Autobranche
Magna verliert wichtigen Auftrag von Chrysler

Viele Autobauer haben Magna gewarnt: Falls der Autozulieferer Opel übernehme und damit selbst zum Hersteller werde, würde man genau aufpassen, wie man mit Magna als Kunden umgehe. Heute ging Magna der erste Auftrag seit dem Opel-Deal verloren: Chrysler will nicht mehr mit Magna zusammenarbeiten.

FRANKFURT. Der Autozulieferer Magna hat nach der Grundsatzeinigung auf eine Übernahme von Opel einen ersten Auftrag verloren. Fiat will den Auftrag zum Bau von Fahrzeugen seiner Beteiligung Chrysler in Europa beim austro-kanadischen Zulieferer nicht verlängern. Die Produktion solle statt dessen in ein ehemaliges Werk des Karrosseriefertigers Bertone in Italien verlagert werden, das Fiat im August ersteigert hatte, sagte Fiat-Chef Sergio Marchionne dem "Wall Street Journal". Ein Sprecher von Magna wollte den Schritt nicht kommentieren. Magna hatte im ersten Halbjahr laut Halbjahresbericht 1075 Chrysler-Modelle für die Amerikaner produziert.

Nach monatelangem Gezerre zwischen Deutschland und den USA hatte der GM-Verwaltungsrat Anfang September grundsätzlich entschieden, 55 Prozent von Opel an Magna und dessen russischen Partner Sberbank abzugeben. Wichtige Magna-Kunden hatten daraufhin angekündigt, ihre Geschäftsbeziehungen mit dem Zulieferer auf den Prüfstand zu stellen. So wollen sowohl der Volkswagen-Konzern als auch BMW ihre Zusammenarbeit mit Magna überdenken.

Der Zulieferer soll für Porsche künftig den Sportwagen Boxster und Caymen produzieren und für die Münchener den geplanten Mini-Crossover, der intern den Namen Colorado trägt. Entschieden haben die beiden großen deutschen Hersteller aber noch nichts. Fiat, das sich selbst vergeblich um den Kauf von Opel bemüht hat, ist dagegen der erste Großkunde, der Fakten schafft.

Magna montiert derzeit für Chrysler die Mittelklasse-Limousine 300C und den Jeep Cherokee für den europäischen Markt. Marchionne hatte bereits jüngst angekündigt, dass Fiat künftig Chrysler-Modelle in Italien fertigen wolle und stärker die Kontrolle über die Fertigung des US-Hersteller übernehmen werde, an dem die Italiener seit Juni 20 Prozent halten. Es ist deshalb unklar, ob der Auftragsentzug direkt mit dem Zuschlag für Opel zusammenhängt oder ob Fiat nicht in erster Linie seine Überkapazitäten in Italien besser auslasten möchte.

Das Ex-Bertone-Werk in Italien, in dem die Chrysler-Modelle nun gebaut werden sollen, hat eine Kapazität von 70.000 Fahrzeugen. Die geplante Übernahme des insolventen Karrosserieschneiders Bertone durch Fiat soll heute vorläufig vertraglich fixiert werden, hieß es. Chrysler hat in Europa, seinem größten Markt außerhalb Nordamerikas, in den ersten acht Monaten des Jahres nur rund 37.000 Fahrzeuge verkauft.

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