Autobranche
Krise bei GM: Präsident Bush hat keine Eile

Nach dem Scheitern des Rettungspakets für die US-Autobauer liegt der Ball nun beim Weißen Haus. Das will sich nun aber nicht unter Druck setzen lassen – auch wenn sich die Lage bei General Motors drastisch verschärft hat. Und: Noch ist keineswegs sicher, dass Präsident Bush für die Autokonzerne in die Bresche springen wird. Die Regierung prüft alle Optionen.

HB NEW YORK/BERLIN. Das Weiße Haus prüft mehrere Optionen für eine Unterstützung der von Insolvenz bedrohten Automobilkonzerne. Die Opel-Mutter General Motors und Chrysler haben erklärt, dass sie ohne staatliche Finanzhilfe innerhalb der nächsten Wochen zahlungsunfähig werden könnten. Regierungssprecher Tony Fratto sagte in Washington, Experten der Regierung seien dabei, betriebswirtschaftliche Daten der Unternehmen zu prüfen. Bisher seien noch keine Entscheidungen getroffen worden. Im Interesse der Steuerzahler und der Wirtschaft lasse sich die Regierung die erforderliche Zeit, um eine sinnvolle Lösung herbeizuführen.

Nach dem Scheitern eines Kreditpakets über 14 Mrd. Dollar im Kongress wird es für möglich gehalten, Mittel aus dem 700-Milliarden-Rettungspaket (TARP) für die Banken zugunsten der Automobilindustrie abzuzweigen. Eine andere Möglichkeit könnten Krediten der Zentralbank sein. Beobachter halten es aber auch für möglich, dass die Regierung einen Bankrott der Autokonzerne in Kauf nehmen könnte, falls gewährleistet ist, dass dieser geordnet verläuft.

Indes kürzt GM seine Produktion um weitere 250 000 Fahrzeuge. Damit werde der Ausstoß im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 60 Prozent sinken. Der Schritt sei die Konsequenz aus der kollabierten Nachfrage auf dem Heimatmarkt. Bereits Anfang Dezember hatte der ehemals größte Autokonzern der Welt angekündigt, seine Produktion in dem Vierteljahr um 285 000 Fahrzeuge gegenüber dem Vorjahr zu drosseln und nur noch 600 000 Autos vom Band laufen zu lassen. Das Fabrikvolumen falle damit in Nordamerika in den ersten drei Monaten 2009 zeitweise um 30 Prozent, erklärte GM weiter.

Mit den neuen Einschnitten baut die einstige Nummer Eins der Branche weniger Autos als der Rivale Ford, der bislang bei den Verkaufszahlen in den USA hinter GM und Branchenführer Toyota auf Platz drei liegt. Auch Chrysler-Chef Bob Nardelli sagte, sein Unternehmen werde weiter Kosten senken, um wieder profitabel zu werden. Details zu möglichen Sparplänen nannte er nicht.

Derweil werden die Verhandlungen über Regierungshilfe immer konkreter. GM-CEO Rick Wagoner telefonierte in der Nacht zum Samstag mit dem Stabschef des Weißen Haus, Joshua Bolten, sowie US-Finanzminister Henry Paulson. Bei den Gesprächen ging es mit den Inhalten vertrauten Personen zufolge um kurzfristige Finanzspritzen, die den Autobauer zahlungsfähig halten sollen.

Das „Wall Street Journal“ berichtete, GM und der kleinere Konkurrent Chrysler schuldeten ihren Zulieferern neun Mrd. Dollar. Die Rechnungen würden in den kommenden Wochen fällig, schreibt die Zeitung. Das Blatt machte keine Angaben darüber, wie sich die Summe auf die Unternehmen verteilt. Die Zulieferer-Rechnungen dürften damit eine der größten aktuellen Belastungen für die schwer angeschlagenen US-Autobauer sein. Es ist wenig wahrscheinlich, dass sie diese Summe ohne staatliche Hilfe bezahlen können.

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