Autobranche
Opel-Rettung hängt an Chevrolet

Das Schicksal des Autoherstellers Opel ist eng mit der GM-Marke Chevrolet verbunden. Das geht aus dem aktualisierten Businessplan hervor, den Magna der Bundesregierung vorgelegt hat. Dem Papier zufolge strebt Magna gemeinsam mit der russischen Sberbank die komplette Übernahme von Chevrolet in Russland an. Derweil scheint auch die GM-Tochter Saab einen Käufer gefunden zu haben.



BERLIN/MÜNCHEN. "Unser derzeitiges Konzept sieht vor, dass New Opel bis auf weiteres das Exklusivrecht haben wird, die Marke Chevrolet in Russland zu produzieren und zu vertreiben", heißt es in dem Magna-Businessplan, der dem Handelsblatt vorliegt. Chevrolet ist die Nummer drei auf dem russischen Markt. Bis 2014 will Magna 350 000 Chevrolets und 200 000 Opel pro Jahr in Russland verkaufen.

Gemeinsam mit dem russischen Hersteller GAZ, der in das Konzept einbezogen werden soll, sind Produktionskapazitäten von 700 000 Autos in Russland geplant. Das entspräche fast der Hälfte des gesamten "New-Opel"-Absatzes, den Magna für 2014 geplant hat. Magna-Co-Chef Siegfried Wolf gab sich Mitte der Woche in Moskau zuversichtlich. "Wir sind guter Dinge. Unsere Arbeit läuft so, wie wir es vorhergesehen haben", sagte er. Sowohl Wolf als auch der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier sprachen mit Russlands Regierungschef Wladimir Putin über Opel.



"Magnas Prognose, 350 000 Chevrolets und 200 000 Opel zu verkaufen, erscheint uns sehr ambitioniert", sagt dagegen Tim Urquhart, Analyst des Marktforschers Global Insight. Urquhart geht davon aus, dass die Prognose um mindestens 30 Prozent über den erreichbaren Zielen liegt. Zudem sei es unwahrscheinlich, dass GM sein erfolgreiches Russland-Geschäft an New-Opel abtreten werde. General Motors steht seit vergangener Woche unter Gläubigerschutz. Ein Sprecher von Opel wollte die Verhandlungen zwischen GM und Magna nicht kommentieren.

Im Unterschied zu Russland drohen den westeuropäischen Werken herbe Einschnitte. Insgesamt sollen die Kosten in den kommenden fünf Jahren um 1,4 Mrd. Dollar gesenkt werden. In den westeuropäischen Werken sollen 9 500 Stellen wegfallen, zusätzlich 2 100 Arbeitsplätze in der Verwaltung. "Es wird versucht Werksschließungen zu vermeiden, wobei dies europaweit nicht ausgeschlossen werden kann", heißt es in dem Businessplan. Die Auslastung der Fertigungsstätten soll von 56 Prozent auf 96 Prozent steigen.

Derzeit nehmen Magna-Vertreter alle Werke unter die Lupe. Gefährdet sind offenbar die Standorte im belgischen Antwerpen und im britischen Luton. Die deutschen Endmontagen in Bochum, Rüsselsheim und Eisenach bleiben erhalten. Auch das Motorenwerk Kaiserslautern hat offensichtlich eine Zukunft. Allerdings soll die Getriebeproduktion in Rüsselsheim und Bochum nach Österreich und Ungarn verlagert werden. Damit wären in Deutschland 3 600 Arbeitsplätze in der Produktion verloren, zusätzlich sollen Stellen in der Verwaltung abgebaut werden.

Die unter Zwangsverwaltung stehende GM-Tochter Saab scheint einen Käufer gefunden zu haben: Nach Angaben des öffentlich-rechtlichen schwedischen Fernsehkanals SVT will der kleine schwedische Sportwagenhersteller Koenigsegg zusammen mit namentlich nicht genannten norwegischen Investoren Saab übernehmen. Saab wollte die Angaben nicht kommentieren. Allerdings kursiert Koenigsegg seit längerem als möglicher Saab-Käufer in den Medien. Für eine kurz bevorstehende Lösung spricht auch, dass die schwedische Regierung am Donnerstag Nachmittag bestätigte, Kreditgarantien für Saab vorzubereiten. Bislang hatte die Regierung staatliche Garantien von einem tragbaren Zukunftskonzept mit einem neuen Saab-Eigner abhängig gemacht.

Angaben über einen Kaufpreis wurden nicht gemacht. Koenigsegg wurde 1994 von dem Geschäftsmann und Autoenthusiasten Christian von Koenigsegg gegründet. Das Unternehmen stellt im Prinzip nur ein einziges, rund 1,3 Mio. Euro teures Modell mit unterschiedlichen Motorisierungen her.

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