Autobranche
GM lässt Opel von der Leine

80 Jahre lang diese Ehe gedauert. Nun wird sie in gegenseitigen Einvernehmen geschieden: Der marode US-Autobauer General Motors überträgt seiner deutschen Tochter Opel die europäischen Fabriken, Rechte und Patente. Jetzt geht es darum, für Opel die Zukunftsfähigkeit zu sichern. Ab dem heutigen Tag wird für den Autobauer alles anders.

hz/rüd/HB FRANKFURT. Der US-Autokonzern General Motors (GM) hat sein Europa-Geschäft mit der Hauptmarke Opel rechtlich abgespalten. Die Unternehmenswerte wie die europäischen Werke, die Patente und der Zugriff auf Technologien sei auf die deutsche Tochter Adam Opel GmbH schuldenfrei überschrieben worden, teilte das Unternehmen am Stammsitz in Rüsselsheim mit.

Der Aufsichtsrat der Adam Opel GmbH habe in einer außerordentlichen Sitzung zudem dem Treuhand-Modell der Bundesregierung zugestimmt. Damit akzeptiert der Aufsichtsrat für eine Übergangszeit ein übergeordnetes Gremium aus Vertretern der Regierung und dem Eigentümer GM.

Mit dem juristischen Schritt ist Opel frei für einen neuen Investor und soll aus der möglichen GM-Insolenz in den USA herausgehalten werden. Die Bundesregierung hat gemeinsam mit den Ländern für Mittwochabend eine entscheidende Runde angesetzt, um den künftigen Investor festzulegen.

Am Abend will die Regierung bei einem Spitzentreffen dann die Weichen für die Zukunft von Opel stellen. Dabei geht es unter anderem um die Bewertung der Konzepte der Interessenten. Vize-Regierungssprecher Thomas Steg sagte allerdings, „heute kann und wird sicher nicht alles entschieden werden“. Es sei aber unwahrscheinlich, dass die künftigen Verhandlungen in Sachen Opel nur mit einem Investor geführt werden. Vielmehr dürften sie mit mindestens zweien geführt werden. Ergebnislos werde das Treffen aber nicht bleiben. Das gelte vor allem mit Blick auf die Treuhandlösung für Opel und für den damit verbundenen Überbrückungskredit für Opel. Hier sei die Regierung zuversichtlich, auch wenn es noch Probleme mit der US-Seite gebe.

Unmittelbar vor dem Spitzengespräch über die Zukunft von Opel hat Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg von überzogenen Erwartungen abgeraten. Für ein befriedigendes Ergebnis sei „noch erhebliches Entgegenkommen“ der potenziellen Investoren sowie der US-Regierung und des Mutterkonzerns General Motors nötig, sagte der CSU-Politiker am Mittwoch in Berlin. „Es ist nicht zwingend zu erwarten, dass eine Festlegung auf einen Investor am heutigen Abend erfolgt.“

Guttenberg fügte hinzu: „Gesucht wird weiter nach einer Lösung für Opel, wobei die Risiken für den Steuerzahler minimiert werden sollen.“ Dies gelte für eine Brückenfinanzierung ebenso wie für Staatsgarantien.

Offiziell geboten haben bisher der italienische Autobauer Fiat, der kanadisch-österreichische Autozulieferer Magna und der US-Finanzinvestor Ripplewood über seine europäische Tochter RHJ.

Am Dienstagabend hatte sich noch überraschend der chinesische Daimler-Partner Beijing Automotive Industry Corp (BAIC) eingeschaltet und Interesse bekundet. Wie die Nachrichtenagentur Reuters aus Finanzkreisen zitiert, sehe das Angebot Garantien für alle deutschen Standorte über zwei Jahre und, entgegen den anderen Konzepten, keinen Stellenabbau in Deutschland vor.

Das Angebot hat allerdings wohl wenig Aussicht auf Erfolg. „Ich glaube, dass das chinesische Angebot so spät gekommen ist, dass gar nicht mehr die Zeit besteht, es einem ähnlichen Abwägungs- und Verhandlungsprozess zu unterziehen wie die anderen drei Angebote“, sagte Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD).

Fiat-Chef Sergio Marchionne hatte bei Kanzlerin Angela Merkel (CDU) persönlich für sein Konzept geworben und damit auf Magna und RHJ offenbar Boden gutgemacht. Er hoffe, dass bei der Entscheidung wirtschaftliche Aspekte den Ausschlag gäben und nicht politische, sagte Marchionne, der noch bis Mittwoch in Berlin bleiben will. Aufsichtsratschef Luca Cordero di Montezemolo sagte in Rom, man alle Möglichkeiten ausgeschöpft. Marchionne „hat alles getan, was er kann und sollte“. Die Opel-Beschäftigten favorisieren dagegen Magna.

An dem Treffen am Abend im Kanzleramt nehmen neben Merkel und Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) auch die Regierungschefs der vier Bundesländer mit Opel-Standorten, GM-Europachef Carl-Peter Forster und ein Vertreter des US-Finanzministeriums teil. Bei den Gesprächen sollen zudem die Manager der Interessenten getrennt voneinander Rede und Antwort stehen.

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