen eines etablierten Systems folgen."

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„Die Just-in-Time-Produktion ist nicht tot“

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