Autobranche
GM legt Opels Expansion Fesseln an

Eine Betriebsversammlung ist gerade für Opel eigentlich nichts Äußergewöhnliches mehr. Es gab schließlich recht viele in den vergangenen Monaten. Aber die heutigen Versammlung war dann doch sehr speziell: Schließlich trat erstmals Magna-Chef Wolf auf um zu erklären, wie es mit Opel weitergehen soll - vor allem auf Märkten außerhalb Europas. Und da sieht es böse aus.

BERLIN/RÜSSELSHEIM. Der bisherige Mutterkonzern General Motors hat der abgetrennten Tochter Opel enge Grenzen bei deren Expansion ins Ausland gesteckt. Die beiden wichtigen Auslandsmärkte China und USA bleiben für den Autobauer vorerst tabu. Eine entsprechende Zusage habe der neue Opel-Investor Magna in den Verhandlungen dem insolventen US-Konzern gemacht, sagte Magna-Eigentümer Frank Stronach. "Die Vereinbarung mit GM verbietet uns Opel-Verkäufe in den USA." Dies gelte zunächst auch für China, wo Opel bislang von GM nur mit kleinem Händlernetz geduldet wurde.

GM legt Opel nach der Abkoppelung vom Mutterkonzern damit enge Fesseln für die geplante Expansion in Auslandsmärkte an. Die USA und China sind die beiden wichtigsten Pkw-Märkte der Welt und die bedeutensten Überseeregionen der deutschen Hersteller. Opel peilt nach Worten von Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz unter der Regie von Magna mittelfristig vor allem durch eine Expansion im Osten an, die Zahl der verkauften Autos von derzeit 1,46 Mio. auf rund zwei Mio. zu steigern. Die Sperre für USA und China könnte sich als ein Hemmschuh auf dem Weg zu den angestrebten Absatzzielen erweisen, befürchten Experten.

In Kanada darf Opel dagegen ab Oktober 2012 an den Start gehen, wie aus einem Papier für den Wirtschaftsauschuss des Bundestags hervorgeht, das dem Handelsblatt vorliegt. GM nimmt damit Opel weiter an die enge Leine. Denn auch für die Patentlizenzen von GM müssen die Rüsselsheimer in den kommenden Jahren noch tief in die Tasche greifen. Die Lizenzgebühren von derzeit fünf Prozent werden zwar bis 2015 reduziert - im Gegenzug musste Opel aber dem ehemaligen Mutterkonzern 2011 Vorzugsaktien im Wert von 200 Mio. Dollar mit einer Vorzugsdividende von neun Prozent ab 2013 und fünf Jahre später noch eine Barzahlung von 300 Mill. Dollar zusagen. "Insgesamt liegt damit nur eine Lastenverteilung in die Zukunft vor", heißt es in dem Bericht. Opel muss damit auch in den kommenden Jahren für GM noch in die Tasche greifen.

Tim Urquhart, Analyst des Brancheninstituts Global Insight, bewertet vor allem das Verbot für China als einen Rückschlag für Magna. "Opel könnte mit dem richtigen Joint-Venture-Partner potenziell eine erfolgreiche Marke in China sein", glaubt der Experte. Ein Markteintritt in den USA wäre dagegen auch ohne Verbot unwahrscheinlich gewesen.

Opel-Betriebsratschef Franz zeigte zwar Verständnis, dass GM Opel zunächst nicht in den USA dulde, weil das insolvente Unternehmen vier Marken "vom Netz nehmen und Zehntausende Arbeitsplätze" abbauen müsse. "Aber da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen", betonte Franz. Dasselbe gelte auch für Asien. "Die Marke Opel wird am Ende des Tages eine globale Marke sein auf allen Märkten in dieser Welt", sagte er. Das Thema müsse innerhalb der nächsten fünf Jahre auf den Tisch. Stronach sagte der Agentur Bloomberg zufolge, er könne sich eine Änderung der Abmachung vorstellen, wenn es für GM sinnvoll sei. "Ich glaube sehr, dass man einige Dinge immer ändern kann, wenn man mit einem guten Vorschlag kommt, der für alle sinnvoll ist."

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