Autobranche
Ford: Sturm und Drang nach Asien

Der US-Autobauer Ford geht in die Offensive - vor allem in Asien. Dort hat Ford zwei große Wachstumsmärkte im Blick: China und Indien. Den indischen Markt will der Konzern jetzt mit einem eigens entwickelten Auto aufrollen: dem Figo. In Asien schaltet der Autobauer gleich noch einen Gang höher. Es geht um zwei der wichtigsten globalen Zukunftsmärkte

NEU DELHI. Nach 15 mageren Jahren in Indien will der US-Autokonzern Ford mit einem neuen Kleinwagen endlich in die Riege der Massenhersteller auf Asiens wachstumsstärkstem Markt neben China aufrücken. Ford-Chef Alan Mulally stellte das eigens für Indien entwickelte Modell Figo gestern in Neu-Delhi erstmals vor. Es soll ab dem ersten Quartal 2010 in Serienproduktion gehen und die erfolgreichen Kleinwagenmodelle der Marktführer Maruti Suzuki, Hyundai und Tata Motors herausfordern. Der Figo werde für Ford in Indien die Wende bringen, kündigte Mulally an.

Indien ist für die Autoindustrie einer der großen Hoffnungsträger, um das nachlassende Wachstum auf den angestammten Märkten in den Industrieländern auszugleichen. Branchenexperten rechnen damit, dass sich die Zahl der jährlich verkauften Pkw bis 2015 auf 2,4 Mio. Stück verdoppeln wird, davon 70 Prozent Kleinwagen. Auch Volkswagen, Toyota, Honda und Renault drängen deshalb in das bisher von ihnen vernachlässigte Segment und wollen ihren Marktanteil mit lokal produzierten Kleinwagen massiv ausbauen. "Der Wettbewerb wird in den nächsten Jahren knallhart", prophezeit Ravindra Chandra Bhargava, Indien-Chef des Marktführers Maruti Suzuki, der bisher jeden zweiten Pkw in Indien verkauft.

Wobei Indien nicht die einzige Hoffnung ist. Der US-Autokonzern will Branchenkreisen zufolge in China ein drittes Werk bauen. Ford arbeite dabei mit seinem chinesischen Partner Chongqing Changan Automobile zusammen und wolle die Pläne am Freitag bekanntgeben, hieß es in den Kreisen weiter. Das Werk soll demnach in der südwestlichen Stadt Chongqing entstehen und jährlich mindestens 150 000 Fahrzeuge produzieren. Ford hat bislang in der Volksrepublik eine Kapazität von 447 000 Stück. Der US-Konzern produziert in China unter anderem die Modelle "Focus" und "Fiesta". Das Riesenreich ist der Hoffnungsmarkt der schwer angeschlagenen Automobilbranche. Trotz der weltweiten Krise wird hier in diesem Jahr ein Wirtschaftswachstum bei acht Prozent erwartet.

Was Indien hingegen betrifft, so äußerte sich Ford-Chef Mulally dennoch zuversichtlich, dass der US-Autobauer mit dem neuen Figo im hart umkämpften Kleinwagensegment erfolgreich sein wird. Sein Preis werde sehr wettbewerbsfähig sein, sagte Mulally, nannte aber keine Zahlen. Der Figo-Konkurrent Maruti Swift ist ab umgerechnet 6 000 Euro zu haben. Der VW-Polo, der Anfang 2010 auf den indischen Markt kommt, soll indischen Branchenexperten zufolge mindestens 7 500 Euro kosten.

Bisher war Ford in Indien wenig erfolgreich. Obwohl seit 15 Jahren im Land, verkaufte der US-Konzern im vergangenen Geschäftsjahr bis März 2009 gerade Mal 25 000 Fahrzeuge der Modelle Ikon, Fiesta, Fusion und Endeavour. Das ist ein Marktanteil von zwei Prozent. Das Unternehmen schreibe in Indien rote Zahlen, räumte Ford-India-Chef Michael Boneham ein. Dass Ford erst so spät einen Kleinwagen auf dem Subkontinent anbietet, begründete Boneham mit dem Problem, ein Auto zu einem wirklich wettbewerbsfähigen Preis zu entwickeln. Erst unter Mulally, der den US-Autobauer seit drei Jahren leitet, sei der Kleinwagen zur Priorität geworden.

Ford machte keine Angaben zu den geplanten Verkaufszahlen für den Figo. Der einzige US-Autokonzern, der in den vergangenen Monaten nicht Konkurs anmelden musste, hat die Kapazität seines Werks im südindischen Chennai auf 200 000 Fahrzeuge pro Jahr verdoppelt. Dafür hat das Unternehmen 340 Mio. Euro investiert. 85 Prozent des Figo sollen aus in Indien hergestellten Teilen gefertigt werden. Für einen ausländischen Hersteller ist das ein sehr hoher Anteil, der erheblich Kosten spart. Er ist deutlich größer als etwa beim VW-Polo.

Ford will den Figo in Chennai nicht nur für Indien produzieren, sondern auch für den Export in andere Länder Asiens und Afrikas. Der Figo sei Teil des globalen Plattformkonzepts von Ford, sagte Mulally. Es sei deshalb denkbar, dass er eines Tages auch in Europa und den USA angeboten werde. Mulally rechnet damit, dass in 20 Jahren 60 Prozent aller weltweit verkauften Pkws Kleinwagen sein werden und ein Drittel der globalen Autonachfrage aus dem asiatisch-pazifischen Raum kommt. Indien werde deshalb für Ford zu einem maßgeblichen Produktions- und Entwicklungsstandort werden.

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