Autobranche
Porsche und VW raufen sich zusammen

Und sie verstehen sich doch: Im Streit um den Einfluss von Großaktionär Porsche im VW-Konzern sind der Sportwagenbauer und der VW-Betriebsrat in einer wichtigen Frage auf Kompromisskurs gegangen.

HB WOLFSBURG. Es sieht alles nach einer Einigung bei Porsche und VW aus. Dabei geht es um Geschäfte zwischen den einzelnen Konzernmarken und Porsche. Die Arbeitsweise von zwei Aufsichtsratsausschüssen, die sich damit befassen, soll „optimiert“ werden.

Darauf verständigte sich das VW-Kontrollgremium am Freitag in Wolfsburg, wie der Autobauer mitteilte. Porsche wollte zuvor einen in der vorigen Aufsichtsratssitzung eingerichteten Ausschuss wieder abschaffen, wonach Geschäfte zwischen Porsche und den VW-Konzernmarken nur mit Zustimmung des VW-Aufsichtsrates geschlossen werden dürfen.

Die Entscheidung bei der Sitzung des Aufsichtsrats im September hatte für einen Eklat gesorgt, nachdem sich Aufsichtsratschef Ferdinand Piech der Stimme enthalten und damit dem Antrag der Arbeitnehmerseite auf Einrichtung des Ausschusses zum Erfolg verholfen hatte. Porsche-Miteigentümer Piech war damit Porsche in den Rücken gefallen. Der VW-Betriebsrat befürchtet, dass Porsche wegen möglicher Überschneidungen zu viel Einfluss auf die Modellpolitik etwa bei der VW-Tochter Audi nehmen könnte.

Porsche-Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche hatte sich fassungslos über das Abstimmungsverhalten seines Cousins Piech in der September-Sitzung geäußert. Später hatten Piech und Porsche den Konflikt nach eigener Darstellung beigelegt. Porsche hatte gesagt, Piech wolle in der November-VW-Aufsichtsratssitzung die Auflösung des umstrittenen Ausschusses beantragen.

Anders als angekündigt, wird der Ausschuss aber nun doch nicht abgeschafft. Damit gingen Porsche und der VW-Betriebsrat aufeinander zu. Sie liegen aber in anderen zentralen Fragen, etwa der Mitbestimmung bei der Porsche Holding und dem VW-Gesetz, weiter im Clinch. Zum Thema Geschäfte zwischen Porsche und VW gibt es bereits einen Ausschuss des VW-Aufsichtsrats, der die Geschäftsbeziehungen aber erst im Nachhinein kontrollieren kann.

In Aufsichtsratskreisen hieß es, nach der turbulenten Sitzung im September sei die Stimmung bei den Beratungen am Freitag gut gewesen. Es habe „keinen Riesen-Dissens“ gegeben. Vorstandschef Martin Winterkorn und Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch sollen nun Vorschläge ausarbeiten, um die Arbeit der beiden Ausschüsse zu optimieren.

Zudem hieß es nach der Sitzung, aufgrund der aktuellen Rahmenbedingungen habe der Vorstand dem Aufsichtsrat keine neue Investitionsplanung vorgelegt. Dies solle bei der nächsten Aufsichtsratssitzung geschehen. Es gelte aber die gültige Drei-Jahres-Planung, die bis ins Jahr 2010 reicht.

Die Automärkte sind derzeit vor allem in den USA und Westeuropa auf Talfahrt. Zwar steht VW im Vergleich zu Mitbewerbern noch gut da und hat seine Prognosen zu Ergebnis und Absatz in diesem Jahr nicht nach unten geschraubt. Auch Volkswagen aber rechnet 2009 mit schwierigen Zeiten.

Vorstandschef Winterkorn hatte bereits vor Wochen angekündigt, er wolle konzernweit alle Investitionsvorhaben auf den Prüfstand stellen und zugleich die Kostenbremse anziehen. Zugleich hat der Wolfsburger Autobauer seine langfristige „Strategie 2018“ weiterentwickelt. Oberste Priorität soll die Entwicklung sparsamer, umweltschonender Autos mit alternativen Antrieben und Motoren sein. VW peile „neue ökologische Maßstäbe“ an. VW veranschlage in den kommenden Jahren jährlich Ausgaben von mehr als acht Milliarden Euro für Entwicklung und Investitionen in neue Modelle und Technologien.

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