Autobranche
GM braucht für Opel-Entscheidung mehr Zeit

Gespannt dürften viele Opelaner heute auf die neuesten Meldungen aus Detroit geschaut haben. Schließlich hatte in der Nacht der Verwaltungsrat des Mutterkonzerns GM über die Zukunft der Rüsselsheimer beraten. Doch eine Entscheidung gab es noch nicht. Das Zittern geht weiter.

HB FRANKFURT. Der Verkauf von Opel wird immer mehr zur Hängepartie. Trotz des zunehmenden Drucks aus der deutschen Politik hat die ehemalige Mutter GM noch keine Entscheidung über die Zukunft des Rüsselsheimer Autobauers gefällt. Der nach der Insolvenz neu zusammengesetzte GM-Aufsichtsrat sei bei seiner konstituierenden Sitzung zwar über den Stand der Gespräche mit den beiden Bietern Magna und RHJ informiert worden, teilte GM am Dienstag mit. Dem Gremium sei allerdings keine Empfehlung für eine der beiden Offerten vorgelegt worden, da die Verhandlungen mit den Interessenten noch andauerten.

Besonders die Gespräche mit dem von der deutschen Politik bevorzugten Bieter Magna hatten sich zuletzt hingezogen, während die Verträge mit RHJ nach Angaben von GM praktisch unterschriftsreif sind. GM-Verhandlungsführer John Smith hatte zuletzt erklärt, Magna habe neue unerfüllbare Forderungen gestellt. Streitpunkt ist neben künftigen Lizenzzahlungen auch das zukunftsträchtige Russlandgeschäft.

Die Empfehlung des GM-Gremiums ist ein wichtiger Schritt in dem Verkaufprozess. Sie gilt als Entscheidungsgrundlage für die Beratungen im Beirat der Opel-Treuhand, der in dem Verkaufsprozess das letzte Wort hat. Er ist mit zwei Vertretern von GM und je einem Abgesandten von Bund und Ländern besetzt. Den Vorsitz führt der Präsident der amerikanischen Handelskammer in Deutschland, Fred Irwin. Die Treuhand hält 65 Prozent der Opel-Anteile, die restlichen 35 Prozent liegen bei GM.

Trotz der zähen Gespräche zeigte sich die Bundesregierung zuletzt optimistisch, zu einer Einigung zu kommen. Aus den Gesprächen mit GM hätten sich „ermutigende Signale“ ergeben, hatte der stellvertretende Regierungssprecher Klaus Vater zu Wochenbeginn erklärt. Für Dienstag waren Regierungskreisen zufolge weitere „trilaterale“ Gespräche mit Vertretern von GM, des Bundes und der Opel-Standortländer sowie von Magna und RHJ geplant.

Bund, Länder und die Opel-Belegschaft haben sich für ein Engagement von Magna ausgesprochen und zuletzt den Druck auf GM erhöht, zu einer Entscheidung zu kommen. Aus Sicht des US-Autobauers ist allerdings das Angebot von RHJ einfacher umzusetzen. Die Offerte von RHJ bleibe während der schwierigen Verhandlungen mit Magna „eine vernünftige und gangbare Option“, hatte GM-Manager Smith erklärt. Er will den Verkauf von Opel bis Ende September abschließen.

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