Autobranche
Elektroauto: Fahrt ins Ungewisse

Die deutsche Industrie bereitet sich auf den flächendeckenden Einsatz von Elektroautos vor. Neben BMW und Daimler will nun auch der VW-Konzern seine Anstrengungen verstärken, stromgetriebene Autos in Großserie zu produzieren. Einige sehen große Chancen für die Branche, für andere ist das Elektroauto ein trojanisches Pferd.

MÜNCHEN/HAMBURG/STUTTGART. "Das alltagstaugliche, bezahlbare und sichere Elektroauto für alle ist machbar", sagt VW-Chef Martin Winterkorn am heutigen Freitag auf der Handelsblatt-Autotagung in München laut Redetext. "Wir müssen das Elektroauto aus der Öko-Nische ins Massensegment führen", sagt Winterkorn.

Ausgerechnet in der historisch schwersten Absatzkrise bereitet sich die deutsche Schlüsselbranche auf einen radikalen Strukturwandel vor. Denn während die Branche tief in die roten Zahlen fährt, müssen die Konzerne Milliardensummen für die Umstellung auf Hybrid- und Elektromotoren aufwenden. Es wird technisch und wirtschaftlich eine Fahrt ins Ungewisse. "Das Elektroauto markiert einen technologischen Umbruch, der die etablierten Geschäftsmodelle der Autoindustrie herausfordert", sagt etwa Karl-Thomas Neumann, Chef des Zulieferkonzerns Continental. Wie Winterkorn sieht er eine unumkehrbare Entwicklung. "Der Trend zur Nachhaltigkeit ist die treibende Kraft in der Autoindustrie", sagt der Continental-Chef.

Die Dynamik ist kaum abzuschätzen. "Weltweit rechnen wir 2015 mit einem Absatz von rund 500 000 Elektroautos. Sollen es mehr werden, so müssen wir die Performance dieser Fahrzeuge noch erheblich steigern", sagt etwa Bosch-Manager Bernd Bohr. Die Bundesregierung rechnet mit bis zu einer Mio. E-Autos in Deutschland bis 2020. Der Elektrokonzern Siemens hält bis zu fünf Mio. Elektroautos für in das deutsche Stromnetz für integrierbar. Für VW-Chef Winterkorn ist das zuviel Euphorie: "Wir erleben derzeit einen Elektro-Hype, und der führt zu falschen Erwartungen beim Kunden. Ich halte diese Entwicklung für gefährlich." ZF-Vorstandschef Hans-Georg Härter warnt: "Elektroautos werden sich über lange Zeit nur im niedrigen einstelligen Prozentbereich etablieren. Hauptanwendung wird das Stadtfahrzeug sein."

Noch ist wenig Massentaugliches verfügbar. BMW und Daimler testen mit dem Elektromini und dem Elektro-Smart Fahrverhalten und Kundenakzeptanz in Großversuchen. Die Schwachstellen sind offensichtlich. Die Batterien sind noch zu schwer, zu teuer und zu leistungsschwach. So bringt ein Mini E mit seinen 5 088 Batteriezellen 1,5 Tonnen auf die Waage, kann aber maximal 250 Kilometer weit fahren. Die Kosten für den Batteriesatz werden auf 20 000 Euro geschätzt, sie beschlagnahmen Rücksitzbank und Kofferraum. Zudem fehlt eine flächendeckende Infrastruktur, die eine größere Flotte von Elektroautos mit Stromtankstellen versorgt.

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