Autobranche
Korruptionsskandal weitet sich aus

Der Korruptionsskandal der Automobilbranche weitet sich aus. Offenbar ist auch der bayerische Zulieferer Dräxlmaier verwickelt. Außerdem wurde jetzt ein ehemaliger Seat-Einkäufer verhaftet.

HB FRANKFURT. „Die Ermittlungen gegen Dräxlmaier stehen kurz vor dem Abschluss“, sagte der Münchner Oberstaatsanwalt Anton Winkler nach Angaben der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. In dem Fall sei eine Anklage nach Aktenlage sehr wahrscheinlich. Das Unternehmen soll nach dem Zeitungsbericht einen BMW-Einkäufer mit sechsstelligen Summen bestochen haben, um an Aufträge zu kommen. Die Dräxlmaier-Gruppe habe die Ermittlungen bestätigt, wolle sich aber zu den konkreten Vorwürfen nicht äußern. Nach den Worten einer Konzernsprecherin handele es sich um das Fehlverhalten eines einzelnen Angestellten, der sofort von seinen Aufgaben entbunden worden sei. Die Dräxlmaier-Gruppe sei 1958 gegründet worden und beschäftige heute weltweit 28 000 Mitarbeiter, davon 5 500 in Deutschland. Neben BMW beliefere sie Kunden wie Daimler-Chrysler, Porsche, Volkswagen und Toyota, schreibt die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“. Zu den fünf in die BMW-Affäre verwickelten Firmen gehören Branchenkreisen zufolge außerdem der Autositzehersteller Grammer, die deutsche Tochterfirma des US-Zulieferers Lear und eine Tochter der österreichisch-kanadischen Magna Steyr.

Der Volkswagen-Konzern leidet unterdessen weiter unter der Korruptionsaffäre um den französischen Autozulieferer Faurecia. Offenbar ist ein vierter Volkswagen-Manager verstrickt. Eine VW-Sprecherin bestätigte am Samstag, dass ein früherer Einkäufer der spanischen Volkswagen-Tochter Seat nach Angaben der Staatsanwaltschaft am Dienstagabend auf dem Frankfurter Flughafen verhaftet wurde und seither in Untersuchungshaft sitzt. Laut einem Bericht der „Frankfurter Rundschau“ hat er zwischen Oktober 2002 und April 2005 rund 160 000 Euro dafür bekommen, dass er Faurecia bei der Auftragsvergabe bevorzugt hat.

Bisher waren unter den 20 Verdächtigen zwei Einkaufsmanager von VW und einer der Ingolstädter Tochter Audi in das Visier der Ermittler geraten. Der nun verhaftete Seat-Manager habe bereits vor zwei Jahren von der Beschaffungsabteilung in das „Modellreihen-Programm“ gewechselt, sagte die VW-Sprecherin. Unmittelbar nach seiner Verhaftung sei er freigestellt worden. Bis dahin sei VW von den Behörden gebeten worden stillzuhalten, um die verdeckt geführten Ermittlungen nicht zu gefährden. Über die Affäre war am Mittwoch Faurecia-Chef Pierre Levi gestolpert, der nach Angaben der Staatsanwaltschaft gestanden hat, seit 2001 von der Bestechungspraxis gewusst zu haben. In die Affäre sind insgesamt zehn Automobilzulieferer verwickelt, gegen fünf davon ermittelt die Staatsanwaltschaft München seit einem Jahr im Zusammenhang mit einem Korruptionsverdacht bei BMW. Letztere Ermittlungen würden demnächst abgeschlossen, sagte Oberstaatsanwalt Winkler. „Über eine Anklage ist noch nicht entschieden“, fügte er hinzu.

Angesichts der jüngsten Bestechungsskandale in der Autobranche forderten Experten ein härteres Vorgehen der Justiz. Der Leiter der Forschungsstelle Automobilwirtschaft in Bamberg, Wolfgang Meinig, sieht ebenso wie die ermittelnde Staatsanwaltschaft Parallelen zur Bauwirtschaft und zum Sport. „Die Strukturen in der Autoindustrie sind so korrupt wie im Bausektor. Die Justiz muss wie im Sport energischer eingreifen“, sagte er dem Berliner „Tagesspiegel“. Dieser Forderung schloss sich auch der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME), Holger Hildebrandt, an. „Die Justiz muss mit aller Härte des Gesetzes durchgreifen“, sagte er der Zeitung. Nach Ansicht Meinigs tragen die Autohersteller eine Mitverantwortung für die Korruption, weil sie einen enormen Preisdruck auf die Zulieferer ausübten. Zwar seien die Umsatzrenditen häufig besser als die der Autohersteller, doch hätten die Konzerne die größere Marktmacht. Sobald ein Zulieferer gute Geschäftszahlen veröffentliche, seien „die Hersteller zur Stelle, um die Preise zu drücken“, sagte Meinig.

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