Autobranche
Magna legt erstes Grobkonzept für Opel vor

Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) steht einem möglichen Engagement des österreichisch-kanadischen Magna-Konzerns beim angeschlagenen Autobauer Opel aufgeschlossen gegenüber. Zu Guttenberg sagte nach einem Treffen mit dem Magna-Management, das Unternehmen habe „ein erstes interessantes Grobkonzent vorgelegt“. Damit ist das Rennen zwischen Fiat und Magna wieder offen.

BERLIN. In Verhandlungskreisen hieß es, Magna strebe ein Drei-Säulen-Modell an: Das Unternehmen selbst wolle eine „namhafte Minderheitsbeteiligung“ übernehmen und setze darauf, dass der Opel-Mutterkonzern GM mit einem Anteil von knapp 50 Prozent im Boot bleibe. Ein Anteil von rund 30 Prozent sei für den russischen Investor Oleg Deripaska vorgesehen, hieß es weiter. Der Russe soll möglicherweise den Vertrieb in Russland stärken.

Deripaska ist Eigentümer des russischen Autobauers Gaz, der allerdings einen Einstieg bei Opel in der vergangenen Woche noch scharf dementiert hat. Gaz gilt derzeit selbst als kompletter Sanierungsfall und muss tausende Arbeitsplätze abbauen. Aus russischen Regierungskreisen heißt es, der Autokonzern, dessen Schwerpunkt vor allem beim Bau von leichten Transportfahrzeugen liegt, sei bankrott. Über mögliche Rettungspläne bestehe noch kein Konsens, „auch nicht darüber, welche Rolle Herr Deripaska dabei in Zukunft überhaupt noch spielen wird“.

Magna besteht den Informationen zufolge darauf, vollen Zugang zu den Patenten zu bekommen, die Opel an GM abgeben musste. Außerdem will Magna dem Vernehmen nach die britische Marke Vauxhall nur übernehmen, wenn sich dies nachhaltig rechnet. Vauxhall ist mit erheblichen Pensionsrückstellungen belastet.

In den vergangenen Wochen wurde spekuliert, zu Guttenberg favorisiere den Fiat-Konzern als Investor. Fiat-Chef Sergio Marchionne hatte dem Minister bereits Ende vorvergangener Woche in Berlin erste Pläne für einen Einstieg bei Opel erläutert. Zu Guttenberg selbst hatte allerdings die öffentliche Festlegung auf einen bestimmten Interessenten stets vermieden. Nun kritisierte er seinen Kabinettskollegen Frank-Walter Steinmeier (SPD), ohne ihn namentlich zu benennen: Wer in dieser frühen Phase der Verhandlungen seine Sympathie verteile und über einzelne Interessenten spekuliere, schade dem Prozess der Investorensuche und damit Opel, sagte der Wirtschaftsminister.

Zeitungsberichten zufolge spricht sich Steinmeier für einen Einstieg von Magna aus. Der Außenminister habe bereits mehrfach mit Magna-Europachef Siegfried Wolf und dem Magna-Aufsichtsrat und früheren österreichischen Bundeskanzler Franz Vranitzky gesprochen, heißt es. Auch der Opel-Betriebsrat sieht den Autobauer bei Magna besser aufgehoben als bei Fiat. Betriebsratschef Klaus Franz hatte nach dem Bekanntwerden der Fiat-Offerte Widerstand gegen einen Einstieg der Italiener angekündigt. Er fürchtet einen massiven Abbau von Arbeitsplätzen und Werkschließungen, wenn Fiat einsteigen sollte. Die Märkte und Modellpaletten beider Hersteller weisen große Überschneidungen auf. Fiat reagierte darauf bereits und kündigte an, man werde alle vier Opel-Standorte in Deutschland erhalten.

Zu Guttenberg sagte, es gehe nun darum, dass die Konzepte von Fiat und Magna mit Zahlen und Fakten unterlegt würden. Er kritisierte, der Opel-Mutterkonzern General Motors (GM) habe das dazu erforderliche Material noch immer nicht auf den Tisch gelegt. Es sei für die Bundesregierung und für potenzielle Interessenten gleichermaßen ermüdend, wenn man Monate auf die erforderlichen Daten warten müsse.

Spekulationen, Fiat und Magna könnten eventuell gemeinsam bei Opel einsteigen, wies zu Guttenberg zurück. Die Konzepte der beiden Unternehmen seien so unterschiedlich, dass dies kaum vorstellbar sei. In den Konzepten beider Unternehmen spiele das Thema Standortsicherung eine große Rolle, sagte der Minister. Details zu den Plänen Magnas nannte er nicht.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent
Mark C. Schneider
Mark C. Schneider
Handelsblatt / Redakteur
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%