Autobranche
Opel: GM ignoriert Fiat und BAIC

Die Übernahme von Opel durch Magna läuft zwar auf Hochtouren, in trockenen Tüchern ist sie aber noch lange nicht. Fiat und der chinesische Autobauer BAIC buhlen daher weiter um Opel. Am Ende entscheidet aber GM. Die der US-Autobauer hat klare Vorstellungen.

HB FRANKFURT/BERLIN/TURIN. General Motors zeigt den Opel-Interessenten Fiat und BAIC die kalte Schulter. Obwohl sich beide Unternehmen weiterhin Hoffnungen auf einen Einstieg bei dem Rüsselsheimer Autobauer machen, hält GM an der Vereinbarung mit dem österreichisch-kanadischen Zulieferer Magna fest. Sowohl GM als auch Magna seien "fest entschlossen", bis Juli eine endgültige Einigung über den geplanten Einstieg zu finden und den Verkauf bis September über die Bühne zu bringen, teilte GM-Europa-Chef Carl-Peter Forster am Freitag mit. "Aber auf dem Weg dorthin liegt viel Arbeit vor uns und es könnte noch viel passieren", räumte er ein.

Genährt wird die Hoffnung in China und Italien, bei Opel doch noch zum Zug zu kommen, auch von der Bundesregierung selbst. Solange mit Magna kein endgültiger Vertrag unterschrieben sei, gebe es die theoretische Möglichkeit, dass andere Interessenten noch verbesserte Angebote vorlegen könnten, sagte Vize-Regierungssprecher Thomas Steg. GM hatte sich mit Magna Ende vergangener Woche auf einen Rahmenvertrag geeinigt. Seitdem erhält Magna tieferen Einblick in die Bücher, während die konkurrierenden Bieter außen vor bleiben. "Das Interesse ist weiter da, es liegt nicht an uns", sagte Fiat-Chef Sergio Marchionne. Rein technisch sei das Geschäft noch nicht abgewickelt. "Wir werden sehen", gab er sich kämpferisch.

Auch BAIC gibt nicht auf. Um für einen möglichen späteren Einblick in die Opel-Bücher vorbereitet zu sein, habe das Unternehmen die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers mandatiert, hieß es.

Unklar ist nach Regierungsangaben etwa noch, wer die rund vier Mrd. Euro schweren Pensionsverpflichtungen von Opel übernimmt. Magna sieht nach Opel-Angaben darin jedoch keinen Grund, das Geschäft zum Scheitern zu bringen. "Die Pensionsverpflichtungen sind fester Bestandteil der Finanzplanung von Opel und werden aus dem operativen Geschäft abgeführt", sagte ein Opel-Sprecher. Der Bund schließt eine Übernahme der Pensionsverpflichtungen im Zuge des Opel-Verkaufs aus, ebenso wie der Pensionssicherungsverein.

Diskussionsbedarf gibt es auch über den künftigen Marktzugang in Russland. Die dortigen GM-Aktivitäten sind nach den bisherigen Plänen nicht Teil des neuen Opel-Unternehmens. Die künftigen russischen Opel-Partner Sberbank und GAZ, die gemeinsam mit Magna bei Opel einsteigen wollen, dürften aber ein Interesse an zusätzlichen Produktionskapazitäten in dem wichtigen Markt haben.

Über künftige Lizenzzahlungen hat sich Magna mit der Opel-Mutter bereits weitgehend geeinigt. Einer mit der Situation vertrauten Person zufolge sollen die Gebühren von derzeit fünf Prozent des Umsatzes ab Vertragsabschluss mit Magna bis Ende 2012 auf 3,25 Prozent sinken. Bis Ende 2014 sind Zahlungen von 3,8 Prozent vorgesehen, danach wieder fünf Prozent. Die GM-Gesellschaft GTO finanziere im Gegenzug weiterhin die Entwicklungsarbeit von Opel, sagte ein Sprecher. Sollte GM jedoch nicht mehr dafür aufkommen, sind den Kreisen zufolge auch keine Lizenzzahlungen mehr fällig.

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