Autobranche
Grammer strafft die Produktion

Der Autozulieferer Grammer kämpft um seine Einnahmen: Nach einer Gewinnwarnung greift Konzernchef Rolf-Dieter Kempis nun hart durch. Mit Stellenkürzungen und neuen Kunden soll das Unternehmen wieder auf Kurs gebracht werden. Dabei hat Grammer auch darunter zu leiden, dass sich die Verlagerung der Produktion kaum noch auszahlt.

MÜNCHEN. Ein hartes Sanierungspaket und neue Kunden sollen den bayerischen Autozulieferer Grammer wieder auf Kurs bringen. „Wir wollen bis Ende 2008 30 Millionen Euro einsparen“, sagte Grammer-Chef Rolf-Dieter Kempis im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Wir stehen im Automobilgeschäft massiv unter Druck, wir müssen reagieren“, fügte Kempis hinzu. Grammer hatte bereits in der vergangenen Woche angekündigt, von seinen weltweit 9 000 Stellen bis zu 700 streichen zu wollen, vorwiegend in Osteuropa.

Grammer ist Spezialist für Sitze für LKWs und Baumaschinen, Armlehnen und Kopfstützen. Zwei Drittel der zuletzt 880 Millionen Euro Umsatz machen die Oberpfälzer mit der Automobilindustrie. Erst Ende September verließ der Chef der Autosparte, Uwe Wöhner, überraschend das Unternehmen, Vorstandschef Kempis übernahm den Schlüsselbereich mit.

Jetzt räumt Kempis auf: Am vergangenen Freitag schreckte Grammer mit einer Gewinnwarnung, nachdem das Unternehmen noch Mitte August die Prognose für 2007 heraufgesetzt hatte. „Es war nötig, für Transparenz zu sorgen“, begründet der ehemalige Unternehmensberater den Schritt.

Die Probleme sind vielfältig. Zum einen drücken die Autohersteller auf den Preis, im Schnitt 2,5 Prozent pro Jahr, sagt Kempis. Die weiter stark steigenden Preise für Stahl und Kunststoffe könnten deshalb nur bedingt an die Autohersteller weitergegeben werden.

Grammer ist wie der Rest der Branche mit der Produktion nach Osteuropa ausgewichen. Lohnintensive Handarbeit wie das Nähen von Sitzbezügen lässt Grammer in den osteuropäischen Billigstandorten wie Serbien, Bulgarien und Russland ausführen. Die komplexeren Sitzsysteme werden in Tschechien und Polen produziert. Doch gerade dort steigen die Löhne schneller als in Deutschland, beide Länder werten zudem ihre Währungen gegenüber dem Euro auf. „Der relative Kostenvorteil dieser Länder geht immer mehr verloren“, klagt der Grammer-Chef.

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