_

Autobranche: Opel-Verkauf aufgeschoben, nicht aufgehoben

Auch nach dem erneut verschobenen Opel-Verkauf hält der bisherige Mutterkonzern General Motors (GM) an seinen Plänen fest. Die Hängepartie könnte den angeschlagenen Autobauer aber bald in Existenznöte bringen. Die Zeit drängt, Opel-Betriebsratschef Klaus Franz erhebt schwere Vorwürfe gegen Teile der GM-Führung.

Die Zeichen bei Opel stehen weiter auf Verkauf. Quelle: ap
Die Zeichen bei Opel stehen weiter auf Verkauf. Quelle: ap

HB RÜSSELSHEIM/DETROIT. "Die Arbeit zur Unterzeichnung eines bindenden Abkommens mit dem Zulieferer Magna geht weiter", verlautete am Samstag aus Konzernkreisen. Der GM-Verwaltungsrat wird sich am 3. November mit dem Verkauf an den österreichisch-kanadischen Zulieferer Magna und den Bedenken der EU-Kommission befassen. Das hatte GM-Vize John Smith am Freitag in seinem Internet-Blog angekündigt und damit Spekulationen ausgelöst, dass der Konzern seine deutsche Tochter doch behalten will. Dem widersprachen die Bundesregierung und der Betriebsrat.

Anzeige

Die Hängepartie könnte den angeschlagenen Autobauer aber bald in Existenznöte bringen. "Die Zeit drängt. Opel verbrennt jeden Monat 70 Mio. Euro", warnte Betriebsratschef Klaus Franz in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. In den vergangenen zehn Monaten seien 700 Mio. Euro verloren gegangen. Der Überbrückungskredit von 1,5 Mrd. Euro, der Opel bisher am Leben erhalte, reiche bis Ende November. "Einige Kräfte bei GM sind sich der Tragik nicht bewusst, dass sie die Existenz von Opel aufs Spiel setzen", sagte Franz.

Eine Alternative zum Opel-Verkauf hat GM nach Ansicht des Betriebsrates nicht. Aus eigener Kraft könne GM den Rüsselsheimer Autobauer nicht sanieren, weil dem US-Konzern auch nach dem Ende des Insolvenzverfahrens das Geld fehle. "Die US-Regierung wird kein Geld geben und wir als Arbeitnehmer werden keinen Beitrag leisten, wenn wir unter dem GM-Dach bleiben", sagte Franz. "Dann hat GM keinen Zugang zu Krediten oder Bürgschaften."

Im Streit mit der EU-Kommission fehlt nach wie vor die Klarstellung von GM, dass die Entscheidung zugunsten Magnas ohne politischen Druck gefallen war. Bislang hat GM wegen rechtlicher Bedenken und aus Angst vor Schadenersatz noch kein Schreiben direkt an die Kommission geschickt. Die Behörde hat Bedenken, dass wegen der geplanten Staatshilfen von 4,5 Mrd. Euro die deutschen Standorte bevorzugt und der Wettbewerb verzerrt werden könnten. Weil weder GM noch die Opel-Treuhand kurzfristig die von der EU-Kommission geforderte Erklärung abgeben wollen, kann der staatliche Milliardenkredit nicht fließen.

An die Bundesregierung hat der Konzern nach Franz' Angaben bereits am 15. Oktober ein entsprechendes Schreiben geschickt. "GM erklärt darin, dass die Entscheidung zugunsten Magnas allein aus wirtschaftlichen Gründen und wegen des überzeugenden industriellen Konzepts gefallen ist - also ohne politischen Druck", sagte Franz. Magna und die russische Sberbank wollen je 27,5 Prozent der Anteile an "New Opel" kaufen, GM will 35 Prozent behalten, die Belegschaft soll zehn Prozent bekommen.

Auch die Verhandlungen mit den Arbeitnehmern über einen Sanierungsbeitrag brauchen noch einige Zeit. "Das wird sich bis in die nächste Woche hinziehen", hieß es in Unternehmenskreisen. Nach Betriebsratsangaben wurden Fortschritte gemacht, es gebe aber noch einen offenen Punkt. Alle europäischen Gewerkschaften stünden inzwischen hinter dem Magna-Konzept. Die Belegschaft soll für ihre Beteiligung bis 2014 auf jährlich 265 Mio. Euro Urlaubs- und Weihnachtsgeld verzichten. Im Gegenzug verlangt sie Mitbestimmungsrechte.

  • Die aktuellen Top-Themen
Übernahmekarussell: Deutsche Wohnen kauft milliardenschweres Wohnungspaket

Deutsche Wohnen kauft milliardenschweres Wohnungspaket

Mit dem Kauf von fast 24.000 Wohnungen stemmt die Deutsche Wohnen als vierter Immobilienkonzern in diesem Jahr eine milliardenschwere Übernahme in Deutschland. Der Bestand des Konzern wächst damit um fast die Hälfte.

Intercontinental Hotels Group: „Wir wollen in Deutschland die Nummer eins werden“

„Wir wollen in Deutschland die Nummer eins werden“

Intercontinental Hotels Group will in Deutschland expandieren und die Branchenspitze erklimmen. Erstmals gibt der Weltmarktführer Einzelheiten des geplanten Projekts bekannt.

Schließungen drohen: Europas Raffinerien unter Druck

Europas Raffinerien unter Druck

Jede fünfte Raffinerie in Europa und den USA ist in den nächsten Jahren von der Schließung bedroht, so eine Studie der Beratungsgesellschaft A.T.Kearney. Die gesamte Branche sei in einem Wandlungsprozess.

  • Video

Projekt Zukunft Wie die Dinosaurier-Forschung hilft, heutige Probleme zu lösen - ein Gespräch mit Oliver Wings

Ein Gespräch mit Dr. Oliver Wings, Dinosaurier-Forscher, Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung, über den Nutzen der Dino-Forschung für die moderne Wissenschaft

  • Business-Lounge
Business-Lounge: Die großen Auftritte der Entscheider

Die großen Auftritte der Entscheider

Premieren, Feste, Symposien oder Jubiläen – es gibt viele Anlässe, bei denen die Größen aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft im Mittelpunkt stehen. Verfolgen Sie die Auftritte in Bildern.

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DEUTSCHLANDS ANZEIGENPORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Verkaufsangebote Verkaufsgesuche




 

.