Autobranche: GM gibt Conti den Laufpass

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GM gibt Conti den Laufpass

General Motors hat einen der wichtigsten Batterieaufträge der Autoindustrie vergeben – nach Korea. Der Elektronikriese LG soll für den neuen Chevy Volt die Lithium-Ionen-Batterien liefern. Vor allem für ein Unternehmen ist das eine denkbar schlechte Nachricht: Continental.

HB DETROIT. Der deutsche Automobilzulieferer Continental hat im Rennen um den Batterieauftrag für das Elektroauto Chevy Volt der Opel-Mutter General Motors (GM) den Kürzeren gezogen. Der Energiespeicher werde zusammen mit dem südkoreanischen Technologiekonzern LG gebaut, kündigte GM-Chef Rick Wagoner am Montag auf der Autoshow in Detroit an.

Eine Sprecherin sagte, Conti bedaure die Entscheidung. Continental habe sich zusammen mit dem US-Unternehmen A123Systems um den Auftrag beworben. A123Systems hätte die Zellen geliefert, Conti die Elektronik. Das Batteriegeschäft gilt als wichtiges Wachstumssegment in der Automobilbranche.

Dafür werde bis Ende des Jahres eine Fabrik im US-Bundesstaat Michigan errichtet. Die Bauarbeiten sollen demnächst beginnen, die Produktion dann 2010 starten. „GM ist zurück im Batteriegeschäft. Es wird neue, grüne Jobs geben.“ Für GM ist das Elektroauto ein Hoffnungsträger. Neue Modelle sind dringend nötig, nachdem jahrelang auf große, spritfressende Trucks gesetzt worden war. In die Entwicklung seines Elektro-Programms hat General Motors bislang rund eine Milliarde Dollar gesteckt.

Rund um den Globus schließen sich momentan Autobauer mit branchenfremden Unternehmen zusammen, um an Elektroautos zu arbeiten. Erst jüngst hatten Daimler und der Industriekonzern Evonik ein Gemeinschaftsunternehmen für Lithium-Ionen-Batterien neuer Generation aufgesetzt. Wobei der Stuttgarter Hersteller erwägt, seine Lithium-Ionen-Batterien aus der im Dezember verkündeten Batterie-Allianz mit dem Industriekonzern Evonik auch weiterzuverkaufen. Für die eigene Modellpolitik haben die Autobauer zudem einiges vor.

Eigentlich stand der Wunschkandidat für das Joint Venture zur Entwicklung einer Autobatterie für Hybridfahrzeuge und Elektroautos schon fest - doch ein rigider Sparkurs hat die Chancen für Continental geschmälert. Evonik kümmert sich um die chemische Seite der leistungsstarken Energieträger auf Basis von Lithium-Ionen-Zellen, Conti könnte die sicherheitsrelevante Integration des Schwergewichts ins Fahrzeug übernehmen. Der Schulterschluss mit Daimler und Evonik wäre eine gute Lösung, sagen Conti-Manager. Das Problem liegt darin, dass Continental einen rigiden Sparkurs fahren muss. Der Absatzeinbruch in der Autobranche und fast elf Mrd. Euro Schulden aus dem Kauf des Konkurrenten VDO belasten.

Um den Auftrag von GM wiederum hatte sich auch der deutsche Automobilzulieferer Continental bemüht. Continental hat in Nürnberg mit der Serienproduktion von Lithium-Ionen-Batterien für Autos begonnen. Pro Jahr könnten in Nürnberg bis zu 15 000 Batterien hergestellt werden. Conti geht früheren Angaben zufolge davon aus, dass im Jahr 2012 weltweit rund zwei Millionen Autos mit Elektro- oder Hybrid-Antrieben auf den Straßen unterwegs sein werden.

Neben dem Chevy Volt setzt GM für seine Rettung große Hoffnungen auf den künftigen US-Präsidenten Barack Obama und einen möglichen „Auto-Zar“ als Regierungsexperten für die Branche. Die kommende US-Führung sehe die Lage der Autoindustrie etwas strategischer als die bisherige Regierung, sagte GM-Vizechef Bob Lutz auf der US-Automesse in Detroit. „Die demokratische Partei ist auch viel mehr um Arbeitsplätze besorgt."

Der in Washington geplante „Auto-Zar“ soll laut bisherigen Überlegungen die Gespräche der Regierung mit den notleidenden US- Autobauern GM, Ford Motor und Chrysler koordinieren und auch eine Art Chef- Kontrolleur sein. „Bis jetzt hatten wir noch nie einen Gesprächspartner in der Regierung“, sagte Lutz. Er setze daher große Hoffnungen in den „Auto-Zar“.

Der Automanager beklagte massiv eine mangelnde Solidarität verschiedener früherer US-Regierungen mit den amerikanischen Autobauern. „Einzig in den USA haben wir die Situation, dass wir seit 30 oder 40 Jahren von unserer eigenen Regierung absolut verhasst sind.“ Jedes andere Land bemühe sich um die Förderung der eigenen Autoindustrie.

Allerdings haben die mit enormen Verlusten kämpfenden Autobauer GM und Chrysler gerade erst staatliche Notkredite in Milliardenhöhe bekommen. Obama muss rasch nach seinem Amtsantritt am 20. Januar über diese Hilfen und womöglich weitere Darlehen entscheiden.

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