Autobranche
Fußmatten kratzen am Toyota-Image

Es ist keine Rückrufaktion im klassischen Sinn, aber das Image ist dennoch angekratzt. Toyota hat in den USA Ärger mit Bodenmatten in Oberklassemodellen. Nach den umfangreichen Problemen am Jahresbeginn hat der weltgrößte Autohersteller also erneut ein Qualitätsproblem. Und das ausgerechnet jetzt.

TOKIO. Der weltgrößte Autohersteller Toyota hat in den USA Ärger mit Fußmatten in Oberklassemodellen. Nach einem bisher nicht aufgeklärten Autounfall gab das Unternehmen die Empfehlung heraus, am Fahrersitz vorerst auf das pflegeleichte Extra zu verzichten. „Wir raten unseren Kunden, die Fußmatte zu entfernen und nicht durch eine andere Fußmatte zu ersetzen“, sagte ein Sprecher in Tokio.

„Es handelt sich nicht um einen Rückruf, aber wir nehmen den Fall sehr, sehr ernst“, sagte er weiter. In Amerika war der Verdacht aufgekommen, dass sich eine von Kunden ausgelegte Matte verschoben und das Gaspedal blockiert haben könnte. Korrekt befestigtes Originalzubehör von Toyota gilt jedoch weiterhin als sicher.

Auch US-Behörden reagierten mit einem Sicherheitshinweis. „Wir empfehlen den Haltern der betreffenden Fahrzeuge dringend, Matten oder andere Gegenstände zu entfernen, die zu unbeabsichtigter Beschleunigung führen könnten“, teilte die National Highway Traffic Safety Administration mit. Wegen der großen Zahl von Modellen mit ähnlicher Anordnung von Fußmatte und Pedalen gilt die Sicherheitswarnung für 3,8 Mio. Fahrzeuge aus acht Typenreihen, darunter die Edelmodelle Prius und Lexus.

US-Zeitungen behandelten den Fall überwiegend wie einen echten Rückruf in die Werkstätten wegen eines defekten Teils am Auto. Ein Autoexperte in Tokio vermutete hinter der scharfen Reaktion der US-Öffentlichkeit eine Gegenbewegung, nachdem die Schwächen der nationalen Autoindustrie in den vergangenen Monaten so „gnadenlos zutage getreten sind, während alle nur noch die Japaner gelobt haben“.

Zu der von in den US-Medien verbreiteten Version vom Werkstattrückruf dürfte jedoch vor allem beigetragen haben, dass amerikanische Stellen ihre Sicherheitswarnung in der Kategorie eines „safety recall“ führen. „Das ist keine gute Werbung“, sagt Aktienexperte Yuuki Sakurai von Fukuoka Capital der Nachrichtenagentur Reuters. Zu den Kosten der Sicherheitswarnung machte Toyota keine Angaben, doch sie dürften deutlich unter einem richtigen Rückruf mit Belegung von Werkstätten und Einsatz von Ersatzteilen liegen.

Für den Fall unkontrollierter Beschleunigung empfiehlt Toyota, den Motor abzustellen und „die Bremsen zu benutzen, um kontrolliert am Fahrbahnrand anzuhalten“. Bei einem Unfall im vergangenen Monat hatte ein Autofahrer am Steuer vom Handy aus die Notrufnummer angerufen und der Rettungsstelle gesagt, sein Auto habe ohne sein Zutun auf 190 Kilometer pro Stunde beschleunigt. Kurz darauf hatte er einen tödlichen Zusammenstoß, bei dem auch drei Familienmitglieder starben. Er fuhr das Toyota-Oberklassemodell Lexus ES350.

Damit war ein Fall wieder eröffnet, der vor zwei Jahren bereits als abgeschlossen galt. US-Behörden waren dem gelegentlich auftretenden Phänomen einer unerwünschten Beschleunigung der japanischen Autos nachgegangen. Das Ergebnis lautete, dass vor allem die Fußmatten als Ursache in Frage kommen, wenn sie nicht wie vorgesehen an den an den im Boden verankerten Haken befestigt sind. Toyota rief damals schon Autos zurück und empfahl ausschließlich den Einsatz von richtig befestigtem Zubehör, das speziell für den jeweiligen Autotyp vorgesehen war.

Der Fall weist jedoch auch auf Probleme mit den Bedienelementen moderner Fahrzeuge hin. Statt eines Zündschlüssels sind immer mehr neue Autos mit einen Knopf für den Anlasser ausgestattet. Damit ist in kritischen Situationen nicht mehr ohne weiteres erkennbar, wie sich der Motor während der Fahrt stoppen lässt – bei Toyota etwa muss der Fahrer mindestens drei Sekunden auf den Taster drücken, um die Maschine während der Fahrt abzustellen. Gerade Toyota dürfte so eine Unfallursache ärgern – schließlich zögert der Hersteller eigentlich eher lange mit der Übernahme neuer Techniken, um die Zuverlässigkeit nicht zu gefähren.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking
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