Autobranche
Fords Zulieferer zittern um ihr Leben

Die amerikanische Zuliefererindustrie steht vor harten Einschnitten. Der Autobauer Ford will die Zahl seiner Zulieferer drastisch reduzieren. Damit könnten viele Betriebe vor dem Aus stehen - und große Autohersteller wie Toyota oder Honda vor großen Problemen.

HB NEW YORK. Die Lage bei zahlreichen Autozulieferern spitzt sich insbesondere in den USA dramatisch zu. Die jüngste Ankündigung von Ford, sich bis Jahresende von 850 Autoteile-Herstellern zu trennen und damit sein Netz an Zulieferern annähernd zu halbieren, wirft ein neues Schlaglicht auf eine Branche, deren 600 000 US-Mitarbeiter vor historischen Einschnitten stehen. "Es gibt einfach zu viele Kapazitäten im System", sagte der Vize-Präsident von Fords Einkaufssparte, Tony Brown, vor Journalisten in Detroit. Ford müsse diese Überkapazitäten abbauen und wolle dabei sicherstellen, dass ausgewählte Zulieferer künftig profitabel wachsen könnten. Bisher kauft Ford jährlich Fahrzeugteile im Wert von 90 Mrd. Dollar ein.

Branchenexperten erwarten, dass im Zuge der Krise jede fünfte Firma aus einer Riege von etwa 1 700 Zulieferern noch im laufenden Jahr finanziell kollabieren könnte. Dabei ist eine deutlich höhere Anzahl kleinerer Firmen, die ebenfalls zur Wertschöpfungskette im Autobau beitragen, noch gar nicht berücksichtigt. Ford-Einkäufer Brown räumte ein, dass sich die Anzahl finanziell notleidender Zulieferer innerhalb eines Jahres etwa verdoppelt habe.

Sollten reihenweise Zulieferbetriebe zusammenbrechen, würde das auch für japanische und deutsche Hersteller gefährlich, die einen Großteil ihrer Fahrzeuge für den US-Markt vor Ort produzieren. Die Obama-Administration hat der notleidenden Zuliefer-Branche bereits vor Monaten fünf Mrd. Dollar Staatshilfe zur Verfügung gestellt, eine kürzlich angeforderte Kapitalspritze über weitere zehn Mrd. Dollar jedoch abgelehnt. Sollte ein Zulieferkollaps die Produktion der großen Autobauer zu stören beginnen, werde die US-Regierung aber gewiss noch einmal einschreiten, zeigte sich Ford-Manager Brown überzeugt.

Erst Anfang Januar hatte das Wall Street Journal (WSJ) berichtet, dass sich gleich mehrere Autozulieferer auf Insolvenzverfahren vorbereiten würden. Logische Folge: Große Zulieferer wie die einstige Ford-Tochter Visteon haben Berater engagiert, um nach Auswegen aus der Krise zu suchen. Erfolglos. Ende Mai hat der hoch verschuldete Automobilzulieferer Visteon für sein US-Geschäft Insolvenz beantragt. Die Tochtergesellschaften und Gemeinschaftsunternehmen außerhalb der Vereinigten Staaten sind nicht betroffen.

Schon Ende Januar war in einem Zeitungsbericht über eine mögliche Insolvenz von Visteon spekuliert worden. Im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen einen Verlust von 663 Mio. Dollar eingefahren und einen Umsatzrückgang auf 9,5 Mrd. Dollar hinnehmen müssen. Der Zulieferer stellt unter anderem Innenausstattungen, Scheinwerfer und Klimaanlagen her. Das Unternehmen ist in 27 Ländern aktiv und beschäftigt rund 31 000 Menschen.

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