Autobranche
Glos sorgt sich um Zukunft der Zulieferer

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) hält viele Autozulieferer und -händler für akut gefährdet. „In meinen Augen ist die Lage besorgniserregend“, sagte Glos nach einem mehrstündigen Krisentreffen mit Vertretern der Autoindustrie, der Zulieferer und der Händler in Berlin. Er rechne sehr bald mit Auswirkungen auf die Beschäftigungssituation, sagte Glos.

FRANKFURT/BERLIN. Zusätzliche Hilfen stellte der Minister nicht in Aussicht. Zunächst müsse die Wirkung der auf den Weg gebrachten Maßnahmen abgewartet werden.

Glos und der Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Matthias Wissmann, zeigten sich besorgt über den Rückzug von Kreditversicherern. Auch sei die Kreditvergabe durch Banken zögerlicher als erforderlich.

Der VDA gibt der Kreditpolitik der deutschen Banken eine Mitschuld an der Krise der Zulieferer. Denn trotz Rettungspaket der Bundesregierung und Leitzinssenkung der Europäischen Zentralbank: Von den finanziellen Erleichterungen, so der VDA, kommt bei den Unternehmen nichts an. Kleine und mittlere Zuliefererfirmen hätten erhebliche Schwierigkeiten, an frisches Geld zu gelangen. „Die Auswirkungen der Finanzmarktkrise auf die Zulieferindustrie werden immer dramatischer und gefährden Investitionen und Arbeitsplätze in Deutschland“, warnte Wissmann. Auch die Banken seien jetzt gefordert, die Kreditversorgung der Zulieferer sicherzustellen. Bankenpräsident Peter Müller lässt das jedoch nicht gelten. „Für den Mittelstand gibt es keine Probleme, an Kredite zu kommen“, wies Müller die Kritik zurück.

„Die zurückhaltende Kreditvergabe der Banken ist nur der Katalysator, nicht der Auslöser der Krise“, betonte Michael Seiffert von der Wirtschaftsauskunftei D&B Deutschland. Eine Studie der Auskunftei belegt, dass es bereits Anfang 2008 Frühwarnsignale für eine Bonitätsverschlechterung in der Branche gab. Die Kreditklemme beschleunigt den Ausleseprozess nun allerdings rapide. Die Kreditinstitute blicken im Schatten der Finanzkrise nun genauer auf die Risiken ihrer Kundschaft und verschärfen die Konditionen für neue Darlehen deutlich.

Einige schwächelnde Lieferanten fallen dadurch nun endgültig durch das Raster. Vor wenigen Tagen meldete Geiger Technologies in Garmisch-Partenkirchen, Hersteller spezieller Kunststoffteile zur Führung von Flüssigkeiten und Gas in Fahrzeugen, Insolvenz an – betroffen sind 900 Mitarbeiter. Beim niedersächsischen Autozulieferer Gimotive/Stankiewicz konnte gestern eine Insolvenz offenbar in letzter Minute abgewendet werden. Banken, Kunden und Lieferanten hätten sich darauf verständigt, ein Konzept zur Fortführung des Geschäftsbetriebs zu entwickeln, teilte das Unternehmen mit.

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