Autobranche
Opel-Mitarbeiter verzichten auf Lohn

Die Insolvenz des Mutterkonzerns GM rückt näher, nun wollen Opel-Mitarbeiter ihrem Unternehmen etwas Luft verschaffen: durch Lohnverzicht. Dafür soll es später bezahlten Sonderurlaub geben. Derweil hat Magna, der Favorit im Rennen um den Opel-Einstieg, seine Pläne konkretisiert.

HB DÜSSELDORF. Vor der drohenden Insolvenz der US-Konzernmutter General Motors (GM) wollen Opel-Mitarbeiter die Liquidität des deutschen Autobauers durch Lohnverzicht sichern. Die Belegschaft im Stammwerk Rüsselsheim und im Testzentrum im hessischen Rodgau-Dudenhofen werde im Mai und Juni jeweils 1,5 Tage arbeiten, ohne dafür Geld zu erhalten, sagte Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz und bestätigte damit einen Bericht des Magazins „Auto Motor und Sport“.

„Wir müssen uns darauf vorbereiten, dass GM kommende Woche in die Insolvenz geht und dass das enorme Auswirkungen auf Zulieferer haben kann, die auf Vorkasse bestehen“, sagte Franz in Frankfurt. Deshalb müssten alle möglichen Liquiditätsreserven gehoben werden, bis der Überbrückungskredit von Bund und Ländern greife.

In der Belegschaft sei die Zustimmung zu dem Vorhaben groß. Allerdings werde niemand gezwungen, mitzumachen. Im Gegenzug sollen die Mitarbeiter zwischen Weihnachten und Neujahr sechs Tage bezahlten Sonderurlaub nehmen dürfen. „Die Verzinsung beträgt also 100 Prozent“, sagte Franz.

Unterdessen prüft die Bundesregierung die Angebote der drei Opel-Interessenten – dem kanadisch-österreichischen Autozulieferer Manga, dem italienischen Autobauer Fiat und dem US-Finanzinvestor Ripplewood, der in Europa über seine Tochter RHJ International agiert. Regierungssprecher Thomas Steg betonte, dass die Regierung bislang keine Präferenz habe. „Dafür ist es noch zu früh“, sagte Steg am Freitag in Berlin.

Zu Berichten, wonach die Bundesregierung bereits eine Präferenz für Magna haben soll, sagte Steg, man wolle sich nicht an Spekulationen beteiligen. Laut Nachrichtenagentur Reuters hatte eine mit den Beratungen vertraute Person gesagt: „In der Bundesregierung zeichnet sich inzwischen eine recht klare Präferenz für das Angebot von Magna ab.“

Die Regierungsspitzen wollen am Nachmittag über die am Mittwoch eingereichten Konzepte beraten. Im Anschluss ist zudem ein Treffen mit den Ministerpräsidenten der vier Bundesländer mit Opel-Standorten geplant.

Steg schloss nicht aus, dass es dabei zu einer Vorentscheidung kommen könnte. Allerdings bekräftigte er, dass letztlich der Opel-Mutterkonzern General Motors (GM) und die US-Regierung am Zuge seien. „Diese Entscheidung muss in den USA fallen“, sagte Steg. Die Kriterien der Bundesregierung für die Bewertung der Konzepte seien klar: „Ein tragfähiges Unternehmenskonzept, damit die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens gewahrt ist, möglichst viele Arbeitsplätze zu sichern, möglichst die deutschen Standorte zu sichern, aber auch sorgsamer Umgang mit Steuermitteln muss gewährleistet sein“.

Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) sprach sich für Magna aus. Koch sagte im Deutschlandfunk, die Offerte von Magna biete für Opel die beste Perspektive. Das Magna-Angebot sei „am nächsten an den Wünschen“. Fiat sei mit seinen Plänen weit entfernt von dem, was man sich erhofft habe. Auch der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) kann sich am besten einen Einstieg von Magna vorstellen. „Aufgrund der vorgelegten Konzepte der Interessenten und der Gespräche mit ihnen und den Betriebsräten favorisiert er Magna“, sagte Regierungssprecher Walter Schumacher. Grundsätzlich ziehe Beck denjenigen Interessenten vor, der sich am meisten für die Erhaltung der Arbeitsplätze einsetze.

Auch in der Gunst von GM liegt Magna vor Fiat und Ripplewood/RHJ. Das sagten mehrere mit der Situation vertraute Personen dem Handelsblatt. Sie bestätigten damit gleichlautende Informationen des "Spiegel". Sprecher von Fiat, Opel und Magna wollten zu den Informationen nicht Stellung nehmen.

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