Autobranche
Koenigsegg legt sich Saab zu

Es ist vollbracht! Endlich - wird sich so mancher GM-Manager in Detroit denken. Der US-Autobauer ist seine Sorgentochter Saab nun auch offiziell los. Und sie bleibt in Schweden, denn der Käufer ist Koenigsegg. Und diese Verbindung mutet merkwürdig an, schließlich haben die beiden Autobauer außer dem Namen nicht viel gemeinsam.

STOCKHOLM. Nun ist es auch offiziell bestätigt: Der kleine schwedische Sportwagenhersteller Koenigsegg will zusammen mit amerikanischen und norwegischen Investoren den angeschlagenen Auto-Konzern Saab aus Schweden übernehmen. Teil der vorläufigen Einigung, die offiziell vom Saab-Mutterkonzern General Motors bekanntgegeben wurde, ist ein Kredit der Europäischen Investitionsbank (EIB) über 600 Mio. Dollar (432 Mio. Euro), für den die schwedische Regierung bürgen will. Ein Kaufpreis wurde nicht genannt.

Obwohl vieles weiterhin unklar ist, war die Erleichterung bei den rund 3500 Saab-Mitarbeitern in Trollhättan groß, dass nach monatelangem Warten möglicherweise eine Lösung für die Weiterführung der Traditionsmarke gefunden wurde. Auch die schwedische Regierung, die lange keine Bürgschaften für den schwer angeschlagenen Autobauer übernehmen wollte, zeigte sich optimistisch. „Es ist gut, dass die Eignerfrage jetzt etwas deutlicher geworden ist“, sagte Wirtschaftsministerin Maud Olofsson. Gleichzeitig gab sie zu, dass es sich bei dem Konsortium ein kompliziertes Eignerbild“ handelt, über das „wir nicht viel wissen“.

Tatsächlich ist der offizielle Käufer des seit Februar insolventen schwedischen PKW-Herstellers ein erst Ende Mai gebildetes Konsortium mit dem Namen Koenigsegg Group. Größter Aktionär ist das 1992 von dem schwedischen Geschäftsmann Christian von Koenigsegg gegründete Unternehmen Alpraaz. Es hält an dem neuen Konsortium 43,5 Prozent. 23,5 Prozent hält die Koenigsegg Automotive, die wiederum zu 49 Prozent dem norwegischen Unternehmen Eker Group gehört. Drittgrößter Aktionär ist mit 22 Prozent der amerikanische Geschäftsmann Mark Allan Bishop.

Vorstandsvorsitzender der Koenigsegg Group soll der amerikanische Millionär Augie K. Fabela werden, der zusammen mit russischen Geschäftspartnern vor 25 Jahren den russischen Telekom-Riesen Vimpelcom gründete und eventuell auch russisches Geld für Saab bereitstellt.

Die endgültige Übernahme soll bis Ende des dritten Quartals abgeschlossen sein. GM hat sich nach einer ersten Absichtsvereinbarung dazu verpflichtet, Saab auch noch in den kommenden Jahren mit wichtigen Komponenten zu versehen. Christian von Koenigsegg, Gründer des Sportwagenherstellers, betonte gestern, dass in der Öffentlichkeit ein falsches Bild über den Saab-Käufer entstanden sei. „Es handelt sich nicht um den kleinen Sportwagenhersteller Koenigsegg, der Saab aufkauft. Wir sind ein kapitalkräftiges Konsortium“, so der Gründer des Sportwagenherstellers, der seit Firmengründung vor 15 Jahren gerade einmal 70 Sportwagen weltweit verkauft hat.

Während Auto-Experten weiterhin bemängeln, dass über die eigentlichen Investoren zu wenig bekannt ist, lobten Zulieferer den Deal. „Eine solch gute Ausgangslage hat Saab seit 20 Jahren nicht mehr gehabt“, sagte Semcon-Chef Kjell Nilsson.

Saab hofft nach fast 20 verlustreichen Jahren, mit frischem Kapital bis 2011 wieder rentabel arbeiten und rund 150 000 PKW statt der im vergangenen Jahr nur 93 000 Wagen produzieren zu können. Wie schon seit Februar bekannt, soll auch der neue Saab 9-5 in Trollhättan und nicht, wie ursprünglich geplant, im Opel-Werk Rüsselsheim gebaut werden.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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