Autobranche
Ford-Krise trifft Zulieferer hart

Die geplanten drastischen Produktionskürzungen beim US-Autokonzern Ford haben weitreichende Konsequenzen für die Zuliefererbranche. Nach Ansichten von Analysten werden die Einschnitte tiefe Spuren in den Geschäftszahlen der Lieferanten hinterlassen – und gleichzeitig die Neuordnung der Branche weiter vorantreiben.

FRANKFURT. Nach Einschätzung der Investmentbank Credit Suisse werden die jüngsten Sparpläne der US-Autokonzerne tiefe Spuren in den Geschäftszahlen ihrer wichtigsten Lieferanten wie Visteon, TRW und Lear hinterlassen. Die massiven Einschnitte in der Fertigung könnten eine Serie von Gewinnwarnungen unter den Zulieferern auslösen und Lieferanten aus der zweiten und dritten Reihe sogar in den Bankrott treiben, warnten die Analysten. Die Ratingagentur Standard & Poor’s kündigte bereits an, die Kreditwürdigkeit von Visteon zu prüfen. Eine Herabstufung sei möglich.

Ford-Boss Bill Ford hatte Ende vergangener Woche für Nordamerika die stärksten Produktionskürzungen seit mehr als 20 Jahren verkündet. Im Schlussquartal 2006 soll die Fertigung in Nordamerika um 21 Prozent oder rund 168 000 Fahrzeuge gekappt werden. Der Konzern reagierte damit auf den anhaltenden Absatzschwund bei den Ford-Pickups und bei den mittleren und großen Geländewagen, der nach Ansicht von Analysten in diesem Jahr zu Milliardenverlusten führen dürfte. Die Investmentbank JP Morgan erwartet für den zweitgrößten US-Autobauer inzwischen für das laufende Jahr in Nordamerika bei Ford von einen Vorsteuerverlust von vier Mrd. Dollar und für 2007 in der Region rote Zahlen in Höhe von 1,9 bis 2,7 Mrd. Dollar.

Die deutschen Zulieferer lässt die Krise des zweitgrößten US-Autobauers allerdings weitgehend kalt. Die Pläne von Ford dürften den Ford-Zulieferer Continental kaum treffen, sagt Autoanalyst Rolf Woller von der Hypo-Vereinsbank. Die gute Profitabilität des Hannoveraner Reifenherstellers und Zulieferers Continental im ersten Halbjahr zeige, dass das Unternehmen andere sehr profitable Produkte habe. Auch den Stuttgarter Branchenprimus Bosch, der ebenfalls mit Ford Geschäfte macht, sehen Experten kaum betroffen. Ein Bosch-Sprecher sagte lediglich, es sei zu früh, um die Konsequenzen zu bewerten. Einzig der schwäbische Dichtungsspezialist Elring Klinger ist stärker von Ford abhängig. Bei der Erstausrüstung machen die Schwaben 25 Prozent des Umsatzes mit dem Kunden Ford.

Die Konsolidierung in der stark mittelständisch geprägten Branche beschleunigt sich damit weiter. Große Zulieferer wie der deutsche Reifen- und Autoteilehersteller Continental sind angesichts der begonnenen Marktbereinigung bereits auf Einkaufstour gegangen. Derzeit prüfen die Hannoveraner ein Kaufangebot für den US-Schlauchhersteller Goodyear Engineered Products. Conti-Chef Manfred Wennemer sprach im Mai von einer „wunderschönen Ergänzung“. Erst im April hatten die Hannoveraner die Autoelektroniksparte des US-Konzerns Motorola übernommen. Auch Bosch hatte erst jüngst den Audio-Spezialisten Telex Communications komplett erworben. Die Branche stellt sich damit komplett neu auf, da bisher führende US-Zulieferer wie Delphi und Collins & Aikman wegen der Krise der US-Hersteller GM und Ford in die Insolvenz gerutscht sind und sich nun von Unternehmensteilen trennen.

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