Autobranche in der Krise
Auto-Gipfel berät über Staatshilfen

Die angeschlagene Autobranche kann auf staatliche Hilfe hoffen. EU-Industriekommissar Günter Verheugen kündigte an, heute mit Automanagern und Politikern über Stützungsmaßnahmen für die unter einbrechenden Verkaufszahlen leidende Branche zu beraten.

BRÜSSEL/FRANKFURT.Die angeschlagene Autobranche kann auf staatliche Hilfe hoffen. EU-Industriekommissar Günter Verheugen kündigte an, heute mit Automanagern und Politikern über Stützungsmaßnahmen für die unter einbrechenden Verkaufszahlen leidende Branche zu beraten.

Verheugen befürchtet wegen der Finanzkrise einen massiven Stellenabbau in der europäischen Autoindustrie: Die Branche benötige "sehr konkrete Hilfe". Die US-Regierung bereitet offenbar bereits einen Milliardenkredit für den angeschlagenen US-Autohersteller General Motors (GM) vor. Der Opel-Mutterkonzern könnte etwa fünf Mrd. Dollar vom Staat bekommen, heißt es.

Es sei ziemlich sicher, dass auch Europas Autokonzerne auf staatliche Hilfe zählen könnten, verlautete aus deutschen Regierungskreisen. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) sprach sich gestern abermals für zinsgünstige Kredite der Staatsbank KfW für Autokäufer aus. Damit könne der Kauf schadstoffärmerer Fahrzeuge gefördert und so die von der Finanzkrise getroffene Branche gestützt werden, sagte VDA-Chef Matthias Wissmann. Wirtschaftsminister Michael Glos erklärte, die Kfz-Steuer in Deutschland solle möglichst bald am CO2-Ausstoß der Fahrzeuge ausgerichtet werden.

Die Finanzkrise trifft die Branche derzeit mit voller Wucht. Zahlreiche Hersteller, darunter Daimler, Renault und Peugeot-Citroen, mussten bereits ihre Gewinnprognosen nach unten revidieren. Fast alle Autobauer kappten als Reaktion auf ausbleibende Käufer inzwischen deutlich die Produktion, teilweise stehen die Bänder für Wochen still. "2009 dürfte ein katastrophales Jahr für die Autoindustrie werden", sagt Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler.

Am härtesten trifft es die seit Jahren defizitären Konzerne in den USA, die angesichts dramatisch sinkender Fahrzeugverkäufe immer mehr Werke schließen und Mitarbeiter entlassen. So kündigte Chrysler bereits an, in den nächsten Wochen jede vierte Stelle in der Verwaltung zu streichen und damit weitere 5 000 Jobs abzubauen. Doch die Krise macht auch vor den europäischen Herstellern nicht Halt. Experten sehen in Europa Zehntausende Jobs auf der Kippe.

An dem Treffen in Brüssel sollen neben Chefs von Autoherstellern auch Verbände und Gewerkschaften sowie die Wirtschaftsminister der europäischen Auto-Nationen teilnehmen. Von deutscher Seite werden voraussichtlich Daimler-Boss Dieter Zetsche und Wirtschaftsstaatssekretär Jochen Homann in Brüssel vertreten sein.

EU-Kommissar Verheugen schlug steuerliche oder andere Anreize vor, um den Umstieg von Altautos mit hohem Kohlendioxidausstoß auf Neuwagen zu fördern. Wenn es Engpässe bei der Kreditversorgung geben sollte, könnte auch die Europäische Investitionsbank (EIB) helfen. Aus Kommissionskreisen hieß es, bei dem heutigen Treffen solle ein Maßnahmenkatalog vereinbart werden. Bevor er umgesetzt werden kann, müssen aber die Kommission beziehungsweise die betroffenen EU-Staaten zustimmen.

Allerdings gibt es auch Kritik an den Plänen. "Statt jetzt nach Staatshilfe zu rufen, sollten sich die Autohersteller hinsetzen und zukunftsfähige Produkte entwickeln, die den Anforderungen des Klimaschutzes gerecht werden", sagte Gerd Lottsiepen vom Verkehrsclub Deutschland (VCD).

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte jüngst erstmals Entgegenkommen für die Forderungen der Autoindustrie signalisiert. Der US-Kongress hatte bereits vor einigen Wochen ein 25 Mrd. Dollar schweres Kreditprogramm freigegeben, mit dem die Entwicklung umweltfreundlicherer Autos durch die US-Hersteller unterstützt werden soll. Der europäische Autoverband Acea hatte daraufhin, ein staatliches Kreditprogramm für die europäische Branche in der Größenordnung von 40 Mrd. Euro angeregt.

Die US-Regierung prüft nach Angaben aus mit dem Fall vertrauten Kreisen Finanzhilfen von bis zu zehn Mrd. Dollar für einen Zusammenschluss der angeschlagenen Autobauer General Motors und Chrysler. Eine Entscheidung könne bereits in dieser Woche fallen, hieß es. Das Geld käme aus dem zugesagten Paket für die Entwicklung sparsamerer Autos. Ein staatlicher Milliardenkredit könnte einen entscheidenden Schub für die laufenden Verhandlungen über eine Übernahme von Chrysler durch GM geben. Experten schätzen, dass ein fusionierter Konzern etwa zehn Mrd. Dollar für Werksschließungen, Entlassungen und die Zusammenführung einzelner Einheiten bräuchte. hz/huh

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