Autobranche
Neue Hürden für Schwedens Autohersteller

Die Zukunft des schwedischen Autoherstellers Saab ist weiter ungewiss. Zwar erhielt der Konzern jetzt eine dicke Finanzspritze von der Europäischen Investitionsbank. Doch die EU-Kommission muss dem Kredit noch zustimmen. Und es gibt weitere Hürden zu überwinden.

STOCKHOLM. Eigentlich sollte der gestrige 21. Oktober für den kleinen schwedischen Autohersteller Saab zum Schicksalstag werden. Doch auch nachdem die Europäische Investitionsbank (EIB) gestern einen Kredit über 400 Mio. Euro für das angeschlagene Unternehmen genehmigte, steht die Zukunft der Kultmarke in den Sternen: Zwar war der EIB-Kredit eine Voraussetzung für das Überleben von Saab, eine Garantie dafür ist er jedoch nicht. Denn noch gibt es weitere Hürden zu überwinden, bis das Fortbestehen der ehemaligen General Motors-Tochter gesichert ist.

Zunächst muss die EU-Kommission entscheiden, ob der Kredit nicht gegen die Regeln staatlicher Unterstützung verstößt. Da in der EIB auch ein Vertreter der Kommission sitzt, rechnen Experten mit grünem Licht aus Brüssel. Allerdings kann die Entscheidung noch mehrere Monate dauern. Auch die schwedische Regierung muss noch eine Kreditgarantie abgeben. Das allerdings wird in Schweden nur noch als Formsache angesehen, obwohl der verantwortliche Staatssekretär in einer Stellungnahme nach der EIB-Entscheidung betonte, dass "zunächst die EU-Kommission die Bedingungen des EIB-Kredits genehmigen muss".

Viel wichtiger ist es für Saab, die Eigentumsverhältnisse und interne Finanzierung zu klären. Bislang ist nur bekannt, dass der winzige schwedische Sportwagenbauer Koenigsegg zusammen mit amerikanischen Investoren rund 720 Mio. Kronen (69,8 Mio. Euro) in Saab investieren wird. Zusätzlich will der fünftgrößte chinesische Autohersteller, Beijing Automotive Industry Corporation (BAIC), mit etwa drei Mrd. Kronen einsteigen. Genaue Einzelheiten über das chinesische Engagement sind aber noch nicht bekannt.

Saab steht seit Februar dieses Jahres zum Verkauf. Das Unternehmen hatte seit der Übernahme durch GM 1990 mit zwei Ausnahmen jedes Jahr ausschließlich rote Zahlen nach Detroit geliefert.

Auch die Rettung für einen weiteren schwedischen Autohersteller zieht sich in die Länge. Die Übernahme des zweiten schwedischen PKW-Herstellers Volvo durch den chinesischen Konkurrenten Geely stockt. Vertreter des Volvo-Mutterkonzerns Ford und von Geely können sich nach Medienberichten nicht über den Schutz von Technologien und Know How einigen. Möglicherweise erwäge Ford sogar, Volvo zu behalten. Die Unternehmen wollten die Berichte nicht kommentieren.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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