Autobranche
Magna bezirzt GM-Chefs in Detroit

Im Bieterwettbewerb um Opel ist der von Bund und Ländern favorisierte Zulieferer Magna der angestrebten Übernahme einen Schritt näher gekommen. Kurz vor der für Freitag erwarteten Vorentscheidung des Autokonzerns gingen die Führungscrew des Zulieferers und GM-Boss Fritz Henderson bei einem Spitzentreffen in Detroit aufeinander zu.

hz/ink/pm FRANKFURT/BERLIN. Das Treffen, an dem erstmals auch der Chef des russischen Magna-Partners Sberbank, German Gref, teilnahm, kann aber noch nicht als vorzeitige Richtungsentscheidung gewertet werden. "Es ist zwar ein gutes Zeichen, dass GM Magna auf höchster Ebene empfängt", sagte ein Insider. Laut Verhandlungskreisen hatte sich Henderson tags zuvor aber auch mit dem Verhandlungsführer des Magna-Konkurrenten RHJ International, Gerd Häusler, getroffen.

General Motors hält sich damit das Rennen um Opel bis zum Schluss offen. Heute will der Verwaltungsrat des US-Konzerns über die Angebote der beiden Interessenten für Opel beraten. Angestrebt sei, anschließend eine Empfehlung auszusprechen, hieß es. In Kreisen der deutschen Opel-Taskforce wurde betont, dass GM noch keine Präferenz habe erkennen lassen. Doch GM weiß, dass es bei einer Entscheidung nur noch zwei Optionen hat: Entweder legt sich der Hersteller auf Magna fest - oder er sucht die Konfrontation mit Berlin.

Die deutsche Seite glaubt, dass GM eine ausreichende Grundlage für eine Entscheidung pro Magna habe. Die Opel-Treuhand, die das letzte Wort beim Verkauf hat, soll dann Montag oder Dienstag nächster Woche über den Vorschlag beraten, hieß es in Verhandlungskreisen. Neben Magna ist nur noch der Finanzinvestor RHJ International im Rennen um Opel.

Das Treffen zwischen Magna und GM sei atmosphärischer Natur gewesen, Verhandlungen seien keine mehr geführt worden, hieß es. Sprecher von GM, Magna und RHJ wollten die Informationen nicht kommentieren. Bund und Länder pochen darauf, dass sich auch GM noch stärker an den Risiken der neuen Opel-Gesellschaft beteiligt. An dieser Forderung werde eine Vorentscheidung aber wohl nicht scheitern, hieß es. Die IG Metall dringt auf eine rasche Lösung. "Wenn die Marke und das Unternehmen Opel nicht beschädigt werden soll, dann muss es jetzt eine Empfehlung von GM geben, sagte IG-Metall-Bezirksleiter Armin Schild dem Handelsblatt.

Bund und Länder bauten dem von ihnen favorisierten Bieter Magna bereits eine goldene Brücke. Beide wollen den von Magna beantragten staatlich garantierten Kredit für einen Opel-Einstieg zunächst allein stemmen - und nicht, wie vorgesehen, gemeinsam mit anderen europäischen Opel-Ländern. Deren Regierungen sollten aber später eingebunden werden, betonte ein Regierungssprecher. Mit dem Alleingang will Deutschland offenbar einem zeitaufwendigen Abstimmungsprozess in Europa vorbeugen und RHJ ausbremsen: Das Angebot aus Deutschland gilt nur für einen Einstieg von Magna. Bei RHJ stelle sich diese Frage nicht, sagte der Staatssekretär des Wirtschaftsministeriums, Jochen Homann.

Eine Empfehlung von GM gilt als eine wichtige Weichenstellung in dem seit Monaten andauernden Bieterstreit. Beide Interessenten haben dem Konzern Offerten vorgelegt, die sie als unterschriftsreif bezeichnen. Die deutsche Seite macht sich für einen Zuschlag für Magna stark. GM-Verhandlungschef John Smith hatte jüngst allerdings noch einmal ausdrücklich die Offerte des Konkurrenten RHJ als "attraktiv" bezeichnet.

Magna hatte nach zähen Verhandlungen vergangene Woche ein neues Angebot für Opel vorgelegt und darin nach eigener Darstellung alle strittigen Punkte ausgeräumt. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat aus ihrer Präferenz für Magna keinen Hehl gemacht. Da jeder Opel-Verkauf von der Opel-Treuhand abgesegnet werden muss, in der Deutsche und Amerikaner das gleiche Stimmrecht haben, besteht ein Zwang zum Konsens. Formell ist es jedoch allein Sache von GM, die Angebote der Interessenten zu bewerten. Mit der Treuhand werde es keinen Interessenskonflikt geben, heißt es in Opel-Taskforce-Kreisen. Ganz praktisch könne die Treuhand auch nur die Verkaufsentscheidung unterstützen, die die finanzielle Unterstützung Deutschlands hätten.

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